Hauptstadtmutti

Claudia von Hoi Berlin: „Die Einschulung meiner Tochter werde ich nie mehr vergessen!“

Claudias große Tochter, Maus (sie heißt natürlich nicht wirklich so), wurde im letzten Jahr in Berlin eingeschult. Wie emotional das alles war und warum sie dankbar darüber ist, dass alles miterlebt zu haben, erzählt euch Claudia hier. Doch kurz vorab zu Claudia: Claudia arbeitet als freie Autorin, bloggt auf Hoi Berlin über ihr kunterbuntes Familienleben und ihre neusten Verknalltheiten, war schon unsere #momcrushmonday und wohnt seit kurzem wieder in ihrer Heimatstadt Zürich. Sie liebt roten Lippenstift, Mumins und Matcha Tee und natürlich ihre beiden Mädels und den Mann.

Ich hatte ja keine Ahnung

Letztes Jahr wurde unsere Tochter zusammen mit Tausenden von anderen Kindern in Berlin eingeschult. Ein riesen Event, welches ich total unterschätzt hatte. Ich wusste nicht, dass es so ein so großer Deal ist mit der Einschulung. Aber zwei Berliner Freundinnen machten mir klar, dass es DER TAG ist, an den man sich nebst Hochzeitstag am meisten zurück erinnern würde. Und zwei der wichtigsten Dinge, die diesen Tag unvergesslich machen sollten, war die Schultüte und eben die Einschulungsfeier. Ich hatte weder von einem noch vom anderen eine Ahnung. Meine Erinnerung an den ersten Schultag besteht aus einem Foto, wie ich mit meinem Pumuckl-Schulranzen unter der Haustüre stehe. Der Druck war also enorm und so verstand ich dann auch allmählich, wieso sich eine so große Hektik breit gemacht hatte. Die Schultütenfrage an sich war schon schwierig zu lösen, aber dann kam noch das passende