„Stillen wirkt wie unter der Dusche stehen: Da kommen die Ideen“

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Früher gab es bei Anna Frost keinen Termin vor zehn Uhr, heute kann sie es kaum erwarten loszulegen. Seit drei Monaten ist alles anders bei der Bloggerin, und sie hat ein Thema mehr für ihren Blog Fashionpuppe, der zu den erfolgreichsten in ganz Deutschland gehört: ihr Baby. Wir haben sie zum Interview in Hamburg  getroffen, wo sie uns erzählt hat, wie sich ihr Style, ihre Arbeit und ihr Leben seit der Schwangerschaft verändert haben und warum man beim Stillen auf gute Ideen kommt.

Hauptstadtmutti: Anna, du bloggst seit acht Jahren, und wir beobachten dich schon länger. Aber seit du vor drei Monaten ein Baby bekommen hast, sind wir so richtig verrückt nach deinem Blog. Wie hat sich deine Arbeit seit der Geburt verändert?

Anna Frost: Durch das Baby verändert sich alles. Jede Story hat plötzlich mit dem Kind zu tun. Manchmal sitze ich da und denke: Oje, jetzt habe ich schon den fünften Post über das Kind geschrieben, ich sollte mal wieder was anderes bloggen. Aber ich bin nunmal zurzeit 24 Stunden am Tag mit dem Baby beschäftigt, alles dreht sich darum.

Hauptstadtmutti: War die Schwangerschaft aus rein thematischer Sicht eine willkommene Abwechslung?

Anna Frost: Ich habe lange überlegt, ob ich das Baby in den Blog mit reinbringen will oder nicht. Aber schon als ich im zweiten Monat schwanger war, brannte es mir unter den Nägeln. Ich musste es unbedingt erzählen. Überhaupt habe ich auch schon recht früh einen dicken Bauch gehabt, man hat es also sowieso gesehen. Ich habe dann mit meinem Freund gesprochen, ob es für ihn ok wäre, wenn ich unser Baby öffentlich mache. Und er war dafür. Es ist ja großer Teil meines Lebens, und bei mir auf dem Blog geht es ja ausschliefllich um mich. Wir haben dann entschieden, eine neue Rubrik für das Baby hinzuzufügen, und sogar  viele meiner Leser ohne Kinder haben mir geschrieben, dass sie die Baby-Posts total interessant finden.

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Hauptstadtmutti: Dein Blog wird jetzt aber nicht zum Mamablog?

Anna Frost: Nein, auf keinen Fall (lacht). Obwohl das wahrscheinlich jeder sagt. Man nimmt  sich ja viele Sachen vor, die man später über den Haufen wirft. Geplant ist es aber auf keinen Fall. Fashionpuppe soll so weiterlaufen wie bisher, nur wird mein Muttersein natürlich mitschwingen.

Hauptstadtmutti: Haben sich dein Stil und dein Blick für Mode geändert, seit du schwanger wurdest?

Anna Frost: Natürlich. Ich stille ja noch, muss also je nachdem, ob ich Termine habe, das richtige Stilloutfit wählen. Wenn ich das Haus verlassen muss, ziehe ich mir natürlich kein Kleid an! Ich liebe die Klamotten von Boob, denn die haben diese Lupflasche. Das ist sehr cool. Ansonsten achte ich zurzeit darauf, dass ich etwas trage, womit ich mich beim Stillen zumindest ein bisschen bedecken kann. Außerdem muss es bequem sein und meinen  noch frischen Mom-Schwabbel überdecken.

Hauptstadtmutti: Liest du heute mehr Mamablogs?

Anna Frost: Jein. Die krassen Mamablogs lese ich nur, wenn ich etwas Bestimmtes suche. Zum Beispiel hat Emma gerade extrem trockene Kopfhaut, und wenn ich das google, lande ich auf den Mütterblogs und weiß die Ratschläge dort auch sehr zu schätzen.

Hauptstadtmutti: Inwiefern hat sich dein Leben verändert? Gehst du immer noch aus?

Anna Frost: Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal die Fashion Week ausfallen lassen, das tat so weh! Ich habe lange überlegt, ob ich es vielleicht doch hinkriege, aber das wäre zu viel Stress  für das Baby und mich geworden. Aber sonst habe ich immer noch viel Sozialleben. Ich koche und die Mädels bringen den Wein mit bzw. Cola für mich. Bei uns zu Hause findet sehr viel statt, ich arrangiere mich mit der Situation.

Hauptstadtmutti: Wann arbeitest du?

Anna Frost: Immer, wenn das Kind schläft. Wir haben einen groben Rhythmus: Sie wacht  gegen 6 oder 7 auf, dann wird gestillt, dann schläft sie weiter, bis 11 oder 12 Uhr. In der Zeit powere ich so viel wie möglich. Früher habe ich nach der Devise „Keine Termine vor 10“ gelebt, jetzt muss vor 10 möglichst alles geschafft sein. Das ist so ein guter Start in den Tag: Ich stehe auf, ziehe mich an, schminke mich, mache mir einen Kaffee, setze mich an den Computer und denke: Geil! Der Tag geht los! Das wäre früher undenkbar gewesen.

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Hauptstadtmutti: Du hast früher mit deinem Freund zusammen an Fashionpuppe gearbeitet.  Ist das immer noch so?

Anna Frost: Nicht mehr so wie früher, da er seit drei Monaten wieder bei einer Agentur angestellt ist. Er kümmert sich aber immer noch viel um alles, was im Hintergrund passiert.

Hauptstadtmutti: Arbeitest du seit dem Baby mehr oder weniger?

Anna Frost: Ich war und bin da sehr kritisch mit mir. In der Schwangerschaft war es am Anfang ganz schwer und frustrierend für mich. Im zweiten Trimester dann war es toll. Ich hatte so viel Energie wie nie und habe wahnsinnig viel gearbeitet. Im dritten Trimester hatte ich keinen Bock mehr und fühlte mich einfach nur schwanger. Und jetzt, wo ich mich  eingependelt habe, habe ich fast das Gefühl, dass ich mehr arbeite als vorher. Aber frag mich morgen nochmal, dann sage ich vielleicht, dass ich wieder gar nichts geschafft habe. Manchmal kommt mein Freund nach Hause und fragt, wie mein Tag war, und dann merke ich, dass ich tatsächlich nur gestillt, gewickelt, gestillt, gewickelt und gar nichts anderes gemacht habe. Und dann gibt es Tage, an denen ich die Arbeit von drei Wochen an einem Tag schaffe.

Hauptstadtmutti: Du machst mittlerweile auch Videos. Noch mehr Pläne?

Anna Frost: Ja, mit einer Freundin und noch ein paar anderen Leuten entwickeln wir gerade ein neues Blogprojekt im Lifestyle-Bereich. Die Stillzeit ist insgesamt eigentlich gar nicht so schlecht, denn Stillen wirkt wie unter der Dusche stehen: Da kommen die Ideen.

Hauptstadtmutti: Wenn dein neues Projekt gut anläuft, wirst du mit anderen in einem Team arbeiten. Ist das eine Herausforderung für dich?

Anna Frost: Ich habe schon früher im Team gebloggt und finde Input von anderen Leuten auch wichtig für das Projekt. Dass wir uns vielleicht auch mal ein bisschen kappeln werden, ist gut. Da freue ich mich drauf. Dafür habe ich ja sonst nur Jakob, meinen Freund.

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Hauptstadtmutti: Du gehörst zu den erfolgreichsten Bloggern Deutschlands. Hast du einen Tipp für die vielen Mütter, die darüber nachdenken, während der Elternzeit einen Blog zu starten?

Anna Frost: Das Wichtigste ist, eine Story zu haben. Egal, was du erzählst, erzähl es mit einem roten Faden. Bau eine Geschichte auf und mach sie rund. Das ist das, was den Leser befriedigt. Hol die Leute ran, und wenn du eine Meinung hast, schrei sie raus. Ansonsten:  einfach machen und gucken, wohin es führt. Es ist auch gut, einen Plan zu haben und zu wissen, wohin man will. Und wenn etwas nicht klappt, dann nicht enttäuscht sein, sondern einfach einen anderen Weg einschlagen.

Liebe Anna, Danke dir für das wirklich tolle Gespräch, den großartigen Einblick in dein Leben! Volle Kraft voraus!

Annas Outfit: Kinderwagen von Joolz, Mantel von ASOS, Schuhe von IKKII und Tasche von Bugaboo.

Interview: Isa Grütering   Fotos: Claudia Kahnt    Text: Yvonne Vavrá

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