„Nununu ist Konzept, nicht bloß Marke“

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Nununu war nicht einfach plötzlich da. Es war nicht nur eine dieser Business-Ideen, die Mütter haben, wenn sie mit dem Mode-Angebot für ihre Kinder nicht zufrieden sind. Nununu ist ein gut durchdachtes professionelles Konzept, a „kick-ass cocktail of attitude, style, and sense of humor“, wie die Gründerinnen sagen. Wir haben die Trendsetterinnen Iris und Tali aus Israel auf der Playtime-Messe in Paris getroffen, wo sie uns erzählt haben, wie sich Nununu von der Idee zum internationalen Erfolgskonzept von heute entwickelt hat.

Hauptstadtmutti: Wie kam es zur Gründung von Nununu?

Iris: Als wir uns zum ersten Mal getroffen und entschieden haben, dass wir zusammen etwas auf die Beine stellen wollen, hatten wir nicht sofort die passende Idee. Wir wussten nur, dass wir keine Lust hatten, weiterzumachen wie bisher. Tali war Creative Director in einer Werbefirma und ich war Stylistin.

Tali: Es ist lustig, wie die Leute denken, dass Kindermodelabel immer von Müttern gegründet werden. So war das bei uns nicht. Wir waren nicht auf der Suche nach einem neuen Hobby, sondern wollten den nächsten großen Schritt in unserer Karriere gehen. Mütter waren wir dabei zufällig auch noch. Ein Jahr lang haben wir dann erstmal nur zusammengesessen und geredet. Wir haben noch nichts entworfen, weder Stift noch Papier wurden angerührt. Jeden Tag haben wir uns getroffen und stundenlang geredet. Geredet, geredet, geredet.

Iris: Es hat eine Weile gebraucht, bis wir uns gut kennengelernt hatten, denn wir waren vorher nicht befreundet. Wir kannten uns nur durch gemeinsame Freunde aus der Branche.

Tali:Wichtig ist, dass man ein Konzept hat, nicht bloß eine Idee für eine Kollektion. Nununu ist Konzept, nicht bloß Marke. Es war ein großer Vorteil für uns, dass wir uns ein Jahr Zeit gelassen hatten, daran zu feilen.

Hauptstadtmutti: Wie habt ihr vor sechs Jahren, als ihr losgelegt habt, die Arbeit untereinander aufgeteilt?

Tali: Wir kommen beide aus der kreativen Ecke, was Vor- und Nachteile hat. Denn es ist ja nicht so, dass eine von uns den kreativen Teil, und die andere die Business-Angelegenheiten übernehmen konnte. Für alles rund ums Geschäft haben wir Leute angestellt, und wir haben im Prinzip dieselben Aufgaben: Wir entwerfen die Kollektion. Alle Entscheidungen bezüglich Design und Markenpolitik treffen wir zusammen.

Iris: Kein anderer hat dabei was zu sagen!

Tali: Wir haben zwar Grafikdesigner, aber das Design kommt immer exklusiv von uns.

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Hauptstadtmutti: Wie lange hat es gedauert, bis ihr mit Nununu Geld verdienen konntet?

Tali: Vielleicht fünf Jahre.

Iris: Alles, was wir in den ersten Jahren verdient haben, ist direkt wieder zurück ins Business geflossen. Es gab kein Gehalt. Wir haben auch nie Investoren mit ins Boot geholt, und so lange wir fähig sind, das so zu belassen, machen wir das auch.

Hauptstadtmutti: Welchen Markt habt ihr zuerst erobert?

Tali: Sobald das Nununu-Konzept feststand, haben wir beschlossen, auf dem internationalen Markt zu verkaufen. Wir hatten kein Interesse an einer lokalen Marke, wir wollten ein internationales Label für Kinder.

Iris: Ja, der lokale Markt in Israel war keine Option für uns. Unsere Kollektion war minimalistisch und vor allem schwarz und grau. Damit wären wir eine sehr schmale Nische auf einem ohnehin kleinen Markt gewesen. Es ist aber unglaublich zu sehen, wie sich der lokale Markt in Israel entwickelt hat, während wir den internationalen bearbeitet haben. Nununu hat sich zu einer Marke entwickelt, die in Israel Trends setzt.

Tali: Dieses Jahr haben wir sogar einen Design-Award bekommen.

Hauptstadtmutti: In Deutschland besetzt ihr noch die Nische, aber man bekommt den Einfluss von Nununu langsam zu spüren. Das ist sehr interessant: Die Leute sehen, dass es etwas gibt, das anders ist, finden das spannend und schauen genauer hin.

