„Mit Fokus klappt alles viel besser“

Nici_hauptstadtmutti

Nici Zinell (42) ist Inhaberin des Modelabels Noé & Zoë und Mutter von Sam (23), Zizou (9), Zoë (7) und Zavi (4). Mit Hauptstadtmutti sprach sie über ihre Schwierigkeiten, einfach mal abzuschalten, und verriet außerdem, warum man sich eine Hilfe ins Haus holen sollte und wie man sich von seinen Kindern abnabelt.

Hauptstadtmutti: Nici, seit wann gibt es Noé & Zoë?

Nici: 2009 haben wir gegründet und 2011 die erste Kollektion auf den Markt gebracht. Die Babys kamen dazwischen, sodass wir noch mal ein bisschen pausieren mussten. 2011 haben wir dann richtig losgelegt.

Hauptstadtmutti: Was hast Du vorher gemacht?

Nici: Ich habe Modedesign studiert, bin dann aber als Kostümbildnerin beim Film gelandet. Mit den Babys kam der Wunsch, etwas Eigenes zu machen. Angefangen hat alles mit Krabbeldecken und selbstgemachtem Spielzeug. Die klassische Geschichte, meine Freunde haben immer gesagt: Ach, das ist so schön, mach das doch mal für mich, ich möchte das auch haben! Und dann kamen immer mehr Freunde und irgendwann hatte ich die Idee, das professionell zu machen.

Hauptstadtmutti: Das Filmgeschäft war dann nicht mehr so spannend?

Nici: Doch, bis 2013 habe ich parallel noch Filme, Fernsehen und Serien gemacht. Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem ich mich komplett auf Noé & Zoë konzentriere.

Hauptstadtmutti: Warum?

Nici: Es war ein ziemlicher Spagat zwischen Firma, Film und Familie. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke, und Noé & Zoë ist so groß geworden, dass ich nebenher nichts mehr schaffe. Mein Mann und ich haben zusammen beschlossen, dass ich meine Energie ausschließlich ins Label stecke, um es voran zu bringen.

Hauptstadtmutti: Wir fühlt sich das an?

Nici: Gut, aber natürlich ist es anstrengend. Trotz der Arbeit habe ich jetzt aber mehr Zeit, Energie und Elan, um die Kollektion voran zu bringen. Ich konnte auch endlich mal alles machen, was ich immer schon machen wollte: ein richtig gutes Fotoshooting und einen guten Katalog. Das ging vorher immer unter. Jetzt, wo der Fokus da ist, klappt alles viel besser.

Hauptstadtmutti: Wie viele Stunden pro Woche arbeitest du?

Nici: Ungefähr 60, eigentlich aber 24/7. Ich gucke immer aufs iPhone, ich checke ständig E-Mails. Wir haben viele Kunden im Ausland, in den USA und in Japan. Da kommen durch die Zeitverschiebung über Nacht ganz viele E-Mails, sodass mein Postfach schon zum ersten Mal voll ist, wenn ich aufstehe.

Hauptstadtmutti: Habt ihr mehr Kunden im Ausland als in Deutschland?

Nici: Viel mehr. Die Deutschen brauchen immer etwas länger, um sich für neue Sachen zu öffnen. Es kommt aber jetzt langsam. Im Vergleich zu den anderen Ländern hat es zwei bis drei Jahre länger gedauert.

Hauptstadtmutti: Woher kommen die meisten Käufer?

Nici: Aus den USA, hauptsächlich Ost- und Westküste. Die sind experimentierfreudiger, und in den USA kann man gleich eine viel größere Menschenmenge erreichen. Auch Australien, Japan und Südkorea sind für uns super Märkte.

Hauptstadtmutti: Wo produziert ihr?

Nici: Wir produzieren in der Türkei und in Polen. Zurzeit suche ich auch nach neuen Produktionsstätten.

Hauptstadtmutti: Verwendet ihr Bio-Materialien und -Farben?

Nici: Ein Teil der neuen Kollektion ist aus Bio-Baumwolle. Wir haben immer darauf geachtet, dass die Farben getestet sind und Öko-Test-Standards genügen. Mein Wunsch ist aber, dass bald die gesamte Kollektion aus Bio-Baumwolle ist. Das ist auf jeden Fall eine Preisfrage, und die Kunden gucken dann oft doch eher auf den Preis.

Nici_hauptstadtmutti

Hauptstadtmutti: Ist das in Deutschland anders als in anderen Ländern?

Nici: Nein. Die Dänen und Skandinavier sind auch sehr preisbewusst, wie ich festgestellt habe. Denen sind wir teilweise zu teuer.

Hauptstadtmutti: Während der vergangenen fünf Jahre sind ja einige neue Marken auf den Markt gekommen: Mini Rodini, Bobo Choses, etc. Hast du das Gefühl, dass ihr von einem Boom profitiert?

Nici: Ja, würde ich schon sagen. Wir passen da tatsächlich genau rein. Obwohl das super ist, finde ich es irgendwie eigenartig, dass dann doch viele der neuen Online-Shops das Gleiche anbieten. Aber ich denke, dass wir uns mit unserem eigenen Design gut positioniert haben.

