„Die meisten Leute helfen, wenn man fragt“

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Melanie-Jasmin Jeske alias Melodie Michelberger ist Mitbegründerin des TISSUE-Magazins und macht die PR für mehrere Hamburger Labels. Selbstständig, alleinerziehend und umwerfend: Im Interview erzählt sie, wie sie es schafft, auf nichts zu verzichten.

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Hauptstadtmutti: Melanie, du hast vor einem Jahr eine PR-Agentur gegründet und dir dein Imperium um dich herum aufgebaut. Wie können wir uns deine Arbeitssituation vorstellen?

Melanie: Ich arbeite noch von zu Hause aus, bin aber auch mindestens einmal pro Woche bei den Modelabels, die ich betreue. Das sind alles mehr oder weniger junge Hamburger Labels hier bei mir in der Nähe, sodass ich gar kein extra Büro brauche, außerdem ist es natürlich sowieso immer super, direkt bei den Designern vor Ort zu sein, um alles zu besprechen und sich auszutauschen. Bisher mache ich das alles komplett allein, die Labels sind ja noch nicht so groß. Auf lange Sicht hätte ich aber schon gern Unterstützung und ein eigenes Büro mit Showroom.

Hauptstadtmutti: Hattest du vorher schon selbstständig gearbeitet?

Melanie: Nein, vorher war ich festangestellt, habe als Moderedakteurin für die Gala gearbeitet und die Pressearbeit für A.P.C. Deutschland und für Herr von Eden gemacht. Aber dann hatte ich ein Burnout, und als das Label, für das ich gearbeitet habe, insolvent ging, bin ich erstmal komplett ausgestiegen.

Hauptstadtmutti: Wann hast du Julius bekommen?

Melanie: Julius kam direkt nachdem ich bei Herr von Eden als PR-Frau angefangen habe. Ich hatte meinem Chef damals aber auch von Anfang an gesagt, dass ich bald ein Kind möchte – er war ein absolutes Wunschkind. Ich habe nach der Geburt relativ schnell wieder angefangen zu arbeiten, zuerst für 20 Stunden in der Woche, dann, als Julius 11 Monate alt und in der Krippe war, wieder Vollzeit. Als Julius noch sehr klein war, waren mein Ex-Mann und ich auch leider räumlich getrennt, er in Berlin, ich in Hamburg und haben uns durch diese Distanz nach und nach verloren. Ich war die meiste Zeit allein in Hamburg, habe gearbeitet und mich um das Kind gekümmert, das auch ständig krank war. So hat mein Burnout angefangen – das Leben, das ich gelebt habe, konnte nicht funktionieren.

Hauptstadtmutti: Fühlst du dich als Selbstständige entspannter?

Melanie: Ich fühle mich besser als vorher, weil ich keine Anwesenheitspflichten mehr habe. Dieses zu bestimmten Zeiten irgendwo sein zu müssen und dann die Zeit dort abzusitzen, das konnte ich noch nie gut! Ich kann mir jetzt meine Zeit selbst einteilen, mich auch mal morgens mit einer Freundin treffen und abends arbeiten. Das macht mir absolut nichts aus, ich bin sowieso immer zu Hause, da Julius nur an zwei Wochenenden und zwei zusätzlichen Tagen im Monat bei seinem Vater ist.

Hauptstadtmutti: Und ausgehen willst du nicht mehr?

Melanie: Ich war früher ein totaler Partymensch, bin gerne draussen und treffe mich mit Freunden, aber jetzt gehe ich eben jedes zweite Wochenende weg, sehr oft in Berlin, und genieße das total. Dann habe ich komplett frei und vergesse auch mal, dass ich Mutter bin.

Hauptstadtmutti: Du kommst aus einem kleinen Dorf bei Tübingen in Süddeutschland. Wie hast du es von dort in die Modewelt geschafft?

Melanie: Nach der Schule bin ich nach Hamburg gezogen, habe erst einmal als Au-pair gearbeitet, weil ich Kinder immer schon toll fand, und später angefangen, Grundschulpädagogik zu studieren. Ich habe in dieser Zeit viel genäht und dann ein Praktikum bei Amica und Picture Press gemacht. Da habe ich mich aber nicht so wohl gefühlt. Die waren alle schon viel weiter als ich, ich war die vom Dorf mit selbstgenähten Kleidern. Aber meine Mutter meinte damals, ich solle durchhalten. Ein paar Monate später kam ein Anruf von der Redaktion Brigitte: Sie brauchten eine Mode-Assistentin. Dort habe ich zwei Jahre gearbeitet, erst in der Mode, dann im Kreativbereich. Ich habe selbst Strickmuster entworfen und war auf Fotoshootings in Miami. Mit Anfang 20 war das für mich total toll! Danach war ich sechs Jahre bei der Gala, und dann war es auch genug für mich. Das Arbeiten im Verlag hat mir aber geholfen, Strukturen zu lernen und im Team zu arbeiten.

Hauptstadtmutti: Wie ist dein Tagesablauf jetzt strukturiert?

