geplanter Kaiserschnitt Hauptstadtmutti9

Mein geplanter Kaiserschnitt // Ein Geburtsbericht

Wie ihr wisst, hatte ich bei meinen ersten beiden Kindern Kaiserschnitte, beide NICHT geplant und auch nicht gewollt, aber leider notwendig. Beim dritten Kind wusste ich schon ziemlich am Anfang, dass es wieder ein Kaiserschnitt werden wird. Dieses Mal also ein geplanter Kaiserschnitt.

Warum das so ist?

Ich habe das auch am Anfang nicht so richtig verstanden. Warum ist es nach einem Kaiserschnitt möglich, spontan zu gebären, nach zwei Kaiserschnitten aber nicht? Meine Frauenärztin, meine Hebamme und auch die Ärztin im Krankenhaus haben es mir dann erklärt. Im Grunde liegt es an den inneren Vernarbungen, vor allem an der Vernarbung der Gebärmutter. Je häufiger man diese durchtrennt, desto labiler ist das Narbengewebe und desto anfälliger ist es dann dafür, während des Geburtsvorgangs zu reißen. Ein Gebärmutterriss wiederum ist für Mutter und Kind absolut lebensgefährlich.

Ich hätte doch so gern auch einmal eine „normale“ Geburt gehabt.

Aber was heißt schon „normal“? Ich habe mich in den letzten Jahren mit so vielen Müttern über ihre Geburten unterhalten. Und jede ist einfach anders, sogar bei jedem Kind. Es gibt im Grunde kein „normal“. Auch bei Spontangeburten gibt es große Unterschiede und es kann auch ziemlich krasse Verletzungen und Schmerzen lange Zeit nach der Geburt geben.

Ich fand mich also mit dem Gedanken an einen geplanten Kaiserschnitt irgendwann ab und bereitete mich innerlich darauf vor. Vorsichtshalber hab ich mich dann bei zwei verschiedenen Krankenhäusern angemeldet, um zu sehen, ob es Unterschiede gibt. Ich hatte schon etwas Panik vor dem Kaiserschnitt. Denn es ist schon eine große Bauch-OP und dann noch die PDA. Und so führte ich die Geburtsvorbereitungsgespräche also doppelt. Zweimal das Arztgespräch, zweimal das Gespräch mit den Anästhäsisten.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem Kaiserschnitt, der PDA und Rückenblockaden?

Das war die Frage, die ich allen Medizinern stellte, denn ich hatte im letzen Jahr eine ziemlich heftige Rückenblockade mit krampfartigen Rückenschmerzen, von der ich mich nur langsam erholte. Als ich irgendwann wusste, dass ich schwanger bin, war ich erst geschockt, da ich große Angst hatte, dass das mein Rücken gar nicht mitmacht, aber je mehr die Schwangerschaft fortschritt, um so weniger wurden die Rückenschmerzen. Irgendwann im fünften Monat, also recht früh, waren sie ganz weg (und sind auch bis jetzt nicht wieder gekommen).

Eines Nachts, als ich aufwachte und über den Kaiserschnitt nachdachte, kam mir plötzlich in den Sinn, dass die Rückblockade genau an der Stelle eintrat, wo damals die PDAs gesetzt wurden. Ich fragte also meine Hebamme, ob das sein kann. Sie bejahte und meinte, sie habe schon einige Mütter gehabt, die nach drei bis fünf Jahren nach Kaiserschnitten oder PDAs, plötzlich Rückenblockaden hatten. Ich erzählte es auch meiner Frauenärztin. Sie meinte, dass es aus medizinischer Sicht keinen Zusammenhang gäbe. Und ich fragte auch alle Ärzte und die Anästhesisten in den Krankenhäusern. Die meisten wollten keinen Zusammenhang sehen, bis auf die Oberärztin im Krankenhause, für das wir uns dann entschieden haben. Da war ich etwas froh, aber auch erstaunt, dass Ärzte dann doch oft das große Ganze nicht sehen (wollen). Schade. Nun ja. Wir sind dann wieder in das Krankenhaus in Berlin Pankow, in dem auch unsere ersten beiden Kinder geboren wurden. Es ist nicht so groß, hat auch keine Neonatalstation, dafür ist aber stiller und weniger Action. Ich fand das dann plötzlich sehr beruhigend.

