Hauptstadtmutti

Anna Figoluschka, Gründerin der KidPick-App: „Als Mutter ist man prädestiniert zu gründen“

Anna Figoluschka (1 Sohn, 11 Jahre) hat die KidPick-App vor drei Jahren auf den Markt gebracht, da sie Vollzeit berufstätig war und im Job flexibel sein musste. Dadurch kam es öfter vor, dass Abholung aus Kita und Schule adhoc und kurzfristig organisiert werden mussten. 

Das war oft aufwendig und deshalb kam sie auf die Idee die KidPick-App zu entwickeln. Mit der KidPick-App kann man sich in einem sicheren Rahmen mit anderen Eltern oder Familienangehörigen verbinden und so auf einfachem Wege Verabredungen für Kinder oder auch Betreuungen (Abholen, Hinbringen zu Orten) verabreden. 

Wir haben Anna getroffen und sie über die Entstehung der App ausgefragt. 

Hauptstadtmutti: Hast du alleine angefangen, dir die App auszudenken? 

Anna: Genau. Ich hab erst mal Menschen aus meinem Umfeld gefragt, also Designer und Programmierer, was sie denken. Wir haben quasi Ping-Pong mit der Idee gespielt, bis ich dann einen Kita-Papa gefunden hab, der die Idee total spannend fand und dazu auch noch IT-Manager war, der dann gesagt hat: „Ich steig da mit ein!“. Wir haben dann angefangen die erste Version der App als Web-App zu bauen und haben sie im Kita-Umfeld getestet und dann auch schnell gemerkt, wir haben zu viele Features eingebaut. Wir haben die App dann immer weiter eingeschränkt. Mein Mitgründer ist dann ausgestiegen, da er zum einen weiter Geld verdienen musste, was mit der App in dem Stadium noch nicht möglich war und auch, weil er eine etwas andere Vorstellung der App hatte als ich. Ich hab dann beschlossen, ich mach das alleine weiter. 

Hauptstadtmutti: Wann ist die App dann online gegangen? 

Anna: Im August 2015 ist die iOS-Version gestartet und im Februar darauf dann die Android-Version. Da hatten wir ziemlich schnell den Proof of Concept erreicht, also ein paar Tausend Downloads, sogar international, weil die KidPick-App gleich von Anfang an auch auf Englisch auf dem Markt war.Es gab sogar mehr aus Amerika, Lateinamerika und aus China als aus Deutschland. Der Bedarf war also da, aber wir haben gemerkt, das Produkt muss viel schneller verbessert werden. 

Hauptstadtmutti: Dann habt ihr die App die letzten zwei Jahre modifiziert? 

Anna: Mit Unterbrechung, ja. Zwischendurch sind die Entwickler insolvent gegangen und ich musste sehen, wie ich weiter mache und , woher ich bekomme Geld, um neue Entwickler zu bezahlen. Seit 2017 hab ich eine Angel-Investorin an Board und konntedie neue Version damit finanzieren. 

Hauptstadtmutti: Vorher hast du alles selbst finanziert? 

Anna: Ja. 

Hauptstadtmutti: War das auch dein Plan? 

Anna: Der Plan am Anfang war tatsächlich, Investoren zu finden. Mit meinem Mitgründer haben wir auch einiges versucht. Aber in den verschiedenen Programmen wurde uns immer wieder gesagt: „Ihr seid doch schon älter. Wie wollt ihr das denn machen? 24 Stunden am Tag arbeiten, das geht ja nicht. Ihr habt ja auch Kinder.“ Als ich dann alleine versucht habe, Gelder zu akquirieren, bin ich an die „männlichen“ Grenzen gestoßen. Den potentiellen (männlichen) Geldgebern war das Produkt zu „weiblich“, Kinderbetreuung ist ja ein Frauending. Und dann war ich auch noch Mutter UND Einzelgründerin. Nee, das passte denen gar nicht. 

Hauptstadtmutti: Interessant. Da denkt man immer, dass die Startup-Welt recht offen ist und modern und für alle da. Aber das wirkt dann doch recht konservativ. 

Anna: Ja, leider. Es wäre wirklich schön, wenn es anders wäre. 

Hauptstadtmutti: So, aber jetzt gibt es die neue Version. Wenn ihr mehr Downloads international habt, bist du auch marketingtechnisch in den Märkten? Wenn ja, wie machst du das? 

Anna: Ziel ist es auf jeden Fall, Content in mehreren Sprachen zu produzieren und Muttersprachler zu engagieren, die die Märkte bearbeiten. Die Märkte sind total anders und heterogen. Dort sind auch andere Themen relevant aber das Thema Betreuung und Alltagsorganisation ist eigentlich in den USA und China noch viel dringlicher, weil in den Ländern Elternzeit und die Sozialleistungen gar nicht so adhoc abrufbar sind, wie bei uns. In China ist beispielsweise durch die Ein-Kind-Politik das Thema Sicherheit noch viel stärker und herkömmliche Messenger bieten da nicht unbedingt eine Lösung . 

Hauptstadtmutti: Stichwort Sicherheit. Worin besteht der Vorteil deiner App, was den Datenschutz angeht? 

Anna: KidPick wird auf deutschen Servern gehostet und wir haben damit auch die Kontrolle. Die App lässt nur diejenigen Kontakte rein, die über einen individuellen Einladungscode doppelt bestätigt wurden.

