„Man muss als Familie zusammenhalten“

Der_kleine_salon_wien_hauptstadtmutti

Vor genau einem Jahr haben wir schon einmal vor dem Wiener Laden der kleine salon gestanden, jedoch vor verschlossener Türe. Allerdings sah durchs Fenster alles so vielversprechend aus, dass wir wiederkommen mussten. Diesmal mit Ankündigung. Wir wurden nicht enttäuscht: Carolin und Verena empfingen uns königlich – ein bisschen hatten wir das Gefühl, unser Pendant in Wien getroffen zu haben. Die zwei Unternehmerinnen erzählten uns, wie sie Kind und Karriere unter einen Hut bekommen.

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HSM: Seit wann gibt es euern Laden „der kleine salon“?

Carolin: Wir haben 2009 angefangen, ganz spontan. Verena hatte eine Freundin in Dänemark besucht, und als sie zurück kam, sagte sie: „Carolin, wir machen ein nettes Geschäft in Wien auf.“ Ich war sofort Feuer und Flamme.

Verena: Und ich hab gewusst: Die Carolin ist die Richtige dafür. Sie ist die Kreativere von uns beiden, und ich wusste, sie wird sofort mitmachen.

HSM: Ihr habt Euch vorher schon gekannt?

Verena: Ja (lacht).

Carolin: Ja (lacht). Wir haben während des Studiums zusammen als Flugbegleiterinnen gearbeitet, da hat unsere Liebe begonnen. Wir haben damals schon gesehen, dass wir super miteinander arbeiten können. Obwohl wir das eigentlich nicht vorhatten. Als wir das Geschäft dann aufmachten, waren wir anfangs noch zu dritt, Verenas Freundin Michaela aus Dänemark war noch mit dabei.

Verena: Sie hatte den Anstoß gegeben und uns eine Liste mit interessanten Labels geschickt. Sie hat die Sache richtig ernst genommen, das hat uns motiviert. Michaela kam dann nach Wien, und wir haben gemeinsam unsere Ziele und das Konzept ausgearbeitet und den Businessplan erstellt.

Carolin: Wir fanden das Konzept sehr schnell total gut und haben uns zuerst aufs Onlinegeschäft konzentriert. Damals gab es kaum solche Online-Shops. Unsere Idee war, dass wir keine quietschigen Farben, Pastell und lachende Kindergesichter anbieten wollten, sondern einen reduzierten coolen Shop in Schwarz-Weiß. Und so ist der kleine salon entstanden.

HSM: Hattet ihr damals schon Kinder?

Verena: Ja, Carolins Kinder Mavie und Milo sind heute 8 und 2 Jahre alt und meine Töchter Fedora und Laurina sind 9 und 7. Sie waren damals noch klein, deshalb wollten wir einen Kompromiss finden: Das Hauptaugenmerk lag auf dem Webshop, für den wir hauptsächlich von zu Hause arbeiten. Der Laden hatte von Anfang an reduzierte Öffnungszeiten.

HSM: Aber sicher gibt es hier im Hinterzimmer auch noch einen Schreibtisch, oder?

Carolin: Nein, sogar das Lager ist bei uns zu Hause. Hier im Laden ist alles klein und fein. Zwar denken wir darüber nach, irgendwann etwas Größeres zu finden, da man eine größere Fläche viel besser gestalten und die Produkte besser präsentieren kann. Andererseits finden wir die Lage hier toll.

HSM: Und das Kleine hat auch etwas sehr Liebenswertes, es gibt hier so viel zu entdecken!

Carolin: Ja, das hält uns auch zurück. Es gibt ja einige Beispiele, wo eine Vergrößerung nicht funktioniert, wo die Läden ihren Charme verlieren.

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HSM: Sprechen wir über eure Karriere, wie seid ihr von Flugbegleiterinnen zu Unternehmerinnen geworden?