Iris: Das ist immer so in der Mode und in der Kunst. Alles, was erst zur Avantgarde gehört – egal welche Kunstform – wird früher oder später zum Mainstream. Aber wir werden unser gewisses Etwas nie verlieren.

Tali: Wir sehen das auch an unseren Verkäufen. In den USA wurden wir zunächst in kleinen luxuriösen Boutiquen verkauft, heute findet man uns bei Barneys, Bloomingdales und Saks Fifth Avenue. Der Nununu-Style ist bekannter geworden und wir merken die steigende Nachfrage der Luxus-Kaufhäuser.

Hauptstadtmutti: Seid ihr auch daran interessiert, in weniger luxuriösen Märkten zu verkaufen, etwa bei Toys“R“Us?

Tali: Wow, jetzt redet ihr wirklich vom ganz großen Geschäft! Wir sind noch nicht so weit, aber wenn wir in unserer Nununu-Geschichte eines gelernt haben, dann, dass man niemals nie sagen soll.

Hauptstadtmutti: Wie ist die Kinderbetreuung in Israel geregelt? Kommt ihr als Frauen, die eine erfolgreiche Marke führen, gut zurecht?

Iris: Wir haben Vorschule für Kinder von 2 bis 6 Jahren. Meine Kinder gehen jetzt bis ungefähr 14 Uhr in die Schule und bis 16 Uhr zum Hort. Wir bringen sie um 8 Uhr morgens hin und fangen direkt danach an zu arbeiten. Ich habe außerdem ein Kindermädchen, das bis halb 5 bei den Kindern bleibt, und dann höre ich auf zu arbeiten. Meistens würde ich aber gern weitermachen. Ich denke, wenn wir die Möglichkeit hätten, bis nachts zu arbeiten, würden wir das tun.

Hauptstadtmutti: Wir fühlen uns genauso!

Tali: Sagt das keinem, aber jedes Mal, wenn wir das Büro verlassen, sind wir ein bisschen traurig. Wir wollen bleiben und weitermachen! Das ist einfacher als all die Probleme zu lösen, die zu Hause warten. Aber im Ernst, sagt das keinem weiter! (lacht)

Hauptstadtmutti: Habt ihr einen Rat für andere Mütter, die sich selbstständig machen wollen?

Tali: Ein Konzept ist wichtig – dass wir ein Jahr lang nur geplant haben, hat sich ausgezahlt. Nicht nur einfach irgendwas wollen und loslegen – haltet inne und denkt erst einmal nach. Keine Eile. Macht etwas, das stark und anders und einzigartig ist. Schaut nicht so sehr, was andere machen, bietet etwas an, das von euch selbst kommt.

Iris: Ich denke, dass man wirklich lieben muss, was man macht. Auch wenn das wie ein Klischee klingt: Wenn ihr euer Projekt selbst nicht liebt, wird es auch kein anderer tun. Ihr müsst die erste sein, die richtig verliebt in eure Idee ist.

Tali: Als Frauen sind wir fähig, Dinge mit mehr Gefühl anzugehen. Wir sind emotionaler in Bezug auf unsere Arbeit und das macht uns anders.

Iris: Geschäftsmodelle von Frauen haben eine andere Ausstrahlung als die von Männern. Ich rate Frauen dennoch, dem finanziellen Part von Anfang an Beachtung zu schenken und sich klar zu machen, dass sie es mit einem Business zu tun haben. Jedes Geschäft braucht eine gute Struktur, und ihr seid dafür verantwortlich, diese aufzubauen. Wir haben als Kreative angefangen, sind aber in unsere Business-Rollen hineingewachsen. Feilt an all euren Talenten, seid offen und erweitert eure Fähigkeiten. Vor allem vergesst aber die Leidenschaft und den Spaß nicht, das ist so wichtig. Wir zum Beispiel packen ein bisschen Liebe in jedes Paket, das unseren Online-Shop verlässt. Es ist nur eine kleine Aufmerksamkeit, macht aber einen großen Unterschied.

Hauptstadtmutti: Ja, wir waren so überrascht! Wir haben das Paket zusammen aufgemacht und die persönliche Karte gefunden, die ihr für uns geschrieben habt. Alles sah so gut aus und hat auch so gut gerochen! Wir bekommen viele Pakete, aber dieses ist definitiv aus der Masse herausgestochen.

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Danke, Iris und Tali für das tolle Interview!

Interview: Isa Grütering & Claudia Kahnt  // Text: Yvonne Vavrá

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