„Ohne meinen Mann hätte ich Job und Mutterrolle nicht vereinbaren können“: Cécile von SMALLable im Karriere-Interview

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Cécile hat vor sieben Jahren in Frankreich den sehr erfolgreichen Onlineshop SMALLable gegründet, einen Concept Store für Mode und Design für alle unter 16. Auch Pierre, ihr Mann ist Teil des Unternehmens – die beiden verbringen also sehr viel Zeit miteinander. Wie man sich trotzdem nicht zu reinen Geschäftspartnern entwickelt, warum es in Ordnung ist, dass sie ihren Sohn den ganzen Tag nicht sieht, und wie sie sich gegen ihre Mitstreiter im hart umkämpften Onlineshop-Markt durchsetzt, hat uns Cécile im Interview verraten.

Hauptstadtmutti: Cécile, warum hast du SMALLable gegründet? Du hattest ja damals noch kein Kind, richtig?

Cécile: Richtig. Aber ich wollte schon immer ein Unternehmen gründen. Und es sollte etwas mit Mode und Design zu tun haben. Ich hatte in Gesprächen mit Freunden und Familie festgestellt, dass es bei Schwangeren und jungen Müttern einen Bedarf nach schönen Sachen gibt, nach denen man nicht lange herumshoppen muss. Als meine Freundinnen schwanger wurden, hatten sie plötzlich keine Zeit mehr, einkaufen zu gehen und ewig herumzustöbern – vor allem, weil sie auch noch einen Job hatten. Sobald ein Baby da ist, kann man nicht mehr durch die Läden rennen, um Kindersachen, Schuhe und Möbel zu kaufen. Ich wollte ihr Leben erleichtern. So kam ich auf die Idee, working moms und tolle Designerfundstücke aus aller Welt zusammenzubringen. Das ging natürlich am einfachsten über das Internet.

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Hauptstadtmutti: Wie viele Stunden pro Tag arbeitest du?

Cécile: Wie viele? (lacht) Das kommt darauf an! Ein typischer Tag beginnt morgens um 9 Uhr, und meistens bin ich gegen 19 Uhr fertig.

Hauptstadtmutti: Wo ist dein Sohn in der Zwischenzeit?

Cécile: Die Schule beginnt um 8.30 Uhr. Ich bringe ihn hin und gehe danach direkt ins Büro. 19.30 Uhr hole ich ihn ab.

Hauptstadtmutti: Fühlt sich das komisch an, deinen Sohn den ganzen Tag lang nicht zu sehen?

Cécile: Überhaupt nicht, das ist gang und gäbe in Frankreich. Aber ich glaube, in Deutschland sieht man das anders. Manchmal ist es schwierig, wenn ich länger arbeiten muss. Auch das ist normal in Frankreich. Aber meistens läuft alles gut.

Hauptstadtmutti: Hast du nach der Geburt wenigstens für kurze Zeit aufgehört zu arbeiten?

Cécile: Es war schwer, komplett aufzuhören. Ich hatte meine Firma gerade erst gegründet und wurde nur von zwei Trainees unterstützt. Ich hatte jede Menge Verantwortung, also habe ich eine Zwischenlösung gefunden und die ersten zweieinhalb Monate zu Hause gearbeitet. So konnte ich mit meinem Baby zusammen sein. Auch mein Mann war eine große Hilfe. Er hatte vorher in der Werbung gearbeitet, ist dann aber bei SMALLable eingestiegen. Das hat es mir einfach gemacht, für das Baby zu sorgen. Ohne meinen Mann hätte ich Job und Mutterrolle nicht vereinbaren können. Wir sind ein Familienunternehmen!

Hauptstadtmutti: Dann seht ihr euch ja 24 Stunden am Tag. Ist das hart?

Cécile: Manchmal. (lacht)

Hauptstadtmutti: Aber schafft ihr es trotzdem, rein privat Zeit miteinander zu verbringen? Ohne ans Business zu denken?

Cécile: Am Anfang war es schwierig, Job und Familienleben zu trennen. SMALLable war wie ein zweites Kind. Wir haben pausenlos über Strategien und Projekte gesprochen, irgendwann aber beschlossen, klare Grenzen zu ziehen. Wenn ich zum Beispiel mit meinem Sohn zusammen bin, stöpsele ich mich heute komplett aus: kein Telefon, kein iPad, keinen Computer. Am Wochenende werden keine Mails mehr beantwortet und auch keine Arbeitsgespräche geführt. Manchmal fahren wir auch alle zusammen weg, um komplett abzuschalten.

