Hartnäckiger Schweinehund umständehalber abzugeben: Wie zufrieden seid ihr mit eurem Mutti-Körper?

Schweinehund

Ich hab keinen Bock mehr. Ich fühl mich nicht mehr wohl. Ich hab keinen Bock mehr auf Leggings, Hemden, Tuniken und kneifende Jeans. Ich hab keine Entschuldigung und keine Ausreden mehr. Mein Kind ist über ein Jahr alt.

Ich hatte alle Zeit der Welt, um fit zu werden. Stattdessen hat sich mein Schweinehund eingenistet, mitsamt Jogginghosen und Netflix-Abo, und ist nicht gegangen. Ich kann mich nicht mehr selbst anlügen. Ich fühl mich nicht wohl. Ich bin absolut gegen Diäten und ich kann es nicht ausstehen, wenn Frauen in der Öffentlichkeit über Diäten reden oder das überhaupt thematisieren. Mir geht es darum, dass das nicht mehr mein Körper ist. Jetzt werden viele sagen: zu Recht! Natürlich verändert sich der Körper mit dem Alter und vor allen Dingen nachdem man ein Kind geboren hat! Dein Körper hat Großes geleistet, und es wird nie wieder so sein wie vorher. Wie bitte? Da ist so ziemlich alles wie vorher, nur mit Extra. Auf das Extra hab ich aber keine Lust mehr.

Schwangerschaften sind krass, und Geburten sowieso. Sie können deinen Körper verändern, zerstören, vielleicht sogar manchmal verbessern, aber da kenne ich keine Mutter, die das behaupten würde.

Auch ich habe vor einer gefühlten Ewigkeit ein Kind gekriegt. Ich musste während der siebenmonatigen Elternzeit meines Mannes ein Studium beenden (und halb Europa bereisen), das beinhaltete viele heimliche Schokoriegel in der Bibliothek und jede Menge Nachtisch in Südfrankreich. Mein Kind ist ein schlechter Schläfer. Manchmal ein sehr schlechter Schläfer. Ich bin morgens nicht ansprechbar. Mein Kind hat mit zehn Monaten das Laufen angefangen, deshalb bin ich abends zu müde für alles, was nicht mit Seriengucken zu tun hat. Also hab ich Staffeln und Staffeln und Staffeln geguckt, einen Winter lang. Hauptsache berieseln lassen und liegen bis das Baby wieder schreit. Ich bin geflüchtet. Unter die Bettdecke, zu meiner Chipstüte und Tiefkühlpizza.

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Müde Mamas sind schwer zu motivieren

Die Gemütlichkeit zog ein und wurde zum permanenten Mitbewohner. Und das schlechte Gewissen. Wenn mein Kind halbtags von meinem Mann betreut wird, weil die selbstsüchtige Mama ihren Master macht, dann muss ich ja zwangsläufig jede freie Minute mit dem armen Jungen verbringen und nicht auch noch ins Fitnessstudio rennen. Ist doch klar, schließlich gehört das Kind zur Mutter. Also bin ich nicht joggen gegangen, habe keine vorbildlichen Übungen mit Baby in der Trage gemacht. Denn, noch viel schlimmer als müde und gestresst: Ich war arrogant.

Oh die Arroganz der Neu-Mamas, wie ich eine war! Ich brauchte keine Tipps zum Nebenher-Abnehmen (Treppensteigen, mit Kind laufen gehen, mit Kind Übungen machen, einfach nichts Ungesundes einkaufen). Kein halbes Jahr nach der Geburt sah ich top aus, die Schwangerschaftspfunde waren weg, mit herzlichstem Dank ans Stillen und ständige Spazierengehen. Ja, da war alles noch ein bisschen wabbelig, aber das wird schon, dachte ich mir. Wenn man eine gewisse Körpergröße und lange Beine hat und sich einigermaßen klug anzieht, kann man sich voll gut selbst belügen.

Ich hab mir die Croissants und die Pizza gegönnt! Ich hatte es mir ja verdient! Ohne Schlaf, im neuen Alltagswahnsinn und gleichzeitig gelangweilt musste ich mich permanent selbst belohnen. Ich hörte von diesen Mamas, die morgens ihre zehn Minuten Power Yoga machen oder abends joggen gehen oder in der Mittagspause ins Fitnessstudio rennen. Voll toll, dachte ich, hab ich ja nicht nötig, dachte ich.

