Als Teilzeit-Mutter bin ich besser!

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Morgen öffnet am Arkonaplatz Lovelystuff die Türen, ein Laden rund um Hochzeit, Schwangerschaft, Baby und Kind. Er ist die neue Herzensangelegenheit von Sarah Knapp (Mettler), die sich in der Start-up-Szene schon mit Projekten wie Monoqi oder Nonabox einen Namen gemacht hat. Kurz vor der Eröffnung erzählte sie uns, warum sie sich ein Leben ohne Karriere nicht vorstellen kann.

Hauptstadtmutti: Sarah, es ist erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit du in der Vergangenheit ein erfolgreiches Projekt nach dem anderen auf die Beine gestellt hast. Nur drei Monate nach der Geburt deiner Tochter Mathea bringst du nun ein weiteres Unternehmen in Lauf. Sag uns, wie es zu so einem Elan kommt!

Sarah: Zu dem Laden kam ich eigentlich wie die Jungfrau zum Kind. Bisher war Lovelystuff nur ein Onlineshop für Hochzeit, Schwangerschaft, Baby und Kind, den Freunde von mir betrieben haben. Als dort dann ein Generationenwechsel anstand, wurde nach jemandem gesucht, der das Projekt aus dem Internet heraus auf die nächste Stufe hebt. Für mich war es derweil schon immer ein Traum gewesen, einen stationären Laden zu führen, in dem ich ganz nah dran bin an der Ware. Der letzte Auslöser war, dass bei mir im Haus ein Laden frei wurde. Da habe ich zugeschlagen.

Hauptstadtmutti: Auf welche Vorteile hoffst du im Vergleich zum Online-Geschäft?

Sarah: Das Tolle ist, dass ich ab jetzt den direkten Draht zum Kunden habe und alles genau auf meine Zielgruppe ausrichten kann. Wenn jemand in den Laden kommt und fragt, ob es diese Gummistiefel auch in Lila gibt, und dann kommt noch einer mit derselben Frage und dann womöglich noch einer, dann kann ich das eben besorgen.

Hauptstadtmutti: Onlineshops für Kindersachen boomen, und absolut im Trend liegt weiterhin klares, skandinavisches Design. Gehst du mit deinem Laden auch in diese Richtung?

Sarah: Ich werde eher klassische Sachen anbieten,  sehr viel Rosa, Hellblau und Vichy-Karo. Ich habe mich bewusst gegen die skandinavische Linie und auch gegen den typischen Berlin-Style entschieden, weil es davon einfach schon jede Menge gibt und ich glaube, dass es in Berlin genug Zugezogene gibt, die vielleicht auch mal nach etwas anderem suchen. Ich habe aber auch genug Produkte dabei, die sehr kreativ sind und die man woanders so noch nicht gesehen hat. Das ist, denke ich, die ideale Kombination.

Hauptstadtmutti: Kommen deine Designer größtenteils aus Berlin oder bist du international aufgestellt?

Sarah: Die meisten Produkte beziehe ich aus den USA und Großbritannien. Ich habe aber auch zwei kleinere Berliner Labels dabei, die bisher im Onlineshop nicht vertreten waren.

Hauptstadtmutti: Du übernimmst das Online-Geschäft und eröffnest den Laden zur gleichen Zeit. Das ist ungewöhnlich, meistens geht beides ja nicht so schnell einher.

Sarah: Heutzutage ist beides gleich wichtig, deshalb wollte ich auch unbedingt von Anfang an beides parallel anbieten. Ich starte mit drei Mitarbeiterinnen, die den Verkauf schmeißen, während ich mich im Hinterzimmer um Marketing, PR, Finanzen und den Onlineshop kümmere. Der Laden wird also zum Lovelystuff-Headquarter, alles wird von hier aus geregelt. So bin ich immer vor Ort und kann sehen, wie alles läuft.

Hauptstadtmutti: Wo ist deine Tochter in dieser Zeit?

Sarah: Entweder bei ihrem Vater oder bei der Omi, die diesen Sommer in Berlin verbringt. Im Oktober kommt Mathea dann in die Kita. Sie ist dann 5 Monate alt.

Hauptstadtmutti: Wie geht es dir mit der Entscheidung, dein Kind so früh aus den Händen zu geben?

Sarah: Ich fühle mich ok damit. Ich habe sie während der Schwangerschaft für einen Kita-Platz angemeldet, muss aber jetzt schon sagen, dass es doch etwas ganz anderes ist, jetzt zu wissen, dass ich Mathea in absehbarer Zeit abgeben muss.

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Hauptstadtmutti: Wie gehst du mit der Situation um?

Sarah: Ich hatte richtig Bauchschmerzen und war extra noch einmal in der Kita, um mit den Erzieherinnen zu reden. Sie haben mich ermutigt und mir wirklich ein gutes Gefühl gegeben, dass wir das alle zusammen schaffen. Die Kita-Eingewöhnung dient wohl eher mir als meinem Kind!

Hauptstadtmutti: Wie sehen jetzt im Licht der Realität deine Vorstellungen von einem perfekten Tag als Mutter und Karrierefrau aus?

Sarah: Ich wünsche mir, mich mit meinem Freund in der Betreuung unserer Tochter so abzuwechseln, dass ich den ganzen Nachmittag im Laden sein kann.

Hauptstadtmutti: Hut ab dafür, dass du in Deutschland so früh zugibst, dein altes Leben wieder haben zu wollen!

Sarah: Für mich war auch schon vor meiner Schwangerschaft immer klar, dass ich nicht so lange zu Hause bleiben möchte. Wobei ich jetzt, wo ich das Kind habe, auch gut verstehen kann, dass andere Mütter das wollen. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn jemand sagt, dass er drei Jahre zu Hause bleiben und die Entwicklung seines Kindes direkt begleiten möchte. Für mich kommt das aber nicht in Frage. Ich bin besser als Teilzeit-Mutter – würde ich 24 Stunden lang nur mein Kind bespaßen, würde mir eine wichtige Komponente meines Lebens fehlen und ich könnte meinem Kind weniger geben. Ich arbeite einfach wahnsinnig gern und bringe neue Projekte auf den Weg! Für mich kommt Leben nur in dieser Mischung aus Familie und Arbeiten infrage.

Hauptstadtmutti: Was dürfen wir morgen bei der Eröffnung von Lovelystuff erwarten?

Sarah: Es gibt ein kleines Fest: Von 15 bis 18 Uhr feiern wir mit Kuchen, Prosecco und Sonnenschein!

Hauptstadtmutti: Liebe Sarah, lieben Dank für das Interview! Wir wünschen dir eine tolle Shop-Eröffnung und einen großartigen Start!

Fotografie & Interview: Claudia Kahnt   Text: Yvonne Vávra

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