Karriere-Interview mit Steffi von Ohhh… Mhhh…

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Es gibt Leute, die man unbedingt kennenlernen möchte. Meistens aus dem Grund, weil es etwas gibt, was verbindet, man einer gemeinsamen Sache nachgeht, oder man den anderen bewundert, für das was er tut. Genau so ging es uns mit Steffi von dem Blog Ohhh… Mhhh…. Wir trafen uns also kurzerhand in Hamburg, hatten kaum Zeit, weil wir alle sehr beschäftigt waren. Doch in dieser knappen Stunde tauschten wir uns ganz schnell aus, lachten viel und redeten ohne Ende. Tolles Interview, tolle Energie, tolle Frau! Bitte mehr davon!

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Steffi, Du bist Journalistin, Buchautorin, Bloggerin, Online-Shop-Betreiberin UND im achten Monat schwanger – schaffst du das alles? Wie geht es dir?

Liebe Hauptstadtmuttis, mir geht es wunderbar, Danke! Die ersten drei Monate waren tough, da ging nichts mehr bei mir dank permanenter Übelkeit und einer Müdigkeit wie ich sie vorher noch nie erlebt habe, aber dann kam ein enormer Energieschub, der Gott sei Dank noch anhält. Aber ich genieße jeden fitten Tag und gebe Gas, weil ich weiß, es kann auch schnell wieder anders kommen. Und wie ich mein Pensum schaffe? Na so wie alle berufstätigen Frauen. Ich habe vielleicht statt des üblichen einen Jobs vier, aber das lässt sich gut organisieren. Und es ist nie langweilig – herrlich!

Wo liegen denn Deine Prioritäten? Woran arbeitest Du gerade am meisten?

Ich muss Ende diesen Monats meine beiden neuen Bücher abgeben: Ein Wohnbuch für den Callwey Verlag und ein „Wie sage ich es meinem Mann? Über das Zusammenleben mit der anderen Spezies“-Kolumnenbuch für den Edel Verlag, beide erscheinen diesen September. Wie ich das mit den Abgaben schaffen will, ist mir selbst ein Rätsel. Es ist noch unglaublich viel dafür zu tun, aber hilft ja nichts. Ich versuche die Ruhe zu bewahren und jeden Tag so viel wie möglich zu schaffen ohne mich verrückt zu machen. Das Gute am schwanger sein ist ja unter anderem, dass ich mich selbst nicht mehr so doll wie früher ausbeuten kann und auch nicht möchte. Nachtschichten funktionieren einfach nicht mehr. Aber Dank ordentlicher Bauchdisco, die unsere Tochter täglich feiert, bin ich eh oft früh wach und gebe dann einfach direkt Gas. Mein Mann hat in irgendeinem Film mal einen schönen Spruch aufgeschnappt, den er mir immer vorbetet, wenn ich mich lieber unter der Bettdecke verstecken möchte als auf meine To-Do-Liste zu schauen. Er fragt dann: „Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück!“ Und dann mache ich mich ans Werk und wenn ich erstmal dabei bin, werden die Sorgen kleiner und es macht viel Spaß. Und mir wird klar: So wie ich gerade lebe – das war immer mein Traum und macht mich ganz schön glücklich.

Wie sieht denn ein normaler Wochentag bei Dir aus? Arbeitest Du auch am Wochenende und wie viel Stunden am Tag?

Im April habe ich mit einer wunderbaren Fotografin zusammen das Wohnbuch produziert. Da hatte ich pro Woche drei, vier Shootings von morgens neun bis nachmittags um vier, habe die Wohnungen gestylt, mit der Fotografin Bilder besprochen, die Bewohner interviewt et cetera. Dann bin ich nach Hause gedüst und habe mich ans andere Buch gesetzt, geschrieben, Blogbeiträge vorbereitet und Bestellungen bearbeitet. Allerspätestens zwischen 19 und 20 Uhr ist aber immer Schluss, dann ist die Luft raus, boxt das Baby mich in den Feierabend, muss der Rest bis Morgen warten. Eigentlich schreibe ich ja auch noch für viele Magazine Artikel oder bin in Redaktionen gebucht, aber für die Endphase der beiden Bücher musste ich alle Buchungen absagen. Aktuell schreibe ich von morgens bis abends, um beide Bücher fertig zu bekommen. Die Wochenenden versuche ich so gut es geht frei zu halten, damit ich Luft holen kann und etwas Abstand zu allem bekomme, um Gedanken und Ideen neu zu ordnen. Manchmal geht es nicht anders, dann gehen bestimmte Termine nur am Wochenende, aber eigentlich hab ich da frei und freu mich über schöne Stunden mit meinem Mann, unserer Discoqueen und Freunden.

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Was denkst Du? Wird das so bleiben, wenn Dein Kind da ist? Wirst Du eine echte Working Mom werden?

Den Spruch, den ich momentan am häufigsten höre ist: „Wenn das Kind da ist, wird alles anders! Genießt noch mal dies, das und jenes…“ Wunderbarer Weise haben wir jeder zwei Geschwister mit Kindern, die das neue Leben super wuppen und viele Freunde, die uns die Hoffnung geben, dass obwohl vieles anders wird, es nicht gleich heißt, dass alles schlimm wird, sondern vieles auch noch schöner und die uns einen gesunden Egoismus im Bezug auf ihr eigenes Leben vorleben. Nach dem Motto glückliche Eltern gleich glückliche Kinder. Ich weiß, bei solchen Themen begibt man sich auf sehr dünnes Eis. Ich werde, genau wie mein Ehemann, bestimmt mein Leben anders strukturieren müssen und jeden Tag damit rechnen, dass nicht viel davon funktioniert, was ich geplant habe, aber hey, das wird schon. Am Anfang herrscht bestimmt Chaos, aber das kenn ich schon, daraus entstehen oft die besten Sachen.

