„Ich will mich nicht mehr so stressen“

Ricarda_hauptstadtmutti

Ricarda vom Blog 23qm Stil ist Bloggerin der ersten Stunde. Warum sie heute manchmal frustriert ist vom veränderten Lese- und Kommentierverhalten ihrer Gefolgschaft, hat sie uns erzählt, als sie mit ihren zwei von drei Kindern zu Besuch in Berlin war.

HSM: Ricarda, Kompliment, du siehst großartig aus!

Ricarda: Wir kommen gerade aus dem Urlaub. Wobei so eine Kalifornien-Rundreise nicht unbedingt erholsam ist. Aber mit Kindern in dem Alter (Teenager) reist man, als hätte man Freunde dabei.

HSM: Du hast bestimmt auf Reisen viele Inspirationen für deinen Blog gefunden!

Ricarda: Auf jeden Fall! In San Francisco habe ich eine Bloggerin getroffen, die eigentlich aus Hamburg kommt, aber jetzt mit ihrem Mann in San Francisco lebt. Sie haben damals nach einer Rundreise einfach entschieden, dass sie bleiben wollen. Wir hatten uns über Instagram verabredet, sie hat uns Hotels empfohlen, und dann waren wir zusammen unterwegs. Es war sehr schön, mit jemandem darüber zu sprechen, wie es ist, nach Amerika zu gehen und das vorige Leben hinter sich zu lassen.

HSM: Hast du das Gefühl, dass Instagram heute dein wichtigster Kanal ist?

Ricarda: Ja, über Instagram kann ich am besten Kontakt zu meinen Lesern halten. Ich merke, dass ich viel weniger Zeit habe, woanders zu kommentieren, so wie es am Anfang der Fall war. Als ich vor vier Jahren angefangen habe zu bloggen, gab es Instagram noch nicht. Da habe ich über den Blog kommentiert und ein bisschen über Facebook. Aber jetzt hat sich das Geschehen und vor allem die schnelle Interaktion mehr oder weniger auf Instagram verlagert. Der Blog lässt sich aber nicht ersetzen, weil man da noch die Möglichkeit hat, wirklich zu schreiben.

HSM:  Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

Ricarda: Ich bin Diplom-Bibliothekarin, und als mein ältester Sohn geboren wurde, sind Mütter noch drei Jahre in Erziehungsurlaub gegangen. Man konnte Kinder erst mit drei Jahren in den Kindergarten abgeben. Zumindest in Westdeutschland gab es damals keine andere Möglichkeit.

HSM:  Fandest du das schlimm?

Ricarda: Nicht so sehr, denn ich hatte damals einen befristeten Arbeitsvertrag, der gerade ausgelaufen ist. Also habe ich mich erst einmal um die Kindererziehung gekümmert. Und dann kam nach anderthalb Jahren das zweite Kind, und irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich entscheiden musste, wie es weitergehen soll. Ich habe dann ein drittes Kind bekommen, mein Mann hat sich selbstständig gemacht, und ich habe ihm erstmal geholfen. Sein Geschäft wuchs und wuchs, und ich habe damals die Buchhaltung und das Mädchen für alles gemacht, aber das war nicht so meins. Also habe ich angefangen zu bloggen. Ich wollte es aber auch richtig machen und habe eine Ausbildung zur Online-Journalistin und dann zum Social Media-Manager gemacht.

HSM:  Wie sieht dein Arbeitsleben heute aus?

Ricarda: Ich blogge immer noch, aber nicht mehr so regelmäßig wie früher. Dann bin ich Corporate-Blogger für ebay, wo ich für den Bereich „Living“ zuständig bin und die Blogst-Veranstaltungen organisiere. In diesem Jahr waren wir damit jeden Monat in einer anderen deutschen Stadt unterwegs. Außerdem haben wir jeden Monat ein bis zwei Workshops organisiert. Jetzt im zweiten Halbjahr wird sich alles auf die Blogst-Konferenz in Hamburg konzentrieren. Das alles zusammen ist schon ein Vollzeit-Job!

HSM:  Auch finanziell?

Ricarda: Nicht ganz. Wenn ich wirklich alle Zeit mit einrechne, die ich investiere, dann verdiene ich auf keinen Fall das, was ich als Diplom-Bibliothekarin mit 20-jähriger Berufserfahrung verdienen würde.

HSM:  Würdest du tauschen, wenn du könntest?

Ricarda: Nein!

HSM:  Warum nicht?

Ricarda: Weil ich gern zu Hause arbeite. Das hätte ich damals nie gedacht, weil ich sehr gern mit Menschen kommuniziere, aber dieser Kontakt findet heute auf einer anderen Ebene statt, die mindestens genauso schön ist. Mittlerweile haben sich daraus auch echte Freundschaften und Kontakte beruflicher Art entwickelt. Ich kann zu Hause sein, wenn die Kinder mich brauchen. Mein Sohn kommt jetzt in die Oberstufe und hat dadurch viele Freistunden, und ich kann dann für ihn da sein. Obwohl sich meine Kinder immer beschweren, dass ich nur vorm Computer hänge.

Sohn: Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt. Aber so schlimm ist das nicht, denn wir können dann ebenso machen, was wir wollen.

Tochter: Nur manchmal wird es mal laut, denn wir haben zu Hause nicht so gutes W-LAN. Dann klopft die Mama auf den Tisch und schreit: Das W-LAN funktioniert nicht! Das nervt schon ein bisschen.