Hauptstadtmutti: Wie lange hat es gedauert, bis SMALLable erfolgreich war?

Cécile: Für mich war es wichtig, klein anzufangen und erstmal gründlich auszutesten, ob es einen Markt gibt und ob mein Konzept taugt. Nach zwei Jahren habe ich dann entschieden, dass es ein tolles Projekt ist und mich auf die Suche nach Investoren gemacht.

Hauptstadtmutti: Musst du dich gegen viele Mitstreiter durchsetzen?

Cécile: Als wir vor fast sieben Jahren angefangen haben, waren wir der erste Concept Store, der Klamotten, Möbel und Deko-Artikel für Kinder angeboten hat. Etwa zwei Jahre später haben plötzlich sehr viele Shops dieser Art im Internet eröffnet. Das war erstmal ein Schock, aber wir haben schnell entschieden, was wir machen mussten, um unsere Spitzenposition zu halten. Wir wussten, dass wir die besten sein mussten, mit den besten Marken und dem besten Service. Insofern war der Wettbewerb sehr motivierend. Aber wir waren natürlich auch ärgerlich, weil viele uns kopiert haben. Teilweise haben sie sogar unsere Fotos geklaut! Aber nach ein paar Jahren haben viele der kleineren Shops wieder zugemacht – das Business ist nicht einfach.

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Hauptstadtmutti: Nach welchen Kriterien suchst du die Marken und Designer aus?

Cécile: Ich habe drei Einkäufer, die zusammen mit mir entscheiden – zwei für Mode und einen für Lifestyle und Wohnkultur. Aber das letzte Wort habe ich.

Hauptstadtmutti: Würdest du etwas in deinem Shop anbieten, das du nicht selbst magst?

Cécile: Natürlich kaufe ich nur, was ich mag und womit ich mich wohl fühle. Aber manchmal bin ich nicht verrückt nach etwas, denke aber, dass es sich gut verkaufen und die Leute ansprechen würde. Dann nehme ich es ins Angebot auf.

Hauptstadtmutti: Welche Zukunftspläne hast du? Cécile: Ich möchte mich international mehr ausbreiten. Der Bedarf in Europa, Asien und den USA steigt und steigt, da wollen wir unsere Position ausbauen. Außerdem haben wir vor zwei Jahren unsere eigene Modemarke auf den Markt gebracht, die recht gut läuft. Die wollen wir weiterentwickeln und außerdem eine neue Marke für Wohnkultur starten. Auch die Website wird sich verändern und sehr viel mehr redaktionellen Inhalt haben. Von Anfang an haben wir nicht nur darauf geachtet, eine große Produktauswahl zu haben, sondern auch redaktionelle Beiträge erarbeitet, die Inspiration, als Hilfe für Kaufentscheidungen bieten. Wir haben auch unser eigenes Online-Magazin. Die Leute mögen das sehr, also wollen wir das weiterentwickeln.

Hauptstadtmutti: Holt ihr euch für eure eigenen Marken Designer von außen?

Cécile: Nein, das ist alles hausgemacht. Mein Mann und ich haben beide viel kreative Erfahrung in der Produktentwicklung. Wir arbeiten mit Stylisten zusammen und manchmal mit Grafikern und Illustratoren. Aber die Wahl der Materialien, Farben und all das machen wir alles zu Hause. Wir wollen nicht bloß am Ende unseren Markenstempel aufdrücken, sondern tatsächlich etwas eigenes schaffen, das sich vom Angebot der anderen Marken unterscheidet.

Hauptstadtmutti: Gibt es einen Unterschied zwischen französischen und deutschen Käufern?

Cécile: Wenn wir uns anschauen, welche Marken wo am meisten gekauft werden, dann gibt es keine großen Unterschiede. Die Deutschen kaufen aber sehr viel mehr Mode und weniger Dekoration und Möbel. Die Franzosen sind in diesen Bereichen kauffreudiger.

Vielen Dank, liebe Cécile!

Interview: Isa Grütering & Claudia Kahnt     Fotos: Claudia Kahnt    Text: Yvonne Vavrá

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