Andrea von studio {hammel}: „Wenn ich keine Ideen mehr habe, mach ich lieber gar nichts als mich zu wiederholen.“

Wer auf gewebte Wandteppiche, Mobiles und überhaupt schönen Wandschmuck made in Berlin steht, stößt früher oder später auf das großartige studio {hammel}. Wir haben mit Inhaberin Andrea Cseh (38) ein schönes Gespräch über Condor, Kreativität und Pubertät geführt. 

Hauptstadtmutti: Hallo Andrea. Dein studio {hammel} gibt es jetzt wie lange?

Andrea: 2012 hab ich es gegründet, nachdem mich einige meine Freunde dazu gedrängt hatten. „Mach das jetzt!“ und „Verkauf endlich mal deine Sachen!“ Angefangen hab ich dann mit Betonsachen und Blumenampeln, die hatte ich zu dem Zeitpunkt schon eine ganze Weile gefertigt. Ich dachte ja, das kauft keiner …

Hauptstadtmutti: Da hast du dich ja zum Glück geirrt. Und dann hast du ein eigenes Portal gegründet oder über Etsy und Dawanda verkauft?

Andrea: Ich hab mir einen TicTail Shop angelegt, den hab ich immer noch. TicTail war damals aber ganz neu und meinen Shop kannten eigentlich auch nur Freunde oder man ist eben zufällig darauf gelandet. So hab ich natürlich nichts verkauft. Also hab ich zusätzlich Dawanda probiert, um auf meine Produkte aufmerksam zu machen. Obwohl ich oft finde, dass die Leute, die handwerklich was drauf haben, sich dort meist unter Wert verkaufen. Tatsächlich habe ich damit dann aber auch Leute erreicht, die ich nicht kannte. Meine Beton-Sachen und die Blumenampeln liefen dann auch relativ schnell ganz erfolgreich, das hab ich dann aber auslaufen lassen, bis die Produkte ausverkauft waren. Seitdem läuft bei mir alles nur noch über Tictail (online) oder diverse Shops (offline) und ich mache die Leute über Instagram darauf aufmerksam.

Hauptstadtmutti: Instagram ist also dein Marketingtool?

Andrea: Das funktioniert tatsächlich bislang am besten. Das ist mir aber erst bewusst geworden, seitdem ich auf meiner Tictail-App sehen kann, woher die Leute kommen. Es ist krass, wie viele von Instagram kommen. Und viele googeln auch. Melodie Michelberger hat mich auch supported, sie ist ja super vernetzt. Wir haben uns erst über den Shop kennen – und lieben gelernt, sie war eine meiner ersten Kundinnen.

Hauptstadtmutti: Und jetzt, nach fünf Jahren, würdest du sagen, es läuft? Oder willst du dich sogar vergrößern?

Andrea: Ich bin zufrieden damit, so wie es ist. Ich kann davon leben. Oder sagen wir so: Wenn ich allein wäre, könnte ich davon leben. Ich bin total glücklich so wie es ist und will mich eigentlich nicht vergrößern. Vor Weihnachten hatte ich ganz schön viel zu tun und hab jeden Tag gearbeitet – was ziemlich ungewohnt war. ich arbeite normalerweise nicht von Montag bis Freitag durch. Das musste ich dann aber machen, was auch total ok und vorallem interessant für mich war, wie ich dann funktioniere, da ich diese Erfahrung eigentlich noch nie hatte.

Hauptstadtmutti: Und wie viel Zeit investierst du normalerweise?

Andrea: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal mach ich auch eine Woche lang gar nichts, wenn ich einfach nicht kann (wobei eine ganze Woche schon lange nicht mehr vorkam …).

Hauptstadtmutti: Wie sieht dein Tagesablauf so aus?

Andrea: Wir stehen morgens alle gemeinsam auf, unser Sohn frühstückt und geht in die Schule. Dann frühstücken mein Mann Christoph und ich – wenn er nicht zu irgendeinem Job muss. Und dann fangen wir an zu arbeiten. Wir arbeiten ja beide von zu Hause aus.

Hauptstadtmutti: Ihr seid also 24 Stunden am Tag zusammen?

Andrea: Ja, außer wenn ich mal ins Café gehe, bzw. mich mit Freunden treffe oder er auswärts einen Job hat. Wir sind eigentlich immer beieinander. Aber ich mag das und ich glaube Christoph mag das auch – oder? (Christoph bestätigt aus dem Hintergrund.) Nur wenn ich zwischendurch während der Arbeit auf die Idee komme, irgendwas in der Wohnung rumzuräumen, nervt ihn das.

Hauptstadtmutti: Christoph ist Fotograf. Macht er auch die Fotos für studio {hammel}?

