Hauptstadtmutti

Kinderbücher über das Anderssein

Ich kaufe so gut wie alles secondhand. Bevor ich zu Amazon gehe, checke ich eBay Kleinanzeigen. Manchmal frage ich mich, warum Humana, Resales und die internationale Flohmarkt Lobby mir nicht längst einen lukrativen Vertrag als Markenbotschafterin angeboten haben, soviel Werbung mache ich für die.

Secondhand ist definitiv eine Lebenseinstellung. Nichts ist nachhaltiger, meiner Meinung nach. Einziges Problem: Kinderbücher. Wenn man sich von Bekannten, Verwandten und Freunden mit den Baby Karton Büchern eingedeckt hat, geht es irgendwann weiter zu den kleinen Wissensbüchern. Man kann drehen, ziehen und wischen um mehr über Meerestiere und Bauernhöfe herauszufinden.

Doch ziemlich bald, wahrscheinlich um den zweiten Geburtstag herum, wollen die Kleinen (und hey, man selbst auch) auch mal etwas anspruchsvolleres Storytelling. Und ich als hardcore politisch korrekte Feminstin mit einem gewissen Faible für Gerechtigkeit, Freiheit und Weltfrieden, kriege dann bei manchen Büchern einen Hauch von Brechreiz.

Viele Kinderbücher, die wir gebraucht gekauft haben, sind sehr weißgewaschen und straight up sexistisch. Die große Ausnahme sind hier echt viele Bücher aus den 1990ern. Kein Scherz, da ist grundsätzlich nur der Papa am Kochen, Putzen und Basteln. Mama geht arbeiten. Aber auch da sind die Kinder eigentlich immer blond, weiß, nicht behindert und Mama und Papa sind glücklich verheiratet. Ein AfD Traum, wie er im buchstäblichen Bilderbuch steht.

Deshalb mussten wir in letzter Zeit wohl oder übel auch viele neue Bücher kaufen. So schlimm ist das gar nicht, denn es gibt unfassbar schöne und viele Kinderbücher da draußen. Wie soll man sich da überhaupt entscheiden? Wir haben uns mal Gedanken gemacht, gerade nach der Bundestagswahl, und wollten euch Kinderbücher vorstellen, die vom Anderssein handeln. Egal, ob im Hinter- oder Vordergrund. Die Liste ist nicht vollständig, deshalb freuen wir uns, wenn ihr uns noch mehr Anregungen dalasst.

Die Flucht von Francesca Sanna

Das Bilderbuchdebüt erzählt aus der Perspektive eines Kindes vom beschwerlichen Weg einer Familie aus einem kriegsversehrten Land nach Europa. »Die Flucht« von Francesca Sanna wurde für den Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis 2017 nominiert.Für ihr Bilderbuchdebüt „Die Flucht“ wurde sie mit der renommierten  Goldmedaille der Society of Illustrators in New York ausgezeichnet. Laut Jury-Begründung eine »abstrahierte und doch konkrete Schilderung einer Flucht, meisterhaft illustriert«.

Hier findet ihr eine Leseprobe und hier könnt ihr es direkt beim Verlag bestellen.

 

Puppen sind doch nichts für Jungen! von Ludovic Flamant und Jean-Luc Englebert

Charmant und mit viel Humor nehmen die Autoren in ihrem Bilderbuch „Puppen sind doch nichts für Jungen!“ Geschlechterstereotype und gesellschaftliche Normen aufs Korn. Sie erzählen die Geschichte vom kleinen Nick, dessen Eltern nicht schlecht staunen, als ihm die schrullige Tante bei ihrem Besuch ausgerechnet eine Puppe mitbringt. „Puppen sind doch nichts für Jungen!“, sind sich die Eltern einig, doch Nick schließt das Geschenk sofort ins Herz. Am liebsten würde er sein neues Lieblingsspielzeug mit in die Schule nehmen, aber da hat Papa ernste Bedenken. Ein richtiges „Jungenspielzeug“ soll Nick von der innig geliebten Puppe ablenken – wird der Manipulationsversuch gelingen?

Papa ist doch kein Außerirdischer! von Anna Boulanger

 

Die von Anna Boulanger mit feinem Strich illustrierte Geschichte erzählt von Namen und Umschreibungen, die unbedacht zur Charakterisierung von Homosexuellen benutzt werden. Im Text kommt ein Junge zu Wort, der immer wieder mitbekommt, dass seinem Vater hinter dessen Rücken Spitznamen gegeben werden. In der zarten Bildfolge sowie in den verwirrten Rückfragen des Jungen werden die verletzenden Vorurteile und Beleidigungen, die in den Namen stecken, aufgedeckt und ad absurdum geführt.

Leseprobe und mehr Informationen findet ihr hier.