Hauptstadtmutti: Muss man für die KidPick-App bezahlen? 

Anna: Wir haben festgestellt, damit viele die App nutzen, ist es sinnvoll, dass es nicht einen einmaligen hohen Preis gibt, sondern dass die App kostenfrei ist und nur die dringenden Anfragen bezahlt werden. Irgendwann, wenn weitere Features hinzukommen, wird es ein Jahresabo geben. Aber vorerst bleiben wir bei dem kostenlosen Modell. 

Hauptstadtmutti: Wird die App denn hauptsächlich von Familien oder eher von Freundeskreisen oder Kita-Gruppen-Eltern genutzt? 

Anna: Es wird größtenteils von Freundeskreisen genutzt. Ausgehend oft von einer Mutter, die ihr Netzwerk strickt. Es geht dabei meist um Ausflüge bei Kindergeburtstagen und wird dann einfach weitergeführt im täglichen Alltag mit Kita oder Schule. In Familien werden die Absprachen schon häufiger mündlich beim Frühstück getroffen. Der häufigste Fall ist erweiterter Freundeskreis oder Patchwork- Familie. 

Hauptstadtmutti: Wenn du sagst, es gibt zukünftig noch mehr Features. Verrätst du uns, welche das sein werden? 

Anna: Das Thema beim Spontanabholen ist das Problem der Vollmacht. Wir werden also zukünftig die Möglichkeit geben, Vollmachten automatisch zu erstellen. Sobald du eine Abholung angefragt hast und die Vollmacht vorzeigen kannst, kann diese auch von den ErzieherInnen und HortbetreuerInnen verifiziert werden. Das erleichtert schon ziemlich viel. Wir wollen das Thema Dokumentenverwaltung insgesamt ausbauen. Das nächste sind dann Events, also beispielsweise Kindergeburtstage. Es werden dann auch Checklisten integriert sein, Gästelisten oder auch Wunschlisten. Zukünftig kann auch so etwas wie ein Allergiepass in der App sein. 

Hauptstadtmutti: Wäre das denn nicht auch günstig für Klassenfahrten oder Kitafahrten? 

Anna: Genau. Man kann dann als LehrerIn sehen, ob die Eltern die Einladung gesehen haben, wer zu- oder abgesagt hat, ob die Packliste angeschaut wurde usw. 

Hauptstadtmutti: Hast du schon Erfahrung sammeln können, wie solche Themen bei LehrerInnen und ErzieherInnen ankommen? 

Anna: Nein, nicht im ausreichenden Maße. Die Sorge ist ja oft, dass etwas Mehraufwand bedeutet aber ich denke, aufgrund des schärferen Datenschutzgesetzes sind alle daran interessiert, Möglichkeiten zu haben, die Abläufe vereinfachen. Es geht dann einfach nicht mehr, dass eine E-Mail an den ganzen sichtbaren Verteiler rausgeht. Es muss andere digitale Wege geben. Da sind schon einige Unternehmen dran. Aber es ist auch gut, wenn Ideen durch die Eltern hereingetragen werden. 

Hauptstadtmutti: Habt ihr denn mittlerweile schon Konkurrenz bekommen? 

Anna: Eine reine Abhol-App oder Verabredungs-App wie unsere gibt es nicht. Es gibt ein paar Apps, die die ähnliche Zielgruppe ansprechen: Mütter-Community-Apps oder eine App, die sich um gegenseitiges Babysitten kümmert. Es gibt auch allgemeine Termin- Apps aber keine, bei der es klar ist, dass es um Kinder geht und die auch sicher ist. 

Hauptstadtmutti: Du hast dich gerade mit einigen anderen App-Anbietern zusammengetan und die „Digitalen Elternhelfer“ gegründet. Warum und wer ist da dabei? 

Anna: Wir kannten uns aus dem Startup-Umfeld und haben dann festgestellt, dass noch längst nicht der komplette Elternalltag abgedeckt ist, um den so smooth wie möglich zu gestalten. Wir haben, uns zusammen getan, um auch zu gucken, wen gibt es noch, wer hilft Eltern noch und wie können wir uns auch gegenseitig unterstützen. Jedes Eltern-geführte Startup hat die gleichen Probleme, alles unter einen Hut zu bekommen. Und wir haben uns zusammengeschlossen, um uns bei verschiedenen Themen zu unterstützen, also in der Pressearbeit oder aktuell bei der Umsetzung der neuen Datenschutzverordnung. Wir haben auch gemeinsame Events und nutzen unsere Netzwerke, um noch mehr Eltern zu erreichen. 

Die „Digitalen Elternhelfer“ sind: 

KidPick, Siteinander, Kindaling, Momunity, Little Bird, Call a Midwife, ElternLeben, balloonas, Keleya, Die Notfallmamas, Motherbook. 

Hauptstadtmutti: Hast du noch einen Tipp für unsere Leser zum Thema: „Gründen als Mutter“? 

Anna: Ich würde immer empfehlen, parallel zu gründen. Also im Job zu bleiben, um ein Einkommen zu haben und nebenbei zu gründen. Auch empfehlen würde ich, zu mehreren, also mindestens zu zweit, zu gründen. Gerade wenn man Investoren überzeugen möchte, ist das sinnvoll. Als Mutter ist man tatsächlich prädestiniert zu gründen, weil man gelernt hat, Dinge pragmatisch und schnell zu erledigen und auf den Punkt zu kommen. 

Dankeschön! 

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