Hauptstadtmutti

„Dicker Penis!“ – Mein Kind ist ein kleiner Macho … Und dabei erziehe ich bewusst feministisch

„Boah, Mama, dicke Busen!“. Seit ein paar Wochen hat unser Vierjähriger, Friedrich, seine Stimmlage geändert. Er spricht jetzt tiefer und über männliche Themen. Es geht viel um Körperteile und zwar um ganz bestimmte.

Er war es auch, der quasi zuerst bemerkte, dass ich wieder schwanger bin, indem er ständig „dicke Busen“ sagte, wenn er mich sah und sich dann an meinen Busen kuschelte. Aber das war auch nicht das Einzige, es ging weiter. Er wollte keine Verniedlichungen mehr, nix mehr mit „Gehst du mal Pipi machen?“. Er wollte die echten Worte. Wenn ich Piechermann oder Pullermann sagte, beharrte er darauf, dass es Penis heißt. Okay! Letzte Woche in der Badewanne kam dann: „Mama, mein Penis ist so dick!“ und er streckte beide Arme nach rechts und links aus, soweit er konnte. Ich zeigte auf seinen Penis und sagte: „Nun ja, nicht ganz. Du siehst ihn ja.“. „Nein, mein Penis ist so dick und auch so lang!“ gleiche Geste, ernste Miene. Ich musste lachen, aber er beharrte auf der Größe und ließ sich davon auch nicht abbringen.

Ich muss dazu sagen, wir sind eine ziemlich gleichberechtigte Familie und ich lege auch großen Wert darauf, dass wir den Haushalt und die Kinderbetreuung gut aufteilen. Mein Mann ist auch überhaupt nicht der Macho-Typ oder Fußballfan oder Waffensammler oder oder oder. Ich würde mit Stolz behaupten, mein Mann ist eindeutig ein Feminist, was ich toll finde, da ich persönlich Chauvitypen auch abstoßend finde.

Und wenn wir unseren großen Sohn beispielsweise fragen „Wer ist der Chef der Familie?“ (Wer ist Chef? – ist momentan auch ein großes Thema bei uns), dann kann er sich ganz lange nicht entscheiden und sagt dann schließlich: „Ihr beide.“. Für ihn ist klar, dass Männer und Frauen Chefs sein können, Frau Merkel ist Chefin von Deutschland, seine Schuldirektorin ist eine Frau, Papa ist Chef seiner Band und Mama Chefin von Hauptstadtmutti.

Frauen können keine Chefs sein. Sie sind nicht so stark, wie Männer.

Die Kindergartenleiterin von Friedrich ist auch eine Frau, aber er sieht das seit kurzem nicht mehr ein und beharrt vehement darauf, dass sie nicht mehr Chefin vom Kindergarten ist, sondern einer der Kindergärtner, denn – Frauen können keine Chefs sein. Sie sind schließlich nicht so stark, wie Männer. Seit Wochen diskutieren wir also, wer Chef sein kann und zeigen ihm sogar im Internet diverse Frauen, die Chefs sind. Es ist nix zu machen. Für ihn ist völlig klar. Frauen sind keine Chefs.

Mmmhh. Unser kleiner Macho. Was mache ich nun? Erziehung hin oder her. Wir erziehen beide Jungs gleich. Was ist passiert? Ich sehe natürlich die schlechten Vorbilder dieser Zeit und denke: Oh je! Er muss doch anders denken! Er kann doch nicht einer von denen sein!?

Wir haben jetzt beschlossen, wir reden erst mal nicht mehr über das Thema, vielleicht beruhigt er sich.

Heute morgen hat er seinen Trainingsanzug angezogen (auch eine neue männliche Macke), joggte einmal durchs Haus, machte Hanteltraining (mit Papas kleinsten Hanteln), zeigte mir stolz seine Muskeln: „Mama fühl mal – dicke Muskeln!“, legte die Hanteln wieder ordentlich zurück, drehte sich um, guckte mich an und sagte mit tiefer Stimme: „Dicke Muschi!“ und grinste …

Foto: unsplash.com

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