Carolin: Ich habe Fotografie studiert und nach dem Studium bei einem Fotografen gearbeitet. Dann bin ich schwanger geworden.

Verena: Ich habe studiert und nach der Schwangerschaft überlegt, ob ich weitermachen soll. Aber mit zwei Kindern geht das nicht, der Job ist zu anstrengend. Und dann ist die Idee mit dem Laden entstanden. Wir haben anfangs keinen Kredit aufgenommen, das Geschäft also ohne finanzielles Risiko wachsen lassen. Die meisten Labels, die wir heute präsentieren, sind zu dieser Zeit auch erst entstanden. Wir sind mit ihnen gewachsen: Mini Rodini, Bobo Choses, Soft Gallery …

Carolin: In gewisser Weise haben wir in Bezug auf die Labels in Deutschland auch Aufbauarbeit geleistet. Es war ein Risiko mit so kleinen unbekannten Labels anzufangen.

HSM: Variiert ihr die Labels auch?

Verena: Es variiert jede Saison. Wir versuchen, so viele wie möglich zu unterstützen. Aber wenn schlechte Kollektionen dabei sind, nehmen wir weniger. Carolin ist immer auf der Suche nach schönen Dingen und findet immer wieder neue, kleine und feine Labels.

Carolin: Wir wollen mit der Zeit gehen. Es soll keinen Stillstand geben, das finden wir wichtig.

Verena: Es gibt nichts Langweiligeres, als immer dasselbe zu machen. Unsere Richtung bleibt, aber wir treiben immer wieder etwas Neues auf. Das ist das Spannende an unserer Arbeit.

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HSM: Könnt ihr davon leben?

Verena: Mittlerweile schon. Anfangs haben wir aber all unsere Verdienste ins Wachstum investiert.

Carolin: Die ersten drei Jahre waren Aufbauarbeit, aber jetzt haben wir beide unser Einkommen.

HSM: Hattet ihr finanzielle Rückendeckung von euren Männern?

Carolin: Anfangs, ja. Ich habe auch nebenbei lange noch gearbeitet.

Verena: Deshalb hatten wir auch zuerst verkürzte Arbeitszeiten im Laden. Wir mussten schauen, dass wir alles unter einen Hut bekamen, Job und Kinder.

HSM: Plant ihr, die Öffnungszeiten jetzt zu verlängern?

Verena: Ja, es ist jetzt auch einfacher, Unterstützung von unseren Männern zu bekommen. Sie können unser Unternehmen nicht mehr einfach belächeln und als Hobby betrachten. Wenn wir heute sagen, dass wir Hilfe brauchen, dann bekommen wir sie. Schließlich tragen wir nun auch zum Familieneinkommen bei, da gibt es mehr Gleichberechtigung.

Carolin: Ich setze meinen Mann viel am Nachmittag ein. Er ist auch selbständig, kann sich das einteilen. Es würde anders nicht mehr funktionieren. Man muss als Familie zusammenhalten.

HSM: Ist es in Österreich ein allgemeiner Trend, dass mehr Mütter arbeiten? Ist die Kinderbetreuung geregelt?

Carolin: Es ist auf dem Wege der Besserung, in unserem Umfeld zumindest. Das ist in Wien eine Bezirksfrage. Es gibt viele Kinderkrippen, mehr als vor ein paar Jahren, aber das ist alles noch ausbaufähig.

HSM: Und für die älteren Kinder?

Verena: Bei uns entstehen jetzt die Ganztagsschulen, auch unsere Kinder gehen dahin. Das ist toll! Wir als berufstätige Mütter müssen uns nicht mehr schlecht fühlen, wenn wir mal eine halbe Stunde später kommen. Auch in der Schule herrscht jetzt Gleichberechtigung: Es wird nicht mehr unterschieden in Hortkinder und andere. Für die Kinder ist das toll, und sie haben einen Riesenspaß. Zum Beispiel gibt es ein großes Freizeitprogramm am Nachmittag, Theatergruppen, ein Schülerparlament und vieles mehr.

