Ziegenmilch ist die bessere Babymilch

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Michèle ist erst 29 Jahre alt, aber zieht schon drei Jungs groß – 2, 4 und 7 Jahre alt. Die Leipzigerin hat jedoch noch ein viertes Kind: ihr Unternehmen Almathea, mit dem sie den Babymilchmarkt um eine Alternative aus Ziegenmilch ergänzt. Warum sie als Mutter in ihrem alten Job nicht mehr auf Anerkennung hoffen konnte und warum Ziegenmilch die bessere Babymilch ist, erzählte sie uns im Interview.

Hauptstadtmutti: Michèle, du hast deinen ersten Sohn sehr früh bekommen, mit 20 Jahren. War das geplant?

Michèle: Es war ein glücklicher Zufall. Ich hatte den Mann kennengelernt und wir waren furchtbar verliebt, und dann war auch schon das Kind auf dem Weg. Erstmal war das eine Katastrophe, auch für das Umfeld und die Familie. Einige waren richtig schockiert. Wir sind also eher mit negativen Gefühlen an das Elternsein herangegangen und haben auch nicht daran geglaubt, dass unsere Beziehung das aushält. Als das Kind dann da war, haben wir aber gesehen, dass es natürlich viel Arbeit, aber auch ganz schön war. Wir haben das Schlimmste erwartet und das Beste bekommen.

Hauptstadtmutti: Du bist ja noch jung, sind noch mehr Kinder geplant?

Michèle: Nach dem ersten und zweiten wollten wir immer noch eins und dachten, dass es eigentlich keinen großen Unterschied macht, wie viele es sind. Aber jetzt beim dritten sehen wir, dass wir die Arbeit doch etwas unterschätzt haben. Vorher sind es zwei Erwachsene und zwei Kinder, und plötzlich sind die Kinder in der Überzahl. Das macht einen Riesenunterschied.

Hauptstadtmutti: Hat sich euer Freundeskreis durch die Kinder verändert?

Michèle: Die meisten unserer Freunde haben keine Kinder, und viele konnten unsere Entscheidung auch nicht so gut verstehen. Natürlich haben wir nach der Geburt weniger Party gemacht und diese Freunde dann weniger gesehen.

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Hauptstadtmutti: Hast du das Partymachen vermisst?

Michèle: Am Anfang ja. Ich bin auch als Schwangere oder mit den Kindern noch auf Festivals gefahren, der Veränderungsprozess lief langsam ab. Einige Bedürfnisse sind einfach zurückgegangen. Mit der Zeit wollte ich Sinnvolleres machen als Party.

Hauptstadtmutti: Würdest du dich, wenn du noch einmal 20 wärst, wieder für so eine frühe Familiengründung entscheiden?

Michèle: Ich bereue nichts. Ich finde es schön, wie unsere Familie und auch wir als Eltern und Menschen gewachsen sind.

Hauptstadtmutti: Du hast deine ersten zwei Söhne während des Studiums bekommen, beim dritten warst du dann angestellt. Ließ sich das gut vereinbaren?

Michèle: Ich komme aus der Öffentlichkeitsarbeit, hatte einen ganz klassischen Bürojob, und Anwesenweitspflicht schien für meinen Chef das Allerwichtigste zu sein. Engagierte Mitarbeiter waren die, bei denen abends noch die Schreibtischlampe brannte, aber es wurde nicht gesehen, wer eigentlich wie viel schafft. Ich habe teilweise in den fünf Stunden, in denen ich da war, mehr gearbeitet als Kollegen in zwölf Stunden. In der Elternzeit hat es mir dann gereicht, und ich habe gesehen, dass ich als Mutter da keine Anerkennung mehr gewinnen kann.

Hauptstadtmutti: Also hast du dich selbstständig gemacht.

Michèle: Ja, ich fand auch die Einschränkung nicht gut, dass ich immer an Projekten von anderen arbeiten musste. Mein Chef hat ständig seine Meinung und Strategie geändert, und das war sehr anstrengend. Ich fand das auch nicht sinnvoll und war frustriert, das umsetzen zu müssen. Ich habe gelernt, dass Unternehmen auch nur mit Wasser kochen und dass es wahrscheinlich auch für mich möglich ist, meinen Lebensunterhalt als Unternehmerin zu bestreiten.

Hauptstadtmutti: Nun bist du ja keine Lebensmittelchemikerin oder ähnliches – wie bist du auf die Idee mit der Ziegenfolgemilch gekommen?

Michèle: Aus Erfahrung. Ich habe einmal meinen Freund losgeschickt, um Babymilch zu kaufen und wusste, dass Ziegenmilch für Babys besser verträglich ist. Er kam zurück und sagte, dass es so was nicht gibt. Ich fand das seltsam, weil ich dachte, es wisse jeder, dass Ziegenmilch besser ist. Warum gab es das also nicht? Auf dem Markt wurden damals nur zwei Varianten angeboten, mit denen ich aber nicht zufrieden war. Also wollte ich das besser machen.

Hauptstadtmutti: Warum ist Ziegenmilch besser bekömmlich?

