Benno Fürmann: „Ich bin nicht so der Koch – aber dafür stopfe ich die Socken!“

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Vor dem Einschlafen eine Geschichte vorlesen ist in vielen Familien eine wichtiges Ritual, das ist auch bei den SchauspielerInnen Inka Friedrich (49, „Sommer vorm Balkon“), Jördis Triebel (37, „Emmas Glück“), Benno Fürmann (43, „Wolfsburg“) und Axel Prahl (55, Tatort Münster) nicht anders.

Für die CD „Gute Nacht Sterne“ haben sie wunderbare Geschichten und Einschlaflieder beigesteuert, hier könnt ihr schon mal reinhören. Vor der CD-Vorstellung bei Dussmann das KulturKaufhaus haben wir uns mit den gut gelaunten vier darüber unterhalten, welche Auswirkungen der Schauspielerberuf auf das Elternsein hat, welche Fragen Kinder am Set so stellen – und, na klar, auch über Einschlaf-Tipps für Kids.

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Hauptstadtmutti: Kind und Karriere – wie bekommt man das unter einen Hut? Das ist bei euch ja ein bisschen anders als bei Eltern mit Nine-to-Five Jobs. Ist das für euch ein Thema?

Jördis Triebel: Das ist absolut ein Thema, ja. Gerade beim Drehen ist man ja mehrere Tage von zu Hause weg. Wie organisiert man das? Nimmt man sie mit? Lässt man sie zu Hause? Wie schafft man es, sich 100% in den Beruf zu schmeißen und dabei zu wissen, dass es den Kinder gut geht? Ich finde, das ist wirklich … anstrengend.

Axel Prahl: Das kann ich nur bestätigen, auch aus Männer-Sicht ist es nicht viel einfacher. Weil ja häufig beide berufstätig sind – und dann wird’s natürlich richtig schwierig. Da kommt’s schon auch mal dazu, dass man sich nur noch die Klinke in die Hand gibt.

Alle: Is so. Leider.

Inka Friedrich: Ich finde das auch Wahnsinn. Mein Mann ist auch Schauspieler und jetzt gerade mal in Berlin am Theater, was alles schon mal einfacher macht – er ist zumindest über Nacht und morgens da! Wenn wir in zwei Städten arbeiten, haben wir Babysitter. Ich hab gerade neulich gedacht, dass wir die Aufgabenverteilung im Alltag klarer absprechen müssten, die Zuständigkeiten mehr verteilen. So machen wir beide alles – und dann klappt manchmal gar nichts. Wir müssen uns noch öfter fragen: Was kannst du besser, was machst du lieber? Ich will gar kein altes Klischee, unterm Strich möchte ich genau so ein Leben haben, in dem wir uns beide um die Kinder kümmern, beide unseren Beruf ausüben können und uns entsprechend  abwechseln.

Hauptstadtmutti: Und wie ist das bei Dir, Benno ? 

Benno Fürmann: Es ist ein Geschenk der Zeit, dass man, ohne sich dabei blöd zu fühlen, aussuchen kann, was man möchte. Ich bin nicht so der Koch – ich bewundere Leute, die gut kochen können -, aber ich stopfe dafür die Socken. Oder ich nähe die Hose. Ich kann also mit Zwirn umgehen!

Inka Friedrich: Oh super, das ist doch schon mal was! Du, ich kann dir alle Hosen von meinen Jungs geben – die sind alle durch!

Benno Fürmann: Darüber können wir reden (lacht)! Ihr habt das Glück, dass ihr beide im selben Beruf arbeitet. Als Schauspieler hat man sehr unregelmäßige und intensive Arbeitszeiten –  da ist es ein Vorteil, dass beide einander verstehen.
Ich habe mit einer großartigen Frau – mit der ich nicht mehr zusammen bin – ein Kind. Sie versteht, dass ich mal ganz, ganz viel Zeit habe und dann mal ganz, ganz wenig. Seit Jahren hält sie mir den Rücken frei, wofür ich ihr unglaublich dankbar bin. Sie hat einen stetigen und ich hab einen total unstetigen Beruf und daher weiß ich ihr Verständnis, was Schauspielerei für den Alltag bedeutet, sehr zu schätzen.

Jördis Triebel: Ich bin alleinerziehend und finde es manchmal schon sehr schwer, das alles unter einen Hut zu bringen. Ich liebe meinen Beruf wahnsinnig und möchte ihn weiter verfolgen und muss dann eben schauen… Wenn ich eine Rollenangebot annehme, weiß ich, das wird eine intensive Phase, in der alles gut organisiert sein muss. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen ich 100 Prozent Mutter bin.