HSM: Was ist für euch lukrativer? Der Online-Shop oder das Geschäft?

Verena: Das ist monatsabhängig. Neue Ware ist im Webshop sofort sichtbar, der Effekt ist also größer, auch bei Sales. Da dauert es im Geschäft immer etwas länger. Sehr stolz sind wir auf unsere Stammkunden, die wir auch online haben. Das liegt daran, dass wir auch online einen sehr persönlichen Kontakt zu den Kunden pflegen, wir beraten auch telefonisch und schicken Notizen.

HSM: Macht ihr alles zusammen oder hat jede von euch bestimmte Aufgaben?

Verena: Wir kommen uns nie in die Quere, weil wir uns gut ergänzen. Ich würde niemals dazwischen gehen, wenn Carolin ein Bild auswählt oder die Homepage verwaltet. Sie würde auch nie dazwischenreden, wenn ich mit Personal oder Kunden kommuniziere. Wir vertrauen uns, und das macht auch unseren Erfolg aus.

Carolin:  Wir sind Yin und Yang.

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HSM: Begünstigt eure Freundschaft das Geschäft?

Verena: Unsere Familien sind sehr miteinander verwoben. Die Kinder sind wie Geschwister und wir verbringen sogar die Wochenenden zusammen.

Carolin: Auch unsere Männer verstehen sich, obwohl sie sehr verschieden sind.

Verena: Durch das Anderssein gewinnt man viel. Wenn es mal einen Konflikt gibt, dann kracht es, aber danach ist es wieder ok.

Carolin: Das passiert aber sehr selten.

HSM: Was meint ihr, trefft ihr mit eurer Auswahl den Geschmack der Wiener Kunden?

Verena: Wir sprechen schon eine bestimmte Klientel an. Manchmal bin ich überrascht über die Leute, die reinkommen. Am Anfang kamen vor allem die Architekten und Künstler, die stärker Wert darauf legen, mal etwas anderes zu tragen.

Carolin: Aber so ist das heute nicht mehr. Man darf den Mut der Leute nicht unterschätzen.

HSM: Was sind die Sommer-Trends 2014?

Carolin: Wir versuchen eher, nicht mit dem Trend zu gehen.

Verena: Fotografische Tierprints sind over. Geometrische Muster auch.

Carolin: Ananas-Prints werden im Sommer groß sein.

Verena: Und die Labels erzählen jetzt häufig Geschichten – die Kollektionen haben einen Namen und dann gibt es viele Produkte rund um das Thema.

Verena: Biologische Baumwolle ist ein absoluter Trend, was uns auch sehr wichtig ist.

Carolin: Unsere Kunden sind nicht mehr bereit, ein T-Shirt für 4,90 Euro zu kaufen. Langsam kommt es im Bewusstsein der Kunden an, was der Preis für solche Preise ist. Dass zum Beispiel Kinder dafür leiden mussten. Die Menschen sind heute eher bereit, etwas mehr auszugeben für ethisch korrekte Kleidung.

HSM: Ganz zum Schluss: Was ist euer ultimativer Tipp für Mütter?

Carolin: Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, perfekt sein zu können. Dann ist das Leben leichter.

Verena: Und man muss das machen, womit man Freude hat. Ich bin manchmal einfach so happy, wenn die Kundschaft glücklich aus dem Laden geht.

Dankeschön, Carolin und Verena! 

Foto: Claudia Kahnt    Interview: Isa Grütering    Text: Yvonne Vávrá

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  • Ein tolles Interview und ich liebe den Kleinen Salon! Schön auch zu lesen (und sich wieder vor Augen zu führen), dass alles seine Zeit braucht, vor allem wenn man kleine Kinder hat. Umso schöner zu lesen, dass sich die Geduld und das Durchhaltevermögen ausgezahlt haben.

    Lg Caroline

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