„Wir sind unverwüstlich“ Karriere-Interview mit Von Erika

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In einer Weinnacht im Sommer 2013 kam es auf einem Berliner Balkon zu einer Herzensangelegenheit: Tanja Deschner (41) und Christina Eckert (37) haben handfeste Pläne aus ihren lang gehegten Ideen gemacht und ihr Interieur-Label Von Erika gegründet. Hier erzählen sie, wie sie sich die Arbeit aufteilen, Unterstützung von der Familie bekommen und die Konkurrenz in Schach halten.

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Hauptstadtmutti: Tanja, du hast vier Kinder – 12, 10, 8 und 1 Jahr alt – und deine Zwillinge, Christina, sind 2. So eine Bande zieht sich nicht alleine groß: Woher kommt bei dem Pensum die Lust und die Kraft, nebenbei noch ein Unternehmen aufzubauen?

Christina:  Tanja wollte gern wieder in den Beruf einsteigen und hat so nebenher erwähnt, dass sie ein eigenes Business gründen könnte. ‚Ja dann denk mal nach, ich bin dabei’, hab ich da gesagt. Bei mir sind alle Lichter angegangen, mein Unternehmergeist war geweckt.

Hauptstadtmutti: Was hast du vorher gearbeitet?

Christina: Ich habe BWL studiert, war bei einer großen Firma angestellt, aber wollte gern auch kreativ arbeiten. Ich habe immer schon fotografiert und mich für Design interessiert, bin viel gereist und wollte die ganzen Bilder auch irgendwie mal zeigen. Dass sie jetzt auf Stoffen gelandet sind, finde ich gut.

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Hauptstadtmutti: Die Fotos kommen also von dir. Und wer macht die Illustrationen?

Christina: Die sind von Tanja. Wir fanden es innovativ, Natur in dieser Kombination in den Wohnraum zu bringen.

Tanja: Es war spannend zu sehen, dass unser Vorhaben auch tatsächlich gut funktioniert!

Christina: Ich nähe ganz gern, und Tanja hat schon lange vorher Kissen gestaltet. Also haben wir gedacht, dass die Motive auf Stoff müssen. Und wenn schon Natur auf den Stoff kommt, dann muss es Bio-Stoff sein. Wir versuchen diesen Faden durchzuziehen.

Tanja: Die Herausforderung war, ein Material zu finden, das wie eine Leinwand wirkt, aber so kuschelig ist, dass man sie sich aufs Sofa legen will.

Hauptstadtmutti: Und ist es gelungen?

Christina: Ja! Geht doch mal gucken in unserem Showroom!

Hauptstadtmutti: Unter anderem habt ihr auch bedruckte Stillkissen, das hat uns auf euch aufmerksam gemacht. Denn da gibt es unserer Meinung nach enormen Nachholbedarf!

Christina: Ja, als stillende Mütter hatten wir beide etwas Neutrales und Cooles gesucht, jenseits von Bärchen oder Vichy-Karo. Wir hatten den Anspruch, dass man ein Stillkissen nicht verstecken muss, wenn Besuch kommt.

Hauptstadtmutti: Von Erika – warum dieser Name?

Christina: Wir haben lange überlegt und uns irgendwann gefragt: Wo wären wir gerne? Die Antwort war: im Wald, auf einer Lichtung. Und da wächst doch diese Pflanze, Erika. Die ist unverwüstlich, und so sind wir auch.

Hauptstadtmutti: Wie teilt ihr euch die Arbeit untereinander auf?

Tanja: Christina fotografiert, ich zeichne. Ansonsten machen wir alles Gestalterische gemeinsam.

Christina: Tanja ist Ansprechpartnerin für die Näherei, ich für die Webdesigner. Wir kommen uns nicht in die Quere.

Hauptstadtmutti: Was ist mit dem Kaufmännischen und dem Marketing?

Christine: Die Buchhaltung haben wir ausgelagert, und ansonsten landet alles, was Zahlen betrifft, bei mir, denn ich habe ja BWL studiert. PR und Marketing machen wir gemeinsam.

Tanja: Aber da fangen wir gerade erst an, die Fühler auszustrecken. Pinterest, Facebook, … – wir haben gerade einen Plan aufgestellt.

Hauptstadtmutti: Findet ihr bei all der Unternehmenslust auch noch Zeit für die Familie?

Christina: Momentan müssen wir Vollzeit arbeiten, sieben Tage die Woche. Aber wir unterstützen uns gegenseitig.

Tanja: Wenn die Kinder schlafen und immer wenn zwischendurch Zeit ist, wird gearbeitet.

Christina: Unsere Männer unterstützen uns auch sehr. Gerade beim Start von Von Erika war viel zu tun, und auch heute müssen wir uns oft abends noch mal an die Arbeit machen. Oder noch mal schnell ein Fotoshooting stemmen, weil das Licht so schön ist. Wahrscheinlich arbeitet man als Freier mehr als ein Festangestellter. Dafür können wir uns aber auch frei organisieren und genau das machen, was wir toll finden. Das bringt Energie.

Tanja: Überhaupt sind wir zäh.

Hauptstadtmutti: Wie haben die Kinder auf ihre betriebsamen Mütter reagiert?

Tanja: Die sind begeistert! Sie fangen schon selber an zu zeichnen und fragen, ob wir ihre Werke verwenden können. Natürlich wollen sie alle Teile auch am liebsten behalten oder ihren Freunden schenken.

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Hauptstadtmutti: Fotoprints und Natur sind gerade im Kommen. Wie geht ihr mit der Konkurrenz um?

Christina: Der Trend hat Vor- und Nachteile. Einerseits können wir nicht zu IKEA-Preisen verkaufen, aber andererseits ist es vorteilhaft, wenn der Markt sensibilisiert wird und sich mehr und mehr Menschen Käfer in die Wohnung holen wollen.

Tanja: Wir grenzen uns im Design und in der Qualität von den Billiganbietern ab. Wir sind in einer ganz anderen Schublade.

Christina: Wir kaufen tollen Stoff ein, lassen ihn super verarbeiten und packen alles schön ein. Das ist schon was etwas anderes als Massenware.

Hauptstadtmutti: Habt ihr einen Tipp für Mütter, die sich selbständig machen wollen?

Tanja: Ich habe jede Minute des Tages genutzt, um mir meine Selbständigkeit auszudenken. Ob beim Staubsaugen, Brotbüchsen vorbereiten oder Abwaschen – ich war immer am Planen.

Christina: Organisation ist alles, man braucht einfach einen richtig guten Plan! Außerdem natürlich auch die Unterstützung der Familie – sowohl in kreativer, als auch in zeitlicher und finanzieller Hinsicht.

Hauptstadtmutti: Von Erika vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg wünschen wir euch!

Interview: Isa Grütering   Foto: Claudia Kahnt   Text: Yvonne Vávra

Vielen Dank an Canon (Kamera: EOS 1200D)

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