Hauptstadtmutti: Nehmen Sie ihre Kinder mit ans Set?

Benno Fürmann: Ich hab einmal einen Film mit Jördis gedreht, als sie gerade ihr zweites Kind bekommen hatte. Sie ist dann zwischendurch ins Wohnmobil, um das Baby zu stillen. Am Drehort auch Mutter zu sein, dann wieder in eine Rolle zu schlüpfen und dann wieder Mutter zu sein – das bewundere ich. Das ist ein Spagat, den wir Männer nicht leisten können, moderne Zeiten hin oder her. Bei mir ist das so: Entweder ich arbeite oder ich bin Vater. Meine Tochter hat mich mal am Set besucht, was ich eigentlich nicht mag. Aber da es sich um einen Kinderfilm-Dreh handelte, könnte es funktionieren – dachte ich. Meine Tochter hat dann gemerkt, dass sie nicht zu mir durchkommt, da ich anders konzentriert bin.

Inka Friedrich: Meine Kinder sind gerne zu Hause und langweilen sich am Set eher. Wir haben das ja probiert, aber dann kommen so Fragen wie „Mama, wieso sagst du immer das Gleiche – kannst du’s nicht?“, „Warum macht ihr das jetzt noch mal?“ oder „Mama, ich will lieber Lego!“ Dann lass ich sie doch lieber zu Hause in ihrem Umfeld und bin entspannt bei der Arbeit. Mein Mann und ich wünschen uns sogar gegenseitig „Schöne Ferien“, wenn wie wir zum Drehen wegfahren. Da bin ich dann ja nur noch für mich. Und die Rolle. Und das Team. So viel freie Zeit – luxuriös! 

Hauptstadtmutti: Herr Prahl, auch Ihre Kinder sind aus dem Kleinkindalter raus. Welche Phase der Kinder fanden oder finden Sie am spannendsten?

Axel Prahl: Für mich wurde es immer am interessantesten, wenn die Kinder begannen, mit mir zu kommunizieren. Die Phase, in der sie ihre Wünsche, Befindlichkeiten oder gar Schmerzen nur mit irgendwelchen Lauten oder Schreien Kund tun konnten, fand ich offen gestanden meist eher anstrengend. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als beispielsweise meine Tochter Mascha anfing zu sprechen. Als sie ihren ersten Winter erlebte und ich sie nach dem Erwachen aus dem Bettchen holte und ihr am Fenster die herabschwebenden Schneeflocken zeigte, sagte sie zu mir: „Oh, Fussel!“.

Hauptstadtmutti: Sie wirken im Fernsehen immer sehr locker und lässig. Sind Sie als Vater auch streng?

Axel Prahl: Kinder brauchen Grenzen. Vor allem, wenn man die eigenen moralischen Wertmaßstäbe an die Kinder weitergeben möchte und darauf besteht, dass diese sie auch verinnerlichen, kommt man um eine gewisse Strenge nicht herum. Auch wenn man sich manchmal vorkommt wie eine Langspielplatte, die einen Sprung hat, sollte man immer wieder diese Wertmaßstäbe einfordern.

Hauptstadtmutti: Sie haben auch zwei erwachsene Kinder. Erleben Sie das Vatersein mit Ihren Jüngsten anders? 

Axel Prahl: Natürlich entwickelt man mit zunehmender Erfahrung an vielen Stellen sehr viel mehr Gelassenheit in Situationen, in denen man als unerfahrener Vater häufig ratlos war. Insofern gelingt es mir jetzt bei meinen Jüngsten auch eher, das Vatersein zu genießen.

Hauptstadtmutti: Und wer verrät uns jetzt den ultimativen Einschlaf-Tipp für unsere Kids?

Axel Prahl: Ganz einfach: Plastikhülle entfernen, CD Gute Nacht Sterne aus der Hülle nehmen, in den CD-Player legen und die Starttaste drücken (lacht). Ich kann nur empfehlen, schon direkt nach der Geburt darauf zu achten, den Tag- und Nachtmodus so konstant wie möglich zu unterscheiden. Bei mir liegen die Kinder immer pünktlich, zur immer gleichen Zeit, in einem möglichst gut abgedunkelten Raum im Bett. Ein Ritual wie eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen oder ein Lied vorsingen oder eben vielleicht noch gemeinsam eine CD anhören kann meines Erachtens das Urvertrauen der Kinder stärken.

Interview: Isa Grütering & Claudia Kahnt // Foto: Claudia Kahnt // Text: Natascha Korol

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