Hauptstadtmutti: Du arbeitest 60 Stunden pro Woche und hast vier Kinder. Wie geht das?

Nici: Super Mann! Der hilft total viel mit und unterstützt mich. Und wir haben immer entweder ein Au-pair oder unseren Neffen oder irgendwelche Leute, die bei uns wohnen und helfen. Mein ältester Sohn Sam hilft, wenn er in Berlin ist. Auch meine Mutter ist im Moment hier. Wir haben immer jemanden, der bei uns ist und uns unterstützt, sonst wäre das nicht zu schaffen.

Hauptstadtmutti: Finden dein Mann und du auch Zeit nur für euch beide?

Nici: Wenig, aber immer mehr, da die Kinder älter werden. Wir denken aber schon, dass wir mehr Zeit als Paar verbringen sollten. Das geht oft unter bei all der Arbeit.

Hauptstadtmutti: Wie gehst du damit um, dass eines deiner Kinder nun schon nicht mehr zu Hause wohnt?

Nici: Ich finde das super! Wir haben ihn vor ein paar Jahren regelrecht rausgeschmissen. Er wollte nicht weg, aber später war er ganz froh. Jetzt ist es immer viel schöner, wenn er nach Hause kommt. Wir freuen uns aufeinander.

Hauptstadtmutti: Hast du einen besonderen Tipp für Familien, die viel arbeiten und mehrere Kinder haben?

Nici: Wenn man es hinkriegt und den Platz hat, würde ich immer empfehlen, eine Hilfe mit in die Familie aufzunehmen. Das möchte natürlich nicht jeder, aber mich persönlich stört es nicht. Ich empfinde es eher als Bereicherung, dass da noch jemand ist, der etwas von sich mit einbringt. Ansonsten ist alles eine Frage der Organisation, man muss sich absprechen und gegenseitig unterstützen. Und man sollte sich ein gutes Netzwerk an Freunden aufbauen, bei denen man die Kinder auch mal am Nachmittag abgeben kann. Sobald sie in der Schule sind, wird ohnehin alles viel einfacher. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig zu lernen, die Kinder zu entbehren. Urlaub ist immer so ein Thema: Dieses Jahr haben wir es nicht geschafft, alle zusammen Urlaub zu machen. Aber abgesehen vom Urlaub verzichten wir auf wenig und sind sehr glücklich!

Nici_hauptstadtmutti_3

Hauptstadtmutti: Wie schwer fällt es dir abzuschalten?

Nici: Manchmal sehr. Ich habe es mir zwar ganz gut antrainiert, aber sobald ich das Handy in der Hand halte, ist es vorbei. Ich versuche mittlerweile, es am Wochenende wirklich zur Seite zu legen und nicht draufzugucken. Wir waren neulich drei Tage an der Ostsee, ohne Handy. Das war wie eine Woche Urlaub.

Hauptstadtmutti: Du schmeißt den Laden allein, oder?

Nici: Ich bin quasi noch eine One-Woman-Show, versuche aber gerade vieles wegzudelegieren, weil die Firma sehr gewachsen ist. Ich würde gern mehr machen, aber diese vielen E-Mails hindern mich oft daran. Also versuche ich, mir ein Team für Marketing und Sales und das Kaufmännische aufzubauen. Natürlich muss dafür aber auch das Budget stimmen.

Hauptstadtmutti: Dennoch hat man hier das Gefühl, in einer kleinen Fabrik zu sein. Hier wuseln doch einige Leute herum.

Nici: Im Moment sind wir zu viert. Ich habe eine Studentische Aushilfe, eine Hilfe im Schnitt und eine in der Produktion. Ich bin nicht ganz allein, aber für alles verantwortlich.

Hauptstadtmutti: Was inspiriert dich?

Nici: Am meisten meine Kinder. Zoë probiert immer alles an uns gibt mir Tipps, und der Kleine will immer alles haben. Ich achte darauf, was meine Kinder am liebsten tragen, hole mir aber auch bei Pinterest oder einfach auf den Berliner Straßen Inspiration. Es gibt überall schöne Sachen, und all das brodelt dann in meinem Kopf vor sich hin und wird zur Kollektion.

Hauptstadtmutti: Hast du einen Tipp für Mütter, wie sie wieder zu sich selbst finden können, wenn sie zu viel arbeiten oder Stress haben?

Nici: Bei mir funktioniert das am besten, wenn ich mit einem Glas Wein in der Badewanne liege. Tür zu, absperren und mal nichts machen. Oder Sport, Yoga und Tanzen. Ich tanze total gern, obwohl das leider nur noch selten vorkommt. Manchmal bin ich aber auch einfach froh, wenn ich zu Hause bleiben kann.

Vielen, lieben Dank für das tolle Gespräch, liebe Nici!

Fotografie: Claudia Kahnt   Interview: Isa Grütering  Text: Yvonne Vavrá

Kamera: Canon 1200 D

Newsletter Abo

„Wir sind sooooooooooo up-to-date, Schätzchen.”

Schließen