„Ich will nicht unter dem Druck stehen, irgendwas auf die Beine stellen zu müssen.“

Okka Rohd Hauptstadtmutti

Okka Rohd ist Autorin des Buches Völlig fertig und irre glücklich: Meine ersten Jahre als Mutter und Bloggerin der ersten Stunde. Auf Slomo schreibt sie unter anderem über Essen, Mode, Design und den Mutteralltag mit Tochter Fanny. Stressen lassen will sie sich von all dem aber nicht. Das Leben sei schon anstrengend genug. 

Hauptstadtmutti: Okka, schöner Name! Woher kommt der?

Okka: Der ist ostfriesisch, wie mein Papa.

Hauptstadtmutti: Und woher kommst du?

Okka: Aus Oldenburg in Norddeutschland. Studiert habe ich in Mainz und Berlin, danach bin ich für ein Volontariat bei Amica nach Hamburg gegangen und vor sechs Jahren dann wieder zurück nach Berlin.

Hauptstadtmutti: Wo fühlst du dich am wohlsten?

Okka: Ich glaube in Berlin. Natürlich fühle ich mich immer noch sehr verbunden mit meiner Heimat und fahre auch gern hin, um mit meiner Familie zusammen zu sein. Hamburg ist auch eine große Liebe, auch wenn es bei mir – obwohl ich selbst norddeutsch bin – relativ lange gedauert hat, bis ich mich dort zu Hause gefühlt habe. Berlin macht es einem sehr leicht, finde ich. Man lernt schnell Leute kennen, und ich fühle mich gerade sehr wohl und angekommen, vielleicht auch, weil meine Tochter hier geboren wurde und eine Berlinerin ist.

Hauptstadtmutti: Wie hast du in Berlin beruflich Fuß gefasst?

Okka: Nachdem Amica und Max, die beiden Zeitschriften, bei denen ich gearbeitet habe, eingestellt worden sind, habe ich angefangen, als freie Journalistin für verschiedene Magazine zu arbeiten. Seit letztem Jahr bin ich auch Textchefin bei Flair.

Hauptstadtmutti: Wie viele Tage pro Woche arbeitest du dort?

Okka: Ich arbeite von zu Hause aus. Das hat den großen Vorteil, dass ich mir die Arbeit ganz gut einteilen, und auch abends und nachts arbeiten kann, wenn meine Tochter krank ist oder ich sie von der Kita abhole und noch zu viel Arbeit übrig ist.

Hauptstadtmutti: Das Homeoffice hat aber auch Nachteile. Vermisst du manchmal den Kontakt mit Kollegen?

Okka: Natürlich fällt mir hin und wieder die Decke auf den Kopf. Das ist ja auch ein sehr schöner Teil des Büroalltags: Mit den Kollegen zu reden, sich auszutauschen, mal einen Kaffee zu trinken und zusammen Mittag zu essen. Aber die positiven Seiten überwiegen für mich.

Hauptstadtmutti: Wie kompensierst du das fehlende Sozialleben?

Okka: Ich versuche, öfter mal mit Freunden oder Kollegen Mittag zu essen, aber die meiste Zeit ist mein Motto einfach „Augen zu und durch”. Dass einem gelegentlich die Decke auf den Kopf fällt, ist ein fairer Preis dafür, zu Hause zu arbeiten, finde ich – und überhaupt dafür, dass ich beruflich das machen kann, was ich gerne mache: schreiben.

Hauptstadtmutti: Basiert dein Buch auf deinem Blog?

Okka: Genau, mein Weblog Slomo war Ausgangspunkt des Buches. Ich habe kurz vor der Geburt meiner Tochter damit angefangen, weil ich gerne einen Ort haben wollte, an dem ich auch während meiner Elternzeit weiter schreiben kann. Nach einer Weile kam eine Lektorin des Rowohlt-Verlags auf mich zu und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch über das Muttersein zu schreiben. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut – ein Buch zu schreiben war immer eine große Sehnsucht für mich, auch wenn ich viel Respekt davor hatte.

Hauptstadtmutti: War das für dich eine andere Arbeit als die für den Blog?

Okka: Am Buch habe ich ungefähr ein Jahr lang gearbeitet. Da schreibt man natürlich in einem anderen Tempo, überarbeitet und verwirft mehr. Ich habe viel umgeschrieben, neu geschrieben, weggeschmissen, wieder hervorgeholt und noch einmal umgeschrieben. Ich habe auch viel mehr herumgezweifelt. Das Bloggen ist direkter und schneller, eine andere Art zu schreiben.

Hauptstadtmutti: Wir haben das Gefühl, dass das Buch sehr viel persönlicher ist, sehr viel näher dran an dir als der Blog.

Okka: Das liegt vielleicht an der Langstrecke. Auf 250 Seiten kann man natürlich anders schreiben als in einem Blogeintrag, obwohl im Buch auch einiges aus meinem Weblog auftaucht. Man ist detaillierter, geht öfter in die Tiefe oder Zusammenhängen länger nach. Mir gefällt aber auch die Direktheit des Bloggens, die Möglichkeit, ohne großes Nachdenken über einen verhunzten oder unglaublich schönen Tag zu schreiben. Oder über einen Film, der mich total umgehauen hat.