Michèle: Das liegt vor allem am Aufbau des Milcheiweißes. Das von der Kuh ist größer und komplizierter aufgebaut. Ziegenmilch ist einfacher zu verdauen. Viele Leute, die denken, dass sie laktoseintolerant sind, vertragen oft einfach das Kuhmilcheiweiß nicht und kommen mit Ziegenmilch gut klar.

Hauptstadtmutti: Mit wie vielen Leuten arbeitest du zusammen?

Michèle: Ich bin eigentlich allein. Klar habe ich Partner wie Fotografen oder Textern, aber im Grunde bin ich allein.

Hauptstadtmutti: Wie bist du denn bei der Gründung vorgegangen?

Michèle: Ich habe einen Babymilch-Hersteller gesucht, der für private Label produziert. Das war bei der Babymilch sehr schwierig, denn der Markt boomt gerade. Es werden zum Beispiel zurzeit in Deutschland Werke allein für den chinesischen Markt gebaut, weil da der Bedarf an deutscher Milch riesig ist. Ich habe also viel Ablehnung bekommen, weil es sich für die Hersteller nicht gelohnt hat, so kleine Mengen zu produzieren oder weil sie keine Kapazität hatten. Aber ich hatte Glück und habe eine tschechische Firma gefunden, die gerade ein Werk für Babyziegenmilch für den tschechischen Markt eröffnet hatte.

Hauptstadtmutti: Wo kommt die Ziegenmilch her?

Michèle: Gut ist erstmal, dass Ziegenmilch nicht aus Massentierhaltung kommt, weil das bei Ziegen nicht funktioniert. Man muss zum Beispiel aufpassen, dass die Milch nicht den Stallgeruch annimmt, das ist bei Ziegen problematischer. Dadurch ist die Milch auch teurer.

Hauptstadtmutti: Für wie viel verkaufst du?

Michèle: 750 Gramm kosten bei mir 39 Euro.

Hauptstadtmutti: Und wie vertreibst du das?

Michèle: Ausschließlich über meinen Onlineshop. Weil das so ein Luxusprodukt ist, wären vielleicht Apotheken oder andere Premium-Anbieter denkbar, aber momentan bin ich nur der Mittler.

Hauptstadtmutti: Wie finanzierst du dich?

Michèle: Ich finanziere alles selbst und hoffe, dass es nun wächst. Ich verkaufe seit Mai, und das Hauptproblem bisher ist, dass die Marke und auch ich als Person noch nicht sehr bekannt sind. Das ist aber wichtig, weil es ja ein Vertrauensprodukt ist. Dieser Prozess wird wohl länger dauern, als ich mir das vorgestellt habe.

Hauptstadtmutti: Könntest du nicht auch mit Kliniken oder Geburtshäusern zusammenarbeiten?

Michèle: Das ist stark reglementiert. Genauso wie Bewerbung für Anfangsmilch. Es dürfen zum Beispiel keine kostenlosen Proben verteilt werden. Es geht dabei auch darum, dass man die Frauen nicht vom Stillen abhält.

Hauptstadtmutti: Weißt du, wer bei dir kauft, und warum?

Michèle: Die meisten kaufen das nicht aufgrund einer bestimmten Diagnose, sondern wollen, dass sie gar nicht erst ein Problem mit Allergien und Unverträglichkeiten bekommen – Milch ist ja eines der Top-Allergene. Andere suchen nach einer guten Alternative zur Muttermilch: Auch bei mir selbst hat der Abpumpprozess nicht richtig funktioniert und war richtig stressig, sodass ich beim dritten Kind ein paar Mahlzeiten mit einer Babymilch ersetzen wollte, um mir mal eine Pause zu gönnen. Ist ja kein Weltuntergang, aber macht mir den Alltag sehr viel leichter.

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Hauptstadtmutti: Was sind deine Wünsche für die Zukunft?

Michèle: Ich hätte gern ein Büro und ein Lager, im Moment arbeite ich noch von zu Hause aus und verschicke die Produkte aus dem Keller. Ich hatte auch gedacht, dass ich mehr rund um das Thema Babymilch aufbauen könnte. Am besten wäre es natürlich – als abstruse Idee für ganz am Ende des Horizonts – Babymilch aus Muttermilch herzustellen. Das wäre die allerbeste Variante, aber auch ein absolutes Luxusprodukt, da der Rohstoff sehr teuer wäre. Da ist die Ziegenmilch erstmal eine gute Alternative. Aber für die Zukunft? Warum nicht! Es gibt ja jetzt schon Tauschbörsen, wo Frauen Muttermilch für 3 bis 4 Euro pro 100 Milliliter verkaufen oder sie verschenken. Aber viele Mütter hätten dabei vielleicht ein Vertrauensproblem, weil man ja nicht weiß, ob die Mutter raucht, trinkt oder Medikamente nimmt. Viele Frauen wollen auch nicht, dass ihr Baby die Milch anderer Mütter trinkt.

Hauptstadtmutti: Wie lange gibst du dir, um zu sehen, ob du davon leben kannst?

Michèle: Ich habe eine ziemlich klare Deadline. Mein Freund promoviert gerade und hat ein Stipendium, das Ende des Jahres ausläuft. Ab dann bin ich fürs Familieneinkommen zuständig, bis dahin muss es also laufen.

Interview: Isa Grütering & Claudia Kahnt  // Foto: Claudia Kahnt  // Text: Yvonne Vavrá

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