Auf der Couch liegen geht immer. Sport kann man nur im perfekten Moment machen.

Dann kam der Herbst. Und die ersten echten Kinderkrankheiten. Der Winter. Und der Weihnachtsstress. Und die Kälte. Und das schlechte Wetter. Man war so schön eingemummelt, an Strand oder Clubs oder Baden war nicht zu denken. Freizeit wurde mit Schlafen verbracht. Wer tröstet einen da? Spritzkuchen, gebrannte Mandeln und Döner.

Ich bin kein Süßigkeiten-Mädchen. Nicht, dass ich das nicht geil fände. Meine drugs of choice sind Bier und Fastfood. Burger. Burritos. Pizza. Kennt ihr die Backofendiät? Die funktioniert super, wenn man ein kleines Baby hat. Man isst nur, was man im Backofen machen kann und nicht präparieren muss. So richtig ungesunden und tiefgekühlten Scheiß. Was auch einfach schlecht für die Gesundheit ist.

Die Tage verschwimmen, die Klamotten sind praktisch und sollen nicht kneifen, man redet sich selbst ein, dass das schon ok ist, und irgendwann irgendwann irgendwann.

Irgendwann ist jetzt. Und sich selbst belügen funktioniert nicht ewig.

Ich hab einen Umzugskarton in die Ecke des Schlafzimmers gestellt. Da kommt rein, kein Scherz: Klamotten, die ich nach der Geburt gekauft habe, in denen ich mich zu wohl fühle. Meine Leggings werden verbannt. Meine dicken Wohlfühlpullis werden aussortiert. Nur für ein paar Wochen. Ich hab so viele schöne Sachen, die ich gerne wieder tragen möchte und ich möchte wieder fit und stark sein und Ausdauer haben. Es geht nicht ums Dicksein, und es muss mir niemand sagen, dass ich ja nicht fett wäre. Fett und dick sind nicht schlimm (#fatshaming). Menschen können fett und dick sein und wunderschön und sich mehr als wohl fühlen und gesund sein. Darum geht es nicht.

Es geht um mich. Darum , dass ich mich wohlfühlen möchte. Für mich. Wegen mir. Keine Zeitschrift und kein gesellschaftlicher Druck zwingen mich dazu. Ich möchte nicht, dass mein Kind sich an das Bild der auf der Couch liegenden und Chips mampfenden Mama gewöhnt. Ich will, dass er weiterhin soviel Spaß an der Bewegung und am Draußensein hat. Ich möchte ein gutes Vorbild sein.

Mein persönliches Vorbild, wie manche wissen und versuchen zu ignorieren, ist Beyoncé. Richtig gehört, Queen Bey. Ich bin besessen von dieser Frau, wie ihr ja diese Woche schon lesen durftet. Und diese großartige Frau hat zum perfektesten Zeitpunkt die Fitness Kollektion Ivy Park rausgebracht. Redet darüber in ihrem ersten Interview seit drei Jahren mit der Elle und sagt zum Beispiel:

„It’s really about changing the conversation. It’s not about perfection. It’s about purpose. We have to care about our bodies and what we put in them. Women have to take the time to focus on our mental health—take time for self, for the spiritual, without feeling guilty or selfish. The world will see you the way you see you, and treat you the way you treat yourself.“

Ich möchte das so unterschreiben. Deshalb wird es in den nächsten Wochen und Monaten mal ein bisschen mehr zum Thema Fitness geben. Ich habe die Absicht, auch den berühmten Waist-Trainer, auf den Kim Kardashian schwört, auszuprobieren. Aber prinzipiell geht es hier darum, mich aktiv um meinen Körper zu kümmern. Manchmal vergessen wir Mütter das ja, wenn wir mal ganz ehrlich sind.

In diesem Artikel wurde die Meinung meines Partners weder berücksichtigt noch erwähnt, weil mein Körper nur mich etwas angeht. Für alle, die das Verlangen verspüren „solange dein Schatz dich mag wie du bist, ist doch alles gut“ zu schreiben:

ICH muss mich mögen wie ich bin. Sonst keiner.

Fotos: Unsplash

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