Vor den 7 Bergen von Mareike Engelke und Annette Feldmann

Die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die mit ihren 7 Kindern eigentlich nur zu Oma in die Berge fahren will, dabei jedoch an allerlei Widrigkeiten scheitert. Eigensinnige Perspektiven, wilde Linien, witzige Details und handgemachte Schriften treffen auf eine klare, unbekümmerte Sprache. Auf diese Weise entfaltet sich ein liebevoll-raues Bild dieser höchst quirligen Familie mit Berg- Sehnsucht.

Hier gibt es mehr Informationen.

Punkte von Giancarlo Macrì, Carolina Zanotti und Salah Naoura

Ein ganz besonderes Buch, das mit schwarzen und weißen Punkten ganz sachlich an das Thema Armut, Flucht und Anderssein herangeht. Aber auch Solidarität wird hier als Thema super auf den Punkt gebracht.

Flucht, Fluchtursachen und der Umgang mit Ihnen sind schwer zu erklären. Dieses Buch bringt sie trotzdem leicht verständlich auf den Punkt. Ein Buch für ganz junge Leser, aber auch für alle, die solche Erfahrungen vermitteln wollen!Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident und Schirmherr der UNO-Flüchtlingshilfe

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Wanda Walfisch von Davide Cali und Sonja Bougaeva

Davide Calìs unbeschwerte Geschichte knüpft an kindliche Erfahrungen an; im Wasser fühlt sich die mollige Wanda wohl. Sie gewinnt Selbstvertrauen durch Fantasie und Vorstellungskraft. Und Sonja Bougaeva malt Wanda von Seite zu Seite kecker.

Immer wenn Wanda ins Wasser springt, lachen die anderen. »Ich bin zu schwer zum Schwimmen«, sagt Wanda. –
»Nein«, sagt der Schwimmlehrer, »du musst nur denken, was du sein möchtest!«
Wanda probiert es aus, und der Trick funktioniert.

Hier gibt es noch mehr Informationen.

Ballula Kugelfee von Asja Bonitz

Aufgeweckt und fröhlich – das ist Fine! Doch weil sie etwas pummelig ist, wird sie von einigen Kindern ausgelacht. Bis eines Abends Ballula Kugelfee in ihr Leben tritt. Sie nimmt Fine mit auf eine fantastische Reise und gemeinsam entdecken sie eine rundherum runde Welt.

Hier der Link zur Leseprobe.

Mama + Mamusch von Helene Düperthal

Eine Geschichte, die von Regenbogen-Kindern, Regenbogen-Partnerschaften und von Wunderwunsch-Kindern/Wunderwunsch-Eltern erzählt. Vor allem aber auch eine, in der es um das Glück geht, als ein Herzenswunsch-Kind geboren worden zu sein und aufwachsen zu dürfen.

Im Lebensweichenverlag lohnt es sich, auch mal die anderen Bücher anzugucken, wenn man spezielle Themen sucht. (Auch zum Thema Tod.)

Planet Willi von Birte Müller

Dieses Bilderbuch strotzt vor Energie! So wie Willi. Willi kommt von einem fremden Planeten. Auf Willis Planet ist einiges anders als bei uns. Willi zeigt uns, was ihm wichtig ist, was er liebt und auch, was er nicht mag. Wir sehen unsere vermeintlich „normale“ Welt mit seinen Augen und fühlen sie mit seinen Sinnen, wir spüren seine Lebenslust. Ganz klar: Dieses Leben ist schön und wild und bunt und laut!
Unverkrampft, direkt und liebenswert: Birte Müller zeigt mit klaren Worten und starken Bildern, wie ihr Sohn Willi die Welt erobert.

Hier der Link zum Verlag.

Echte Kerle von Manuela Olten

Zwei Brüder reden abends im Bett über Mädchen. Voll langweilig sind die, kämmen den ganzen Tag ihre Puppen, machen sich vor Angst in die Hosen beziehungsweise ins Nachthemd. Und glauben doch tatsächlich an Gespenster!!! Sowas Blödes, die gibt’s doch gar nicht! Oder? Oder doch? Plötzlich müssen die beiden dringend Pipi machen. Und danach finden sie ihr Bett nicht mehr, sondern flüchten zitternd zum friedlich schlafenden Schwesterchen, das nicht im Traum daran denkt, sich vor Gespenstern zu fürchten…

Hier der Link zum Verlag.

Alles Familie! von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl

Es gibt sie natürlich weiterhin, die sogenannte Bilder-buchfamilie. Bestehend aus Mama, Papa und Kind(ern). Wir alle kennen aber viele weitere Formen des Familien-lebens. Inzwischen sind sie völlig normal – und dennoch im Bilderbuch noch nicht so richtig angekommen.

