Ich bin immer wieder überrascht, wie frei deutsche Kinder sein dürfen

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Oryanne ist verliebt. In ihre Familie, in besondere Designs und in Berlin. Im Interview erzählte uns die Gründerin des Voodoo Market in Friedrichshain, warum Berlin der beste Ort ist, um Kinder und gleichzeitig ein Business großzuziehen.

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Hauptstadtmutti: Oryanne, wie bist du auf die Idee zum Voodoo Market gekommen?

Oryanne: Alles hat 2010 angefangen mit einem kleinen Meeting im Club Chez Jacki, der mittlerweile geschlossen ist und damals Freunden von mir gehörte. Die Idee war, all meine kreativen Freunde zusammenzubringen und einen Markt zu veranstalten. Beim ersten Voodoo Market waren wir zehn Aussteller und etwa 200 Besucher.

Hauptstadtmutti: Aber es wurden immer mehr…

Oryanne: Ja, und auch das Konzept hat sich erweitert: Nach dem dritten Voodoo bin ich für vier Monate  nach Südamerika gegangen – auf meine Backpacking-Hochzeitsreise. Ich kam mit einem Haufen Ideen zurück und habe mich an die Arbeit gemacht, den Markt professionell zu etablieren.

Hauptstadtmutti: Du hast das Projekt zusammen mit deiner Freundin Maria auf die Beine gestellt. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Oryanne: Durch eine  gemeinsamen Freund, einen Künstler, der eine Wand des Chez Jacki bemalt hat, als wir dort gerade eines unserer ersten Meetings hatten. Unter anderem hatte er damals das Wort Voodoo an die  Wand geschrieben – so kamen wir auf den Namen. Anfangs hat Maria nur auf dem Markt ausgestellt, aber als ich aus Südamerika zurückkam, haben wir beschlossen, uns zusammenzutun und eine Voodoo-Familie zu gründen.

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Hauptstadtmutti: Am vergangenen Samstag gab es zum ersten Mal einen Mini Voodoo mit Designs und Workshops für Kids. Dafür gab es wohl Bedarf?

Oryanne: Das Kinderthema hatte schon lange im Raum gestanden. Auf dem Weihnachts-Voodoo haben wir ja auch schon jedes Jahr eine Tombola veranstaltet, deren Erlöse wir an Kinderhilfsorganisationen gespendet haben. Viele unserer Aussteller machen sowieso auch Kindersachen, und unter den Besuchern sind auch immer viele Familien.

Hauptstadtmutti: Und du hast mittlerweile selbst eine!

Oryanne: Ja, meine Tochter Lisette ist zwei Jahre alt – lustigerweise hat sie am selben Tag Geburtstag wie Maria. Sie ist immer mit uns auf dem Markt, spielt oder läuft herum und freundet sich mit den Ausstellern an. Die Voodoo-Familie wird also immer größer, auch unsere Männer arbeiten ja mittlerweile dort. Es war an der Zeit, dass wir das Thema Familie auch in unserem Angebot aufgreifen.

Hauptstadtmutti: Langfristig?

Oryanne: Ja, wir wollen das zu einem regelmäßigen Event aufbauen. Es macht so viel Spaß, etwas Cooles für Kids zu machen. Auch ich selbst stricke und nähe für meine Tochter und finde es immer schwer, coole handgemachte und erschwingliche Produkte für Kinder zu finden. Also ist es für alle Seiten spannend, wenn wir viele verschiedene Leute zusammenbringen. Dadurch gibt es immer wieder Neues auf dem Markt zu entdecken.

Hauptstadtmutti: Wann ist der nächste Voodoo und was können Eltern erwarten?

Oryanne: Das nächste Event wird der Voodoo Mädels n°3 am 2. August im Urban Spree sein. Hier werden wir wieder mit unseren Freunden vom Mädelsflohmarkt in Hamburg zusammenarbeiten. Euch erwartet also ein Mix aus Designer- und Flohmarkt. Wir freuen uns riesig darauf, denn das hat im vergangenen Jahr so viel Spaß gemacht. Wir denken auch schon darüber nach, wie wir den Mini Voodoo da vielleicht integrieren können, aber ich will nicht zuviel verraten, lasst euch überraschen!

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Hauptstadtmutti: Dein Mann, der übrigens die schönsten Visuals macht, die ich je gesehen habe, ist wie du Franzose. Was hat euch nach Berlin verschlagen?

Oryanne: Wir sind beide aus Paris und waren irgendwann einfach gelangweilt von der Stadt. Wir kannten jede Straße, waren auf jeder Party, es gab einfach keinen Spaß mehr, den wir nicht schon Tausendmal vorher hatten. Paris ist wie ein Dorf, sehr, sehr klein. Also haben wir vor sechs Jahren unsere Jobs gekündigt und sind nach Berlin gezogen. Ich hatte hier schon Freunde, aber für meinen Ehemann war es das erste Mal. Und er hat sich sofort in Berlin verliebt! Seitdem genießen wir jeden Tag hier und haben überhaupt keine Lust, jemals nach Paris zurückzugehen.