Ein geplanter Kaiserschnitt

Ich hatte noch nie einen geplanten Kaiserschnitt. Das ist schon eine komische Sache. Eine Woche vorher erfuhr ich den Geburtstag und einen Tag vorher, die genaue Uhrzeit. Das hieß dann auch, Sternzeichen und Aszendent waren im Grunde vorbestimmt. Ist das schlimm? Ich weiß es nicht. Das Sternzeichen stand ja sowieso fest. Und am Ende zählt ja nur der kleine Mensch.

Am Montagmittag wusste ich also, am nächsten Morgen geht es los. 7 Uhr sollten wir im Krankenhaus sein. Für uns hieß das noch mal kurz planen. Eigentlich sollten die Kinder in die Schule und in den Kindergarten gehen, aber wenn wir 7 Uhr im Krankenhaus sein sollen, schaffen wir das nicht so richtig. Also müssen doch die Großeltern schon nach Berlin kommen und übernehmen? Und dann keine Schule und kein Kindergarten? Ja, so war es dann wohl am besten und so machten wir es auch. Die Großeltern kamen am Abend angereist und wir alle waren von dem Moment an sehr aufgeregt.

Komischerweise konnte ich total gut schlafen, was aber wohl an der normalen Schwangerschaftsmüdigkeit lag.

Die Verabschiedung von den Jungs und von meinen Eltern war irgendwie hart und alle waren den Tränen nahe. Wir wussten alle nicht so richtig, was auf uns zu kam. Natürlich gingen wir vom Besten aus, aber man wusste ja nie … Es war eine Mischung aus Angst und Vorfreude.

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Und dann saß ich im Kreißsaal (nach wie vor frage ich mich ja, warum Kreißsäle oft aussehen, wie billige Möbelhöffner-Küchen) und starrte auf den Vorhang, der das Zimmer merkwürdig abdunkelte. Draußen war auf jeden Fall blauer Himmel.

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Plötzlich ging doch alles recht schnell. Ich sollte schon mal das Krankenhaushemd und den, wie die Hebamme meinte, sexy Netzschlüppi, anziehen und mich bereit halten. Philipp, mein Mann, musste auch grüne OP-Kleidung anziehen (die fand er im Übrigen ziemlich bequem und cool).

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Und dann wurde ich abgeholt. Ich lief mit der Hebamme in den OP-Saal. Im OP war  schon ein ziemlich wildes Treiben. Ungefähr 10 Personen wuselten herum. Alles war grün. Die Wände, der Boden, alle Menschen waren grün angezogen und hatten Mundschutz auf. Und ich fror und fing an zu zittern. Ich weiß gar nicht, ob es an der Temperatur da drin lag oder an meiner Angst, wahrscheinlich letzteres. Zum Glück hatte die Hebamme eine warme Decke dabei, in die sie mich dann einhüllte. Das fand ich total gut. Das gab es bei meinem letzten Kaiserschnitt noch nicht.

Dann wurde ich auf den OP-Tisch gehievt. Ich saß mit dem Rücken zur Anästhesistin und sie erklärte mir ganz ruhig und ausführlich, was sie machen wird (das war beim letzten Kaiserschnitt auch anders, da war es eher still hinter meinem Rücken). Die Hebamme saß vor mir, wärmte mich, hielt meine Hände, unterhielt sich leise mit mir und lenkte mich so ganz gut ab. Zwischendurch begrüßten mich noch mehr Menschen mit Mundschutz, die Chirurginnen. Im Nachhinein fiel mir auf, dass das komplette Team aus Frauen bestand #thefutureisfemale In dem Moment war mir das aber egal.