Ob das weniger persönlich ist, kann ich schwer beurteilen, ich glaube, dafür bin ich zu nah an beidem dran.

Hauptstadtmutti: Hast du mal überlegt, alles auf eine Karte zu setzen und vom Blog zu leben?

Okka: Das würde für mich nicht in Frage kommen.

Hauptstadtmutti: Warum nicht?

Okka: Erstens liebe ich meinen Beruf zu sehr, auch wenn es nicht immer leicht ist, als freier Journalist über die Runden zu kommen. Zweitens mag ich es, dass ich mit meinem Weblog einen Ort habe, an dem ich vollkommen unformatiert schreiben kann, wann, worüber, wie und so oft ich will. Oder auch mal vier Wochen gar nichts, wenn mir gerade danach ist.

Hauptstadtmutti: Eine gewisse Regelmäßigkeit ist dir also egal, du hast nicht den Anspruch, dass jede Woche irgendwas raus muss?

Okka: Es gab in den letzten vier Bloggerjahren immer mal wieder Momente, in denen ich dachte: Ich müsste eigentlich viel mehr bloggen, viel mehr auf die Beine stellen. Mittlerweile schiebe ich solche Gedanken so weit wie möglich von mir weg. Ich bin ohnehin ziemlich gut darin, mich wegen allem möglichen zu stressen. Da will ich mir beim Bloggen nicht auch noch Druck machen. Meistens funktioniert das ganz gut.

Hauptstadtmutti: Hast du keine Angst, dass du so Leser verlierst?

Okka: Doch, immer mal wieder. Aber am Ende möchte ich mir darüber so wenig Gedanken wie möglich machen. Früher habe ich deutlich mehr gebloggt als heute. Für mich fühlt es sich jetzt gut und richtig an, und ich habe auch nicht das Gefühl, dass es einem da draußen jemand übel nimmt, wenn man nur noch einmal die Woche etwas schreibt. Für mich soll Bloggen etwas sein, das ich nur mache, wenn ich es möchte, nicht weil ich es muss. Das ist ja auch das Schöne am Bloggen: Jeder kann sich sein Online-Wohnzimmer so einrichten, wie es ihm gefällt – so oft oder so selten, so professionell oder so sehr aus dem Bauch heraus und als reines Vergnügen bloggen, wie er mag. Ich bewundere es sehr, wenn Menschen es schaffen, professionell zu bloggen und Geld damit zu verdienen, mir würde dafür schlicht der Mut fehlen.

Hauptstadtmutti: Wie optimistisch bist du in Bezug auf deinen Beruf, was sagst du zum Zeitschriftensterben?

Okka: Als Journalistin finde ich das Zeitschriftensterben natürlich schwierig. Ich liebe das Internet und profitiere ungeheuer von all dem, was man im Netz entdecken kann. Aber ich selbst bin als Leserin oft noch sehr altmodisch. Ich lese Bücher gerne als Bücher, mache Knicke rein und unterstreiche mir Sätze. Und ich halte Hefte gerne in der Hand. Nicht nur, weil ich selbst für Magazine schreibe, finde ich es wirklich traurig, dass mehr und mehr von ihnen verschwinden. Ich glaube an dieses Medium und an seine Art, Geschichten zu erzählen, an die Komposition von Blättern, an den Flow von Geschichten, an diese kleinen Universen, die Zeitschriften und Zeitungen sind.

Hauptstadtmutti: Meinst du, dass das Geschichtenerzählen schlechter wird, wenn es im Internet stattfindet?

Okka: Nein, es gibt im Netz ganz großartige Geschichten und grandiose Websites, auf denen man sich festlesen kann. Dazu kommt natürlich, dass im Internet vieles möglich ist, das es im gedruckten Journalismus nicht geben kann: Echtzeit-Tempo, Direktheit, Multimedialität. Aber ich mag eben auch das, was Websites nicht sein können: fantastisch gedruckte Doppelseiten, ein guter Umgang mit Typografie, wie Magazine aufgebaut sind. Ich hatte das Glück, den Journalismus noch vor der Krise kennenzulernen, und ich mochte es immer, wie in Magazinen gearbeitet wird: Dass da viele Leute zu einem Produkt beitragen, von denen jeder eine ganz bestimmte Expertise hat – Art Direktoren, Fotoredakteure, Grafiker, alle möglichen Arten von Schreibern, Textchefs, die einem komische Sätze ausreden und pingelige Schlussredakteure, die jedes Semikolon ernst nehmen.

Hauptstadtmutti: Was ist dein persönliches Ziel, was wäre dein Traumarbeitsplatz, dein Traumarbeitsort?

Okka: Eigentlich gefällt mir mein kleines Büro bei mir zu Hause im Flur ganz gut. Und nach dem Schreiben dieses Buches, das ich schon so lange schreiben wollte, habe ich mir noch keinen neuen Traum einfallen lassen. Ich finde es schön, dass ich das Mamasein und die Arbeit halbwegs unter einen Hut bekomme und wir so leben können, wie wir miteinander leben. Ich bin zufrieden mit unserem Alltag, so, wie er gerade ist.

Newsletter Abo

„Wir sind sooooooooooo up-to-date, Schätzchen.”

Schließen