Melanie: Wir stehen so kurz vor 7 auf und gehen 7.40 Uhr los zur Schule. Meist gehe ich mit Brille, Mütze und im Schlafanzug oder Jogginghose.

Hauptstadtmutti (im Chor): Würden wir nie machen. Nie. Ohne Wimperntusche, nie.

Melanie: Ach, das genieße ich in Hamburg. Man kann hier herumlaufen wie der letzte Schlumpf. Meist dusche ich, wenn ich zurückkomme und sitze dann um 9 Uhr am Schreibtisch. Meine Zeit ist eng getaktet, denn Julius kommt gegen vier aus der Schule, und ich muss oft acht bis zehn Stunden arbeiten, manchmal mehr. Ich kann mir halbtags arbeiten einfach nicht leisten. Hamburg ist eine teure Stadt.

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Hauptstadtmutti: Kann deine Familie dich mit Julius unterstützen?

Melanie: Die lebt leider zu weit weg. Ich bin auf die Hilfe meiner Freunde angewiesen. Ich habe da so drei, vier Leute, ohne die es echt hart wäre. Julius schläft auch oft spontan bei Freunden oder seine Freunde schlafen bei uns. Das ist cool, weil die dann beschäftigt sind und ich arbeiten oder putzen kann oder sonstwas. Ich liebe das Leben mit Kindern, und mag, wenn hier Fullhouse und Remmidemmi ist. Ich komme aus einer großen Familie mit drei Geschwistern, da Julius (noch) keine Geschwister hat, finde ich es toll, wenn hier möglichst oft, möglichst viele Kinder rumturnen. Außerdem spielen Kinder mit anderen Kindern einfach ganz anders. Ich spiele auch gar nicht so oft mit Julius, weil er immer die Ansagen macht, und darauf habe ich keine Lust. Ich spiele so, wie ich es will, und das will er dann oft nicht. Wir sind hier aber auch zwei Dickköpfe, die aufeinander prallen.

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Hauptstadtmutti: Wenn die Kinder aus der Kita oder Schule kommen, hatten sie den ganzen Tag Action, und dann muss man sie nicht auch noch abends bespaßen.

Melanie: Sehe ich genauso. Ich bin die Mutter und nicht der Freund.

Hauptstadtmutti: Gibt es etwas, das du unbedingt für dich brauchst?

Melanie: Ich brauche jeden morgen diese halbe Stunde, wenn Julius in der Schule ist und ich mich fertig machen kann.

Hauptstadtmutti: Was sind deine Lieblingsprodukte?

Melanie: Concealer von M.A.C. , Lippenbalm von Nuxe und Trockenshampoo. Ein Hoch auf Trockenshampoo, ich kann meinen Pony ja nicht zweimal am Tag waschen – Shampoo und Conditioner von Intelligent Nutrients! Das sind tolle Produkte für meine blondierten Haare, vor allem im Winter.

Hauptstadtmutti: Was hat dich bisher in deinem Leben am meisten geprägt?

Melanie: Auf jeden Fall die Zeit bei Herr von Eden, weil wir da alle zusammen angefangen und etwas aufgebaut haben – es gab ja damals noch gar nichts, keinen Newsletter, keine Kundendatei, kein Lookbook, nichts. Es hat total Spaß gemacht, das alles gemeinsam aufzubauen! Wir haben viele Kooperationen mit Künstlern gemacht – Daniel Josefsohn, Michal Stipe von REM, Jan Delay. Das waren wahnsinnig aufregende und tolle Erfahrungen. Wir haben so viel Herzblut reingesteckt, rund um die Uhr ganz eng zusammengearbeitet, sind auf Partys und Veranstaltungen gegangen … ich vermisse das auch manchmal.

Hauptstadtmutti: Wünscht du dir so eine Arbeit wieder für die Zukunft oder hast du einem anderen Traum?

Melanie: Ich will die Hamburger Labels, für die ich arbeite, pushen und bekannter machen. Gerade plane ich in Hamburg auch so etwas wie Pressetage und will dann mit den Labels auch raus aus Hamburg, nach Berlin oder in andere Städte. Mode-PR für Mode made in Hamburg – dafür schlägt mein Herz. Auch wenn ich schon wesentlich mehr verdient habe in meinem Leben, ist es das, was ich machen will.

Hauptstadtmutti: Hast du Tipps für Singlemütter, wie man das tägliche Leben wuppt?

Melanie: Hilfe suchen. Leute ansprechen. Die meisten helfen, wenn man fragt. Man muss sich nur trauen, um Hilfe zu bitten, was mir selbst sehr lange extrem schwergefallen ist. Aber man kann das alles kaum alleine schaffen als Alleinerziehende, ohne dass man selbst irgendwann auf der Strecke bleibt.  Es gibt auch Leihdienste für Großeltern oder man kann sich mit anderen (Single-)Müttern zusammentun und absprechen: Du gehst heute aus, ich morgen, und die Kinder schlafen beim jeweils anderen. Das ist für die Kinder super, und die Mütter bekommen ihre Unabhängigkeit wieder. Wichtig ist auf jeden Fall, bei sich zu bleiben und seinen Weg zu finden und zu gehen.

Dankeschön, liebe Melanie!

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