„Das Besondere geht verloren, wenn man einfach alles anbietet“

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Mit KNIT KNIT haben Nina und Lisa einen kreativen Treffpunkt in Mitte geschaffen – Stricken sieht hier sehr jung und stylisch und international aus. Im Interview erzählten uns die beiden alles über Wolle, Zubehör, Strickkurse und die verzwickte Frage nach Qualität oder Quantität.Hauptstadtmutti: Wie ist KNIT KNIT entstanden?

Nina: Ich habe vor drei Jahren allein begonnen. Eigentlich bin ich Grafikdesignerin und ich hatte den Wunsch, wieder mehr mit meinen Händen zu arbeiten. Grafikdesign hat ja leider nicht mehr viel mit hochwertigem Papier und dergleichen zu tun, es ist nur noch Computerarbeit. Ich hatte das Gefühl, dass ich zum Ausgleich etwas zum Anfassen und wieder mehr Menschen um mich herum brauche.

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Hauptstadtmutti: Nach welcher Idee bist du dann vorgegangen?

Nina: Ich wollte einfache Anleitungen, tolle Farben und besondere Materialien in einem Laden zusammenzubringen, und zwar auf moderne und lockere Weise, sodass sich auch Anfänger und Leute mit Hemmschwelle an das Hobby herantrauen. Hier geht es darum, einfach Spaß zu haben und ohne Erfolgsdruck kreativ zu sein. Ich stricke seitdem ich 10 Jahre alt bin und habe nach mehrmaligem Scheitern an komplizierten Anleitungen begonnen, selber einfache Strickstücke zu entwerfen, die ich z.B. mit besonderem Kniff zusammengenäht habe. Jeder hat dann gefragt, woher ich das habe, und irgendwann kam mir die Idee, meine Erfahrung in einem Laden anzubieten, Kurse zu geben und die Leute zu beraten.

Hauptstadtmutti: Wie lange hast du das allein gestemmt?

Nina: Ich habe das ein Jahr lang allein gemacht, es haben aber immer mal wieder Freundinnen geholfen, denn die Nachfrage wurde recht schnell groß. Im vergangenen Jahr ist dann Lisa dazugekommen. Seitdem haben wir nochmal ein neues Level erreicht und uns auch online mehr ausgebreitet, weil man sich zu zweit viel besser den Ball zuspielen kann. Wir haben zusammen zum Beispiel Sticksets entwickelt, in denen Nadel, Wolle und Anleitung gebündelt sind, sodass man direkt loslegen kann. Das läuft sehr gut an.

Hauptstadtmutti: Wie viel Zeit nimmt das alles in Anspruch, habt ihr noch Projekte außerhalb von KNIT KNIT?

Nina: Es ist ein Saisongeschäft, vor allem im Winter ist sehr viel los. Wir haben mittlerweile mit Linda noch eine Dritte im Team, die sich neben dem Verkauf um die Gestaltung des Ladens kümmert. Im Sommer können wir alle auch andere Projekte dazwischen schieben, da ist Lisa zum Beispiel öfter in einer Werbeagentur und auch ich habe mehr freie Projekte. Aber ansonsten sind wir schon von 11 bis 19 Uhr hier, an den Wintertagen auch durchgehend zu zweit – da geht nichts mehr nebenbei.

Hauptstadtmutti: Denkt ihr euch alle Strickmuster selbst aus?

Nina: Ja, ich bin der Bauch und Lisa ist der Kopf. Wir ergänzen uns super. Ich mache erste Entwürfe und zeige sie Lisa und Linda – dann kommt entweder ein Ja oder ein Nein. Meist fallen die Entscheidungen sehr schnell, weil man genau spürt, wenn etwas gut ist. Eigentlich sind alle Sachen grafisch aufgebaut – Rechtecke und Dreiecke, die mit einer besonderen Idee zusammengenäht werden. Es sieht kompliziert aus, aber es stecken einfache Ideen dahinter.

Hauptstadtmutti: Wer sucht die Wolle aus?

Nina: Auch das machen wir zusammen. Die Vertreter kommen, und wir picken uns das Schönste heraus. Wir haben uns von Anfang an so positioniert, nur reine Naturmaterialien verkaufen zu wollen und nichts, was uns nicht gefällt. Dann hatten wir Glück, dass viele Hersteller darauf eingegangen sind und wir uns nicht an ein Komplettsortiment binden mussten. Unser Sortiment ist immer besonders und abwechslungsreich. Das bringt uns viel gute Presse und Follower in sozialen Netzwerken – vor allem aber gefällt es unseren Kunden und Strickern!

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Hauptstadtmutti: Wie viele Kurse macht ihr pro Woche?

Lisa: Durchschnittlich zwei, im Winter mehr und im Sommer etwa alle zwei Wochen einen. Besonders die Anfängerstrickkurse sind immer sehr voll, und viele stricken weiter – sie fangen an mit Schals und am Ende wagen sie sich an einen Norwegerpulli. Ich habe auch hier Stricken gelernt.