Habt Ihr, Dein Mann und Du, Euch schon über die zukünftigen Rollen ausgetauscht?

Ja, wir sprechen sehr viel über das Thema. Was er sich wünscht für unser neues Leben, was er nicht möchte, wovor er Sorgen hat und genau so was ich mir wünsche, was ich auf gar keinen Fall möchte und wie wir das alles unter einen Hut bekommen. Gott sei Dank scheinen wir die gleichen beziehungsweise sich ergänzende Wünsche zu haben und wir sind schon fleißig dabei zu überlegen und zu planen wie wir das alles meistern werden. Es kommt dann sicher erstmal alles anders als gedacht, aber wir sind schon acht Jahre zusammen, haben viel gemeinsam gewuppt und ich bin frohen Mutes, dass wir das gut hinbekommen werden mit unserer Tochter und unserem neuen Leben.

Wer macht Elternzeit? Gibt es die überhaupt?

Ja, die werde ich für die erste Zeit nach der Geburt nehmen. Da wir beide selbstständig sind, ist der langfristige Plan, dass wir uns die Betreuung gleichberechtigt aufteilen. Beziehungsweise neben einer regelmäßigen Betreuung schauen, wer gerade mehr Alarm hat, wie wir uns gegenseitig unterstützen. Wir haben uns auch schon schlau gemacht über Betreuungsmöglichkeiten und da zwei sehr gute Angebote für uns gefunden, die uns bei dem Plan helfen können. Aber wir haben auch den Deal, dass wir erstmal gucken, wen wir denn da im Juli als Tochter bekommen. Wie es ihr und mir nach der Geburt geht, wie sie so drauf ist, was sie braucht, wir brauchen und ob unser Plan dann passt. Wir müssen jetzt schon viel entscheiden, einen Kitaplatz et cetera, obwohl wir noch gar nicht wissen, wie sie so sein und wie es uns gehen wird, aber da bisher alles top läuft, geh ich jetzt einfach mal vom Guten aus. Da meine beiden Bücher im September erscheinen, wäre es natürlich schön, im September eine Buchparty zu veranstalten und dann auf eine kleine Buchtour zu gehen. Das ist mit den Verlagen auch schon besprochen. Mein Mann ist im Boot und wäre mit von der Partie, um unsere Tochter zu betreuen, aber wie gesagt, alles unter Vorbehalt, erstmal schauen wie es uns geht. Und dann geht es Schritt für Schritt weiter.

So, und jetzt mal Hand aufs Herz. Hattest Du Dir das alles so vorgestellt? Also, das Schwangersein, das dabei arbeiten, etc.?

Die ersten drei Monate haben mich geschockt. Ich war durch die permanente Übelkeit und unfassbare Müdigkeit zu nichts mehr in der Lage, durfte aber niemandem was sagen. Wenn Auftraggeber anriefen, hab ich alle Kraft zusammen genommen und mir nichts anmerken lassen, um anschließend wieder in komatösen Zustand zurück zu fallen. Ich habe nur die allerwichtigsten Aufträge angenommen. Hab geschrieben, eine Stunde wie ohnmächtig geschlafen, weiter geschrieben, wieder geschlafen. Und regelmäßig geheult. Ich dachte: das war’s mit meinem Leben wie ich es liebte. Jetzt bin ich nur noch Brutkasten. Gott sei Dank hatte mein Mann eine Engelsgeduld und der Arzt recht: exakt am Tag Ende dritten Monats war alles wie vorher. Plus eine tolle Tochter im Bauch. Die Energie war zurück. Mir war nicht mehr übel, alles top. Aber natürlich hat mir das einen Riesenschreck eingejagt und ich versuch jetzt schnell alle Projekte ins Trockene zu bekommen, damit mich so was nicht noch mal überrascht kurz vor der Geburt.

Hast Du einen Tipp für unsere Leser? Was sollte man z.B. in der Schwangerschaft machen, also bevor das Kind zur Welt kommt?

Die Ohren zu. Hin und wieder, wenn einem Leute ungefragt vermeintlich schlaue Tipps geben. Lieber bei Sorgen Freunde fragen, wie sie das so wuppen, auf was man wirklich vorbereitet sein sollte und ob sie einem helfen, falls man mal überfordert ist. Wir haben solche Freunde, für die wir zu jeder Tages- und Nachtzeit da sind und die es auch für uns sind. Und wir haben Familien. Die wohnen zwar leider nicht in unserer Stadt, aber haben immer die Hotline offen. Und falls man mal Panik bekommt, hilft es auch, sich die Dokumentation „Babys“ anzuschauen. Wie weltweit Babys geboren und aufgezogen werden, auf ganz unterschiedliche Weise, in ganz unterschiedliche Lebenszustände – alle bekommen das Kind schon geschaukelt. Genau wie wir auch alle.

Dankeschön, Steffi und viel Kraft und Energie für die kommenden Wochen!

Interview: Isa Grütering   Fotos: Marlene Sörensen

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