„Man muss nicht gleich von Null auf 100 gehen“

Sandra_hauptstadtmutti

Egal welches Problem, Sandra findet immer einen Weg – von Berufs wegen. Als die Anwältin nach der Geburt ihres zweiten Sohnes auf ganz neue rechtliche Probleme aufmerksam wurde, hat sie beschlossen, andere Mütter in ihrem Blog smart-mama an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Uns erzählte sie unter anderem, was man beachten muss, wenn man sich selbstständig machen will.

Hauptstadtmutti: Sandra, was ist dein Schwerpunkt als Anwältin?

Sandra: Arbeitsrecht. Ich habe früher viele Arbeitgeber betreut, jetzt aber auch gern Arbeitnehmer. Auf meinem Blog berate ich vor allem Mütter zu rechtlichen Themen rund um Kinder, Familie und Beruf. Da geht es zum Beispiel um Elternzeit und Working Mom-Probleme, aber auch um ganz alltägliche rechtliche Hürden wie etwa die Durchsetzung des Anspruchs auf einen Kita-Platz.

Hauptstadtmutti: Das klingt nach viel Arbeit, wie vereinbarst du das mit deiner Mutterrolle?

Sandra: Ich betreibe die Kanzlei selbstständig von zu Hause aus, bin sozusagen Anwältin im Home Office. Natürlich ist das nicht immer einfach. Ich bin gerade in Elternzeit mit meinem zweiten Sohn, der bald ein Jahr alt ist, und während mein Großer (4) in der Kita ist, kann ich gut arbeiten. Ansonsten viel abends und nachts. Ich plane aber schon, mir bald ein Büro zuzulegen.

Hauptstadtmutti: Zeit für dich – weißt du noch, wie sich das anfühlt?

Sandra: Ich versuche, regelmäßig Sport zu machen und mich mit Freunden zu treffen. Zum Glück unterstützt mich mein Mann auch sehr.

Hauptstadtmutti: Wie?

Sandra: Hauptsächlich am Wochenende. Von Montag bis Freitag bin schon hauptsächlich ich für die Kinder da. Aber das ist in Ordnung für mich im Moment. Irgendwann könnte es ja auch mal umgedreht sein, wer weiß?

Hauptstadtmutti: Denkst du, dass die Arbeitsteilung in Familien eine Geldfrage ist?

Sandra: Ja, leider. Natürlich hängt das von den Gehältern ab. Nach wie vor verdienen Frauen meist weniger als Männer. Das wird vor allem nach der Elternzeit deutlich, wenn die Mütter wieder Teilzeit arbeiten gehen. Das müsste man grundsätzlich ändern, damit Familien sich flexibler organisieren können.

Sandra_hauptstadtmutti

Hauptstadtmutti: Hast Du einen Tipp für Mütter, die sich selbstständig machen wollen?

Sandra: Viele Frauen denken, dass eine kreative Idee reicht, aber zuerst sollte jeder schauen, ob er überhaupt der Typ für die Selbständigkeit ist. Dann gilt es, ein gutes Beraterteam um sich zu sammeln, zum Beispiel Steuerberater und eventuell Coaches. Vor allem, wenn man aus dem bisherigen Job raus will, lohnt es sich, eine rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen, um zum Beispiel Überbrückungsgeld zu bekommen. Ein Businessplan ist natürlich wichtig und Geduld: Man muss nicht gleich von Null auf 100 gehen.

Hauptstadtmutti: Legt eine Anwältin im Home Office Wert auf Kleidung?

Sandra: Ja, sonst komme ich nicht in den Arbeitsmodus. Ich fühle mich sofort motivierter, wenn ich präsentabel aussehe. Ich schminke mich auch immer. Bei Terminen halte ich den offiziellen Anwalts-Dresscode natürlich sowieso ein, allerdings mit Auflockerungen.

Hauptstadtmutti: Wie sehen die aus?

Sandra: Schuhe, hohe Absätze. Rock, Nagellack, Lippenstift und Accessoires. Ich mag es, wenn alles sehr weiblich aussieht.

Dankeschön, Sandra!

Interview: Isa Grütering    Foto: Claudia Kahnt   Text: Yvonne Vávrá

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