In den Kindern liegt die Zukunft

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In den Südtiroler Bergen führen Heidi und Sepp die Taser-Familienalm, auf der man viel Ruhe und großartige Wanderwege findet, aber kein Internet. Drei Kinder haben sie hier oben großgezogen und mit den Jahren gelernt, wie man trotz riesigem Arbeitspensum eine Balance zwischen Arbeit, Familienleben, Beziehung und dem eigenen Leben schafft.

Hauptstadtmutti: Eure Alm gibt es seit den 50er-Jahren, aber im Jahr 2000 habt ihr euch entschieden, eine explizite Familienalm daraus zu machen. Warum?

Heidi: In den Kindern liegt die Zukunft.

Sepp: Es hat einfach gut gepasst. Wir hatten schon viele Erfahrungen mit Familien gemacht und gesehen: Kinder, Natur und Tiere – das funktioniert eben. Der Spielplatz ist dicht am Restaurant, und die Tiere sind auch in der Nähe.

Hauptstadtmutti: Was habt ihr beide vorher gemacht?

Sepp: Ich bin hier in Südtirol aufgewachsen und zur Schule gegangen. Als ich 20 war, habe ich den Betrieb von meinen Eltern übernommen, die quasi Pioniere in der Berggastranomie waren.

Hauptstadtmutti: Gab es damals die Seilbahn schon?

Sepp: Ja, die gibt es seit den 50er-Jahren. Allerdings war das erst nur eine Materialseilbahn, dann später eine Sechs-Personen-Seilbahn und jetzt gibt es die neue große.

Hauptstadtmutti: Erzählt mal von eurer Alm: Was gibt es hier alles?

Heidi: Wir haben ein Haupthaus mit 7 Doppelbettzimmern und 4 Einzelzimmern und natürlich auch mit Hallenbad, Beauty-Studio und Sauna mit Kindersauna. Außerdem gibt es 4 Chalêts mit jeweils 3 Apartments.

Hauptstadtmutti: Denkt ihr darüber nach, euch hier oben auszubreiten?

Heidi: Nein! Zurzeit können wir maximal 87 Personen beherbergen, und das reicht. Wir wollen nicht größer werden, denn sonst könnten wir den persönlichen Kontakt mit unseren Gästen nicht aufrechterhalten. Wir wollen keine Massenabfertigung, sondern ein enges Verhältnis und die Möglichkeit, individuelle Tipps zu geben. Es muss überschaubar bleiben.

Hauptstadtmutti: Wie teilt ihr euch die Arbeit?

Heidi: Wir haben immer zwei bis drei Mitarbeiter für die Bedienung, dieses Jahr sogar noch einen Kellner mehr. Denn wir wollen auch einmal einen Tag frei machen und ein bisschen Privatleben genießen.

Hauptstadtmutti: Ihr habt nur einen Tag in der Woche frei?

Heidi: Genau, wir haben einen gemeinsamen Tag pro Woche, und da müssen wir auch ganz früh weg sein, sonst holt uns das Tagesgeschäft ein. Meist gehen wir in die Berge und machen größere Touren. Manchmal fahren wir auch zum Gardasee, wenn das Wetter schön ist.

Hauptstadtmutti: Und Urlaub?

Heidi: Einmal im Jahr machen wir Urlaub, in der Faschingswoche. Da haben auch die Kinder frei. Wenn es möglich ist, fahren wir auch zu Weihnachten noch einmal gemeinsam mit den Kindern zwei Tage weg.

Hauptstadtmutti: In welcher Zeit müsst ihr am meisten arbeiten?

Heidi: Die Saison fängt eine Woche vor Ostern an und hört Allerheiligen auf. Dann schließen wir, putzen und machen Reparaturen und Renovierungen, bis Weihnachten.  Am 25. Dezember öffnen wir noch einmal, aber nur für zwei bis drei Wochen. Wir haben ja hier kein Skigebiet. Schneeschuh- und Schlittenwanderungen organisieren wir aber gern. Dennoch machen die Familien bei uns vor allem Urlaub mit viel Ruhe.

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Hauptstadtmutti: Wie steht es mit eurer Ruhe? Findet ihr Zeit, etwas für euren eigenen Ausgleich zu unternehmen?

Heidi: Ich mache jeden Tag etwas für mich – Jogging, Nordic Walking oder Speed Hiking.

Sepp: Man kann nicht 14 Stunden am Tag im Betrieb verbringen. Ich habe außer mit der Alm noch etwas mit Landwirtschaft zu tun und im Wald. Das ist sehr körperliche Arbeit und für mich der perfekte Ausgleich.

Hauptstadtmutti: Wie ist das für euch als Paar, wenn ihr immer zusammen arbeitet?

Heidi: Der Sepp ist öfter im Büro und als Hausmeister in den Gebäuden unterwegs, und ich bin mehr im Service. Wir sind zwar 24 Stunden zusammen, aber hängen nicht wirklich ständig am selben Platz aufeinander. Ich habe 18 Jahre beim Zahnarzt in der Stadt gearbeitet, ohne Sepp, und würde auf keinen Fall mehr tauschen wollen.