Dann wurde mein Rücken betäubt, was etwas unangenehm war und kurze Zeit später wurde die Spinalanästhesie gesetzt, was ich aber im Grunde nicht gemerkt habe. Gleich danach wurden meine Beine hochgehoben und ich wurde auf den OP-Tisch gelegt. Meine Arme und Beine wurden fixiert und das Sichttuch wurde gespannt, so dass ich alles, was unterhalb meines Bauches war, nicht mehr sehen konnte. Der Tisch wurde etwas gekippt, damit mein Kreislauf stabil blieb und parallel wurde mein Blutdruck ständig gemessen und ich bekam eine Infusion.

Die Betäubung fing an zu wirken und hinter dem Sichttuch wurde es langsam auch belebter. Mein Mann durfte rein und setzte sich hinter mich. Links hinter mir also mein Mann, in der Mitte die Anästhesistin, rechts die Hebamme. Dann wurde ich wieder in eine gerade Position gebracht und als ich anmerkte, dass ich meine Zehen noch bewegen kann, meinte die Hebamme: „Die OP hat gerade begonnen. Es wurde schon getestet, ob Sie noch etwas merken.“ Oh, ich hatte es nicht gemerkt. Und dann sagte jemand laut die Uhrzeit. 8.34 Uhr. Es ging los.

Ich merkte nichts, hörte nur das OP-Besteck klappern. Zwischendurch dann immer die Uhrzeitansagen: 8.35 Uhr, 8.36 Uhr. Im Vorgespräch wurde mir gesagt, dass ein Kaiserschnitt zwischen zwei und acht Minuten dauert. Beim dritten Kaiserschnitt dauert es, aufgrund der inneren Vernarbungen, eher länger. Gefühlt kam es mir aber sowieso ewig lange vor.

8.37 Uhr. Die Hebamme schaut über den Vorhang und sagt: „Alles ok. Es läuft alles nach Plan. Gleich wird es etwas ruckeln. Nicht erschrecken.“

8.38 Uhr. Es ruckelte tatsächlich, auf meinem Bauch wurde rumgedrückt und das Baby nach unten geschoben. Die Hebamme sagt: „Das Köpfchen ist schon draußen!“

8.39 Uhr. Flupp. Es ist da! Das Baby ist draußen. Aber ganz still. Ich halte den Atem an. Da ist er wieder, der kurze Moment bevor der erste Schrei des Babys ertönt. Der Moment zwischen Leben und Tod. Und dann schreit sie.

Unsere kleine Edda Luise ist geboren! 

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Die Hebamme eilt herbei und legt sie auf meine Brust, in den stretchigen Baumwollschlauch, den ich vorher schon angezogen habe und der das Baby auf meinem Körper hält (meine Arme sind ja angeschnallt).

Mein Mann und ich, wir müssen ein bisschen weinen. Auch wenn es unser drittes Kind ist, ist es doch jedes Mal neu und jedes Mal wieder ganz, ganz wunderbar und ja, wirklich so ziemlich das Schönste, was man im Leben erleben darf.

Durch den Schlauch, indem das Baby liegt, kann es und auch mein Mann und die Hebamme während ich zugenäht werde, bei mir bleiben. Das ist total gut. Denn bei den anderen Kaiserschnitten, hat die Hebamme dann das Baby und meinen Mann dann relativ schnell mit nach draußen genommen und ich lag, angeschnallt, alleine und gefühlt eine Ewigkeit im kalten OP-Saal. Alle waren beschäftigt und die anderen nicht im Raum.

Das war dieses Mal ganz anders und viel, viel schöner. Falls es Krankenhäuser gibt, wo es noch nicht so gemacht wird, ich kann das total empfehlen. Es geht doch nichts über sofortiges Bonding.

Ach und was danach kam, war das Übliche. Dem Baby ging es gut, es nahm ab und wieder zu und ich quälte mich Tage mit unglaublichen Schmerzen. Das erste Mal Aufstehen war die Hölle, das erste Mal Duschen auch. In der zweiten Nacht hatte ich einen Hustenanfall, das war auch nicht schön und die Autofahrt nach Hause war eine Tourtour.

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Aber nach 2 Wochen konnte ich mich schon fast wieder normal bewegen und alles wird von Tag zu Tag besser.

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