Nina: Ja, so haben wir uns kennengelernt und gleich gut verstanden. Lisa hat irgendwann ihre Hilfe angeboten und dann haben wir uns getraut, KNIT KNIT zusammen zu machen.

Hauptstadtmutti: Könnt ihr euch vorstellen, das Unternehmen weiter auszubauen, zum Beispiel Läden in anderen Städten aufzumachen?

Nina: Wir haben darüber nachgedacht, aber unser Konzept hängt sehr viel an den Persönlichkeiten, die hinter der Idee und in den Läden stehen. Es bräuchte momentan zuviel Zeit und Mut, abzugeben. Wir wollen erstmal unseren Laden hier gut führen und eher unser Online-Profil ausbauen. Ich mache zum Beispiel jetzt Online-Tutorials. Das macht viel Spaß und ich kann so unsere Art zu stricken einer breiteren Strickschaft erklären.

Hauptstadtmutti: Welche weiteren Strategien habt ihr für die Zukunft?

Nina: Es kommen immer mal wieder neue Ideen dazu. In Kooperation mit knit affair produzieren wir z.B. unsere eigens designten Nadeln – aus nachhaltig gewonnenen Hölzern und in Berlin hergestellt. Es gibt auch eine hauseigene KNIT KNIT Wolle. Einmal im Jahr fahren wir nach Florenz, um Farben und Material zusammenzustellen. Solche Sachen würde ich gern noch mehr machen.

Hauptstadtmutti: Ihr verkauft nur eure eigenen Sachen online, warum nehmt ihr nicht mehr Material rund ums Stricken in euer Sortiment auf?

Lisa: Wir wollen nur unsere eigenen Sachen verkaufen, die Stricksets, die Wolle und die Nadeln. Es gibt so viele Online-Shops rund um Stickmaterial, in diese Richtung wollen wir nicht. Das Besondere geht auch ein bisschen verloren, wenn man einfach alles anbietet.

Nina: Irgendwann hat man einen Punkt erreicht, an dem es heißt: Quantität oder Qualität? Unser Konzept, von jedem Hersteller nur eine feine Auswahl anzubieten, führt dazu, dass wir auf Mengenrabatte und Sonderkonditionen verzichten müssen. Wir wollen aber trotzdem genauso weitermachen und haben entschieden, einfach eine exklusive Wollboutique zu sein, die für einen gehobenen Anspruch steht, den unsere Kunden mit uns teilen. Eine tolle Beratung und entspannte Atmosphäre bekommt man noch dazu.

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Hauptstadtmutti: Habt ihr Lust auf internationales Wachstum?

Lisa: Es kommen sehr viele Wolltouristen aus dem Norden. Die lesen zum Beispiel in Dänemark auf einem Blog von uns und kommen dann in den Laden, um sich auch vor Ort ein Bild von uns zu machen.

Nina: Wir haben oft auch internationale Kursteilnehmer – manchmal geht es sprachlich bunt her. Das macht natürlich auch unser Standort in Mitte. Was alle verbindet, ist die Kreativität. Es ist toll zu sehen, was unsere Kunden für schöne Sachen kreieren, wie sie sich austauschen und weiter entwickeln. Wir haben sehr viele Stammkunden, viele sind Freunde geworden.

Hauptstadtmutti: Geht ihr mit der Mode?

Nina: Auf jeden Fall! Ich folge z.B. bei Instagram vielen Bloggern aus dem Mode- oder DIY-Bereich und gucke, was es Neues gibt. Es ist auch schön zu sehen, wie viele uns wiederum folgen. Offenbar sind viele Fotografen und Leute aus der Modebranche am Trend Stricken dran.

Hauptstadtmutti: Ihr habt ja auch ein Buch – hast du das gestaltet, Nina?

Nina: Ja, beim Buch (Das geniale Schnellstricker-Buch) ist alles komplett selbst gemacht – in meiner Wohnung und an meiner Schwester von einer Freundin fotografiert. Da wurde nichts aus der Hand gegeben. Wir wollen noch einen Nachfolger mit Babystricksachen machen.

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Hauptstadtmutti: Was ist ansonsten geplant?

Nina: Wir wollen ab Oktober unsere Öffnungszeiten ein bisschen erweitern, im Winter haben wir dann auch montags von 11 bis 19 und Samstag bis 18 Uhr geöffnet. Ansonsten wollen wir weiterhin neue besondere Garne, Hersteller und Trends rund um Wolle aufspüren und zu KNIT KNIT holen. Wir bauen gerade eine Kooperation mit jungen Berliner Modelabels auf, die Lust haben, Ihre Lieblingsstrickstücke mit uns als Knit Kits anzubieten. Alles nur nicht stillsitzen – außer beim Stricken.

Ihr Lieben, vielen Dank für das tolle Interview!

Interview: Isa Grütering & Claudia Kahnt  //  Fotos: Claudia Kahnt  //  Text: Yvonne Vavrá

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