Hauptstadtmutti: Wie habt ihr euch eigentlich  getroffen?

Heidi: Ich komme aus Meran, aus der Stadt. Da haben wir uns in einer Diskothek kennen gelernt, ganz klassisch.

Sepp: Ja, ich hab eine aus der Stadt gefunden! Und sie hat das Glück gehabt, einen vom Berg zu finden (lacht).

Heidi: Ich würde die Stadt auch nie mit dir eintauschen, Schatzi. Zweimal in der Woche mache ich ja auch noch die Einkäufe mit dem Lieferwagen in der Stadt und treffe dann manchmal meine alten Freunde. Aber ich würde das alles nie mehr gegen die Berge tauschen. Südtirol ist einfach herrlich. Der ganze Trubel da unten, die hektischen Leute, das brauche ich nicht. Und das wollen wir unseren Gästen auf der Alm auch vermitteln: Stille. Um 18 Uhr fährt die letzte Seilbahn, danach sind nur noch die Hausgäste da. Die Kinder können im Sommer draußen spielen, während die Eltern auf der Terrasse sitzen und Wein trinken. Kein Auto, kein Lärm, kein Stress, einfach Ruhe. Viele brauchen auch ein paar Tage, bis sie richtig ankommen. Wir haben deshalb beschlossen, dass es in den Zimmern kein Internet gibt, damit auch die Eltern mal abschalten können. Viele schätzen das auch mittlerweile, wenn mal gar nichts geht.

Sepp: Und das lassen wir auch so.

Hauptstadtmutti: Ihr habt drei Kinder: eine 21-jährige und eine 14-jährige Tochter und einen Sohn (10). Vermissen die manchmal die Stadt?

Heidi: Die Große ist ja mittlerweile ausgebildete Köchin und Patissier. Der Sepp möchte immer, dass sie ins Ausland geht und sich weiterbildet. Sie neigt aber dazu, hier zu bleiben, sie will nicht weg. Auch unser Sohn Martin mag den Bauernhof. Er hilft schon viel und geht voll darin auf. Auch die Mittlere hat den ganzen Sommer über geholfen, sagt aber jetzt, dass es vielleicht nicht so ihr Ding ist, zumindest im Moment. Aber sie ist ja auch erst in der 8. Klasse.

Hauptstadtmutti: Wäre es denn euer Wunsch, dass eines der Kinder die Alm übernimmt?

Sepp: Den Wunsch hat man natürlich.

Heidi: Aber man kann die Kinder dazu nicht zwingen, dann wollen sie erst recht nicht. Dennoch haben wir das hier natürlich auch für unsere Kinder aufgebaut. Erstmal brauchen sie aber ihre Jugendzeit, um noch etwas zu erleben.

Hauptstadtmutti: Sind die Kinder viel unterwegs?

Heidi: Die Große war immer schon viel unterwegs. Die Mittlere ist in der Nähe von Bozen auf einer Privatschule und kommt nur am Wochenende nach Hause. Sie ist erst 14 und darf noch nicht so viel ausgehen. Später, wenn das losgeht, wird sie bestimmt dann oft von unten anrufen: „Hallo Mama, kannst Du mich abholen?“. Dann wird’s schwieriger werden, vor allem im Winter.

Hauptstadtmutti: Wo wohnt ihr hier?

Heidi: Direkt in der zweiten Etage ist unsere Wohnung, die Mitarbeiter sind darüber. Wir sind nie alleine, das hier ist ein Familienhaus. Natürlich gibt es dennoch Privatsphäre und abgetrennte Bereiche, aber wir sind wie eine große Familie.

Hauptstadtmutti: Habt ihr einen Tipp für andere Eltern, die ein Familienunternehmen führen?

Sepp: Man muss sich seine Freiräume schaffen. Zum Anfang haben wir das nicht so ernst genommen, aber das ist das Allerwichtigste, wenn man einen Familienbetrieb führt. Man muss immer auf die Balance zwischen der Arbeit, dem eigenen Leben, der Beziehung und der Familie achten.

Heidi: Und man muss lernen abzugeben. Das konnten wir beide am Anfang nicht so richtig. Wir dachten immer, wir müssen alles selber machen und ohne uns geht’s nicht. Aber mittlerweile haben wir sehr gute Mitarbeiter, denen wir auch vertrauen. Das haben wir gelernt.

Fotogarfie & Interview: Claudia Kahnt & Isa Grütering   Text: Yvonne Vavrá

4 Kommentare zu “In den Kindern liegt die Zukunft

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    Das Interview passt sehr genau zu dem was wir real immer vorgefunden haben.
    Wir werden bestimmt immer wieder dort hinfahren.
    Meine Frau und ich werden bei Heidi und Sepp unsere silberne Hochzeit feiern. Dies war unsere erste Wahl.
    Wir hoffen, dass trotz all dem Stress für Heidi und Sepp die Freude an ihrer Arbeit überwiegt und die Familienalm noch lange in diesen bewährten Händen weitergeführt wird.
    Lars Thoben

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