Ricarda_hauptstadtmutti
Ricarda_hauptstadtmutti

Ricarda: Wichtig ist, dass wir trotz der Arbeitssituation zu Hause feste Familienbestandteile haben. Wir essen immer zusammen Abendbrot, wir frühstücken immer zusammen. Diese Rituale geben Stabilität und Familienzusammenhalt.

HSM:  Achtest du zu Hause dennoch auf ein professionelles Äußeres?

Ricarda: Da wäre ich gerne sehr viel disziplinierter. Wenn ich ein wichtiges Telefongespräch habe, mache ich mich schick, damit ich mich besser gewappnet fühle. Aber ich sitze manchmal auch bis mittags im Schlafanzug am Rechner oder noch länger. Das ist echt ein Nachteil, denn manchmal kommt jemand vorbei oder der Postbote klingelt.

HSM:  Klärst du deine Kinder über deine Blogaktivitäten auf? (zu den Kids): Wisst ihr, was Mama macht?

Sohn: Bloggen über ihr Leben.

Tochter: Bloggen über Einrichtungen.

HSM:  Interessiert euch das überhaupt?

Sohn: Geht so.

Tochter: Manchmal. Aber auch manchmal nicht.

HSM:  Was sagt ihr denn in der Schule, was eure Mama von Beruf ist?

Tochter: Ich sage immer sie ist Social Media-Managerin, aber ich kann es nicht erklären.

Sohn: Meine Mutter schreibt so einen Blog, sage ich. Und mehr weiß ich nicht.

HSM:  Hättet ihr selbst Lust auf sowas?

Sohn: Ich nicht!

Tochter: Weiß ich nicht!

HSM:  Ricarda, dein Mann ist auch selbstständig. Teilt ihr euch den Haushalt und die Kindererziehung?

Ricarda: Wenn ich unterwegs bin, dann ist er für die Kinder da. Er hat aber einen sehr viel verantwortungsvolleren Posten als ich. Dennoch: Wenn Not am Mann ist, springt er sofort ein. Am Anfang hatten wir aber eine klare klassische Rollenaufteilung. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass er mehr Geld verdient.

HSM:  Hat dir das am Anfang etwas ausgemacht?

Ricarda: Es war gut und richtig, dass ich ihm damals zur Seite stand. Aber heute habe ich das gute Gefühl, dass ich mich mit meinem Einkommen selbst versorgen könnte. Dadurch fühle ich mich unabhängig und stark.

HSM: Wie zufrieden bist du mit deiner Karriere?

Ricarda: Leider nimmt das Geschäft rund um das Bloggen viel Zeit ein, sodass ich kaum mehr zum Schreiben komme. Manchmal schreibe ich sponsored posts, die muss ich dann auch zeitlich einhalten. Aber ansonsten will ich mich einfach nicht mehr so stressen. Ich bin ja nun schon über 40 und habe einfach nicht mehr die Energie. Es macht Mühe, einen Blog zu schreiben, und ich möchte die Kraft auch gern aufbringen, aber manchmal funktioniert das eben nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Ich leide auch etwas darunter und würde das Schreiben sehr gern wieder in regelmäßige Bahnen leiten. Zurzeit schaffe ich nur ein bis zwei Blogs die Woche, das finde ich zu wenig. Aber es müssen eben auch so viele andere Kanäle bespielt werden. Auch ein Instagram-Bild muss gemacht und bearbeitet werden. Dann will ich es richtig vertaggen, will kommentieren, Kontakte halten usw. All das nimmt Zeit in Anspruch.

HSM: Du klingst ein bisschen überwältigt.

Ricarda: Vor allem finde ich frustrierend, wie sich das Lese- und Kommentarverhalten verändert hat. Manchmal gibt man sich wahnsinnig viel Mühe mit einem Artikel und hat darunter dann drei Kommentare. Dann postet man ein Bild von einer Pusteblume auf Instagram und hat gleich 500 Likes. Das soll mir mal jemand erklären!

HSM:  Hast du einen Tipp für andere Frauen und Mütter, wie sie trotz Kindern und Job bei Kraft bleiben?

Ricarda: Ich gebe Step-Aerobic-Kurse bei uns im Sportverein. Außerdem gehe ich mit zwei Freundinnen regelmäßig walken, wir motivieren uns gegenseitig. Da muss man einfach dran bleiben und darf sich nicht auf der Couch verkriechen. Da muss der Blogpost eben mal noch eine Stunde warten, weil ich erst noch eine Runde um den Block laufe oder im Fitnessstudio schwimmen gehe.

HSM:  Wie stehst du zur The Hive Conference und Blogst?

Ricarda: Beide entwickeln sich glaube ich in unterschiedliche Richtungen. The Hive ist internationaler aufgestellt, und wir konzentrieren uns stärker auf die deutsche Blogosphäre. Ich finde, dass The Hive eine tolle Veranstaltung ist, die genauso wie Blogst ihre Daseinsberechtigung hat.

HSM:  Deine 5 Lieblingsblogs?

Ricarda: Das sind natürlich vor allem die von Bloggern, mit denen ich auch persönlich befreundet bin: www.zuckerzimtundliebe.wordpress.comwww.waseigenes.comwww.tastesheriff.comwww.happyinteriorblog.comwww.m-i-ma.com

Liebe Ricarda, dir und deinen Kindern tausend Dank für das Gespräch!

Fotografie: Claudia Kahnt   Interview: Isa Grütering  Text: Yvonne Vavrá

Vielen Dank an Canon (Kamera: EOS 1200D)

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