Hauptstadtmutti: Wenn wir dich reden hören, verlieben wir uns gleich selbst nochmal neu in Berlin.

Oryanne: Natürlich! Und wie sich herausgestellt hat, kann man in Berlin nicht nur viel Spaß haben, sondern auch wunderbar eine Familie gründen und ein Business aufbauen. Ich lache immer, wenn ich Leute sagen höre, wie stressig es hier ist. Für mich ist Berlin wie auf dem Land, so ruhig und entspannend!

Hauptstadtmutti: Was sind die größten Unterschiede zwischen Kindererziehung in Frankreich und in Deutschland?

Oryanne: Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass die Unterschiede so groß sein würden! Für meine französischen Freunde sind mein Mann und ich superentspannte Eltern, während meine deutschen Freunde uns für sehr streng halten. Ich möchte jetzt nicht zu viele Klischees bemühen, und es gibt ja auch immer Ausnahmen, aber in Frankreich werden Kinder allgemein schon mit strengerer Hand erzogen. Kinder können dort nicht machen, was sie wollen, sie stehen viel stärker unter der Kontrolle ihrer Eltern. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich sehe, wie frei deutsche Kinder sein dürfen. Sie werden nicht ständig von ihren Eltern beobachtet. Es gibt Vorteile auf beiden Seiten, also machen wir zu Hause einen Mix.

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Hauptstadtmutti: Ist das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern in Frankreich anders als hier?

Oryanne: Die Beziehung zur Mutter ist in Frankreich längst nicht so eng und exklusiv wie in Deutschland. Das fängt schon damit an, dass wir nicht so lange stillen. Manchmal überhaupt nicht. Nach ein paar Wochen schlafen wir auch nicht mehr zusammen mit dem Baby, und die Kinder gehen viel früher zum Kindergarten oder in die Schule. In Frankreich bekommen Mütter ja auch nur drei Monate Elternzeit, Väter sogar nur zehn Tage.

Hauptstadtmutti: Das klingt, als ob du die deutschen Verhältnisse bevorzugst. Gibt es auch etwas, was die Deutschen von den Franzosen lernen können? Außer allem, was mit Essen zu tun hat…

Oryanne: … (lacht) das wollte ich gerade als Erstes sagen! Also außerdem? Meine deutschen Freunde werden mich hassen, aber: unseren guten Sinn für Humor.

Hauptstadtmutti: Lass uns lieber beim Essen bleiben: Hast du einen guten Restaurant-Tipp für uns? Wohin geht ihr essen, wenn ihr nicht selbst kocht?

Oryanne: Ehrlich gesagt gehen wir nie in ein richtiges französisches Restaurant, stattdessen lieber zu Freunden nach Hause. Allerdings gibt es in unserem Kiez in der Marheineke-Halle einen tollen französischen Laden, den Les Epicuriens. Da gibt es Käse, Wein, Süßigkeiten, Paté und viele andere Delikatessen. Wir gehen da fast jedes Wochenende hin. Außerdem sind wir auch oft im Ohlàlà, einem Patisserie-Shop in Friedrichshain, den ein Freund von uns betreibt. Ich liebe die veganen Tartes dort, obwohl ich gar kein Veganer bin. Aber die Eclairs au Chocolat sind einfach göttlich! Und glutenfrei, wie alles andere im Ohlàlà.

Liebe Oryanne, vielen Dank für das Interview!

Fotografie & Interview: Jules Villbrandt   Text: Yvonne Vávra

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  • Was für eine unglaublich schöne Wohnung, herrlich! Jetzt bin ich neugierig auf den Voodoo-Market und hab Lust mal wieder die Wohnung neunzig dekorieren

  • Karina

    1. love that flat! Amazing taste for designs!
    2. love that Ory <3
    3. love that Voodoo!

  • Linka

    O ja, in diese Wohnung könnte ich glatt einziehen und mich schlagartig wie bei mir fühlen! Mädel, dich mag ich auf anhieb ! Lieben Gruß aus (dem schrecklich Lemming-langweiligen Hipster-Neusiedlung-Run-Dörfchen;-) Düssseldorf !

  • Kerstin

    Wow, das ist ja mal eine richtig, richtig tolle Wohnung.

    Da merkt man, es wird gelebt und nicht darauf geschielt möglichst viele Gegenstände fotogen und hipsterlike im Einheitsbrei, im Stil von „Freunde von Freunden“, zu präsentieren.

    Den von Oryanne erwähnten Humor kann man deutlich erkennen. Wunderschön.

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