Andrea: Ja, das ist sehr praktisch. Wenn ich etwas fertig habe, hänge ich es hin und sage: Christoph, mach mal bitte Fotos – und abends ist es im Shop. Das ist wirklich sehr praktisch und ich hab wirklich schon oft gedacht, das ich da ganz schön Glück habe!

Hauptstadtmutti: Deine Sachen sind alle Unikate. Hast du manchmal auch so Tage, an denen du denkst „Oh, jetzt mach ich das Gleiche einfach noch mal“ oder „Mir fällt nichts mehr ein“?

Andrea: Nee. Aber es gibt schon Dinge, die sich wiederholen. Die Blumenampeln hab ich zum Beispiel standardmäßig im Shop, die gibt es immer. Auf die Standard-Ampeln hab ich aber gar nicht mehr so richtig Lust, ich mach viel lieber Individuelle mit einer farbigen Schlaufe oder noch in bisschen Wolle hier und Farbkleckse da, sodass es dann wieder Unikate sind. Das funktioniert natürlich immer nur so lange, bis jemand sagt: Ich hätte gerne genau das …“. Und wenn ich mal keine Ideen mehr habe, dann mach ich lieber gar nichts, als mich nur zu wiederholen.

Hauptstadtmutti: Was hast du denn davor gemacht?

Andrea: Ich war Flugbegleiterin bei Condor Berlin, zehn Jahre lang. Kurz- und Mittelstrecke. Als mein Sohn Yakup kam, war ich zwei Jahre in Elternzeit und bin danach noch ein Jahr geflogen. Dann konnte ich nicht mehr. Ich hatte so eine Art Verlustangst und habe mich gedanklich total reingesteigert. Ich dachte „Mensch, ich lass den Kleinen jetzt zu Hause, was ist wenn mir was passiert, wenn ich abstürze? Dann hat er keine Mutter mehr oder kann sich gar nicht mehr an mich erinnern, weil er noch zu klein ist. Oder dass ihm etwas passiert und ich nicht da bin.“ Solche Gedanken hatte ich da. Das hat mich dann wirklich so sehr belastet, dass ich gar nicht mehr schlafen konnte, wenn ich unterwegs war. Nach einem Jahr bin ich dann zusammengebrochen und da war klar: das geht jetzt nicht mehr! Das war schon eine harte Entscheidung – es war eine Festanstellung, gut verdientes Geld und ich habe nur 13 Tage im Monat gearbeitet – aber ich war letztendlich dann trotzdem total happy mit der Entscheidung.

Hauptstadtmutti: Und dann der Cut. studio {hammel} ist ja das genaue Gegenteil!

Andrea: Ja. Ich wollte immer was mit Kunst oder etwas Kreatives machen. 2008 hab ich mit einer befreundeten Designerin ein Netzwerk für Modedesigner gegründet, „The Offer“ hieß das. Berliner Jungdesigner wie z.B. Malaikaraiss haben sich bei uns ausgetauscht und wir haben Shows und Showrooms organisiert. Damit hab ich aber kein Geld verdient. Gott sei Dank hatte ich Christoph, der immer gesagt hat: Mach, mach einfach. Keine Ahnung, was ich ohne seine Unterstützung gemacht hätte. 2012 war das dann vorbei. Aber schon während dieser Zeit hab ich immer irgendwelche Sachen gestaltet. Und dann wurde das Drängen der Freunde immer lauter, meine Sachen endlich unter die Leute zu bringen.

Hauptstadtmutti: Dein Sohn ist jetzt dreizehn und in der Pubertät. Geht er eigentlich abends schon weg?

Andrea: Nee, abends noch nicht. Aber morgen ist er auf einem Geburtstag mit Übernachtung, da freut er sich natürlich tierisch drauf. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was ich in diesem Alter schon alles angestellt habe. Also wenn er nach mir kommt … aber ich verdränge das, da bin ich ja ganz gut drin.

Hauptstadtmutti: Noch eine letzte Frage: studio {hammel} – wie bist du auf den Namen gekommen?

Andrea: Dafür gibt es keine Erklärung, keine spektakuläre Geschichte. Irgendwann war klar: Ich werde jetzt diesen Shop machen und das Ganze braucht noch einen Namen. Ich wollte einen Namen, der nicht von Vornherein sagt, um was es ich handelt oder was es da gibt. Ich wollte mich nicht festlegen. Damals hatte ich gerade Bock auf Beton-Sachen, aber ein Jahr später schon wieder nicht mehr. Wäre also blöd gewesen, wenn ich ihn „Concrete irgendwas“ genannt hätte. Auf einmal war der Hammel da – warum auch immer. Und da „hammel.de“ schon vergeben war, habe ich eben das „Studio“ davor gehängt. Das hat sich bei allen eingeprägt, bei mir selbst heißt es aber immer nur „der Hammel“.

Hauptstadtmutti: Lustig. Vielen lieben Dank für das entspannte Interview, Andrea!

Fotos der Wohnung: Christoph Wehrer

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