Das ändert sich mit diesem Buch. Hier finden wir sie alle: die Alleinerziehenden, die Patchworkfamilien in ihren verschiedenen Mixturen, die Regenbogen-, die Kinderdorf- und Adoptivfamilien. Unterhaltsam und mit viel Humor geht es außerdem um Bluts- und Wahlver-wandtschaften, um Einzelkinderglück, Geschwisterstreit und die Möglichkeit, die gleiche Nase wie Opa abzukriegen.

Wer dieses witzig illustrierte Sachbilderbuch betrachtet, kommt unweigerlich ins Erzählen über die eigene Familie und gerät ins Nachdenken darüber, was eigentlich das Besondere an ihr ist. Denn jeder gehört zu einer Familie, und die gibt’s nur ein Mal auf der Welt.

Hier der Link zur Leseprobe und noch mehr Informationen.

Bestimmt wird alles gut von Kirsten Boje und Mahmoud Hassanein

Früher haben Rahaf und Hassan in der syrischen Stadt Homs gewohnt und es schön gehabt. Aber dann kamen immer öfter die Flugzeuge und man musste immerzu Angst haben. Da haben die Eltern beschlossen wegzugehen in ein anderes Land. Wie sie über Ägypten in einem viel zu kleinen Schiff nach Italien gereist sind und von dort weiter nach Deutschland – das alles hat sich Kirsten Boie von Rahaf und Hassan erzählen lassen und erzählt es uns weiter. Auch von einer schimpfenden Frau im Zug und einem freundlichen Schaffner. Und von Emma, die in der neuen Schule Rahafs Freundin wird.

Diese Geschichte ist zweisprachig, damit viele Flüchtlingskinder sie in ihrer Sprache lesen können. Außerdem hilft ein kleiner Sprachführer im Anhang beim Deutsch- und Arabisch-Lernen.

Hier der Link zur Leseprobe.

Mamas Monster – Was ist nur mit Mama los? von Erdmute von Mosch

Das Kinderbuch »Mamas Monster« hilft nun den Erwachsenen, seien es die Eltern, Großeltern oder sonstigen Angehörigen, Kindern im Vorschulalter eine depressive Erkrankung zu erklären. Zugleich lernen die Kinder, dass sie zum einen keine Schuld daran tragen und zum anderen, dass diese Erkrankung mit viel Geduld und der Hilfe von Ärztinnen und Therapeuten behandelt werden kann.

Erdmute von Mosch hat die kleine Rike, ihre Mutter und das Depressions-Monster in entzückenden Bildern dargestellt und darin ihre eigene Geschichte als Tochter einer depressiv erkrankten Mutter verarbeitet.

Hier gibt es noch mehr Informationen.

Nulli und Priesemut: Bist du krank, Rolli-Tom? von Matthias Sodtke

Nulli und Priesemut bekommen Besuch von ihrem alten Freund Tom, der im Rollstuhl sitzt, weil seine Beine nach einem Unfall „schlafen“. Beide gehen unterschiedlich mit der Situation um und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Bis Tom ihnen sagt, dass sie ihn einfach ganz normal behandeln können.

Hier der Link zum Verlag.

Irgendwie Anders von Kathryn Cave und Chris Riddell

So sehr er sich auch bemühte wie die anderen zu sein, Irgendwie Anders war irgendwie anders. Deswegen lebte er auch ganz allein auf einem hohen Berg und hatte keinen einzigen Freund. Bis eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber es behauptete, genau wie er zu sein…

Hier der Link zum Verlag.

Es gibt Piraten oder: Das betrübliche Leben der Lili Lillersen von Martin Burkhardt und Steffen Herbold

Es geht um den Tod, um Verlust, Angst, geistige Gesundheit und Trauer. Alles in einem quasi, und Piraten. Und ein Brontosaurier.

Das Buch hat eine eigene Website.

Antonia war schon mal da von Max Fiedler und Patrick Wirbeleit

Wenn gute Freunde reisen gehen, gibt’s unterwegs ganz viel zu sehen. Das denken sich auch der kleine Biber und seine Freunde Buntspecht, Molch und Igel. Schnell noch Antonia abgeholt und nichts wie los in die weite Welt! Womit sie nicht gerechnet haben: Antonia hat keine Lust. Nicht nur das, sie behauptet auch noch frech, sie habe die Welt längst gesehen. So machen sich die vier eben ohne ihre Freundin auf die Socken. Wie groß ist ihr Erstaunen, als sie feststellen: ob hoch in den Bergen oder in den Tiefen des Meeres… Antonia war schon mal da!

Warum ich dieses Buch mit in die Liste aufnehme: Sehr oft muss ein Buch das Thema Anderssein gar nicht explizit behandeln. Igel sitzt im Rollstuhl, das ist aber nicht das Thema des Buches, sondern das Entdecken und Reisen. Und das kann man auch im Rollstuhl!

Hier der Link zum Verlag.

 

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