Unser erster Schultag oder Mutti wird’s schon packen

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Unser ältester Sohn Gustav wurde vor drei Tagen eingeschult  – und was soll ich sagen? Es war der emotionalste, traurigste und zugleich fröhlichste Moment meines Lebens, unseres Lebens als Familie.

Wer bitte hätte das gedacht? Ich am allerwenigsten! Während mein Mann bei der Geburt unseres ersten Kindes zu Tränen gerührt war, dachte ich noch: „Was hat er denn? Jetzt ist es doch da, das Baby.“ Und los ging es mit dem Stillen, dem Erholen, dem neuen Leben. Ich ging da recht pragmatisch und zielgerichtet ran. Schließlich war Gustav nach zwei Fehlgeburten unser absolutes Wunschkind, da sollte alles perfekt sein. Es wurde eingerichtet, beantragt und angemeldet. Das Elterngeld kam, ich ging zum Pekip- und Rückbildungskurs und bespielte täglich meinen kleinen Sohn. Stets war ich darauf bedacht, dass er sich entwickelte und dazulernte, drehte und krabbelte, feste Nahrung zu sich nahm und die ersten Worte sprach.

Als dann irgendwann die Eingewöhnung im Kindergarten anfing, wunderte ich mich über weinende Mütter vorm Zaun. Ich war eigentlich ganz froh, endlich mal wieder Zeit für mich zu haben und freute mich über die neu gewonnene Freiheit. Zum Weinen war mir überhaupt nicht zumute. Ganz im Gegenteil – ich fand es toll, dass sich Gustav gut im Kindergarten einlebte und ich endlich wieder arbeiten konnte.

Und eigentlich verhielt es sich auch mit der Einschulung so. Seit Monaten, also seit dem Tag der Schulanmeldung und dem Okay des Schularztes, fieberten wir alle dem Schulanfang entgegen. Den Monat davor war Gustav zu Hause und genoss die gemeinsame Zeit mit uns Eltern. Mal mit Papa, mal mit Mama mitgehen. Er war total entspannt in seiner Sonderrolle. Von seiner zukünftigen Klassenlehrerin hatte er einen Brief mit einer Art „Countdown-Kalender“ bekommen, von dem wir jeden Tag ein Feld durchstrichen. Somit rückte der große Tag auch auf dem Papier immer näher.

Zuckertüte selbstgemacht

Während dieser Zeit bereiteten wir Eltern alles vor. Was sollte Gustav anziehen? Schulranzen und Turnbeutel und alles, was reingehört wurden zusammengetragen, Schreibtisch und Stuhl angeschafft. Die Frage nach Geschenken aller Verwandten beantwortet. Und am Abend vor der Einschulung füllte ich die Zuckertüte mit allem, was mein Sohn toll findet. Am Ende ist es übrigens ein Mix aus den beiden Schultüten geworden, die wir vorgestellt haben. Alles war vorbereitet.

Die Großeltern und Geschwister waren am Abend vorher angereist, und so liefen wir am Tag der Einschulung gemeinsam los. Gustav irgendwie ganz klein bei mir an der Hand – und alle seltsam schweigsam.

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Vor der Schule angekommen, erwarteten uns die Lehrerin und Hortnerin und wir gaben Gustav ab. Er wusste nicht so recht, wie ihm geschah und drehte sich vorsichtshalber nicht zu uns um. Wir gingen in die Aula und warteten darauf, dass alle Eltern und Verwandten Platz fanden. Dann ging es los.

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Es wurde „Ein Männlein steht im Walde“ gespielt – so traurig! – und die Lehrer liefen mit den Schulanfängern ein. Den meisten Kindern stand eine Mischung aus Angst, Vorfreude und Respekt ins Gesicht geschrieben. Gustav auch. Ich glaube, am liebsten wäre er einfach zu uns gerannt. Aber er wusste, das ging nicht. Und hat auch tapfer durchgehalten. Ich hingegen dachte, mein Herz zerspringt. Mein Baby! Lief da ganz alleine in sein neues Leben hinein und ich wusste, ich werde ihn immer weniger beschützen können. Mir liefen die Tränen nur so übers Gesicht. Und dazu das traurige Lied. Auch die beiden Omas sahen ziemlich ergriffen aus – im Gegensatz zu den Männer der Familie, die es erstaunlich gelassen hinnahmen. Allen voran Gustavs kleiner Bruder, der auch mal kurz nach vorn rannte, um zu gucken, was die großen Kinder da so machen.

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Ich fand den Moment der Einschulung viel, viel ergreifender als die Geburt. Verrückt! Vielleicht weil es neben dem Neubeginn auch ein kleiner oder erster Abschied war?

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Nach einer tollen und wunderschönen Feier und einem entspannten Sonntag ging es am Montagmorgen dann schon wieder los. Mein Mann und ich brachten Gustav das erste Mal zur Schule und er kämpfte mit den Tränen. Wir auch. Als wir kurz vor acht (!) wieder zu Hause waren, musste ich erst mal ein bisschen weinen und war den ganzen Tag völlig durch den Wind.

Am Nachmittag rannte mir aber in der Schule ein glückliches Kind entgegen – mir fiel ein Stein vom Herzen. Auf dem Nachhauseweg erzählte er von seinem ersten Schultag. Am aufregendsten war die Zeit auf dem Hof: „Nach dem Mittagessen sind wir raus und da waren dann 100 Kinder! Und plötzlich klingelte es und dann kamen noch einmal 1000 Kinder dazu! Da wollte ich weinen, aber dann bin ich zum Klettergerüst gerannt.“ Ach, ich denke, er packt das! Und ich auch, irgendwann.

Fotos: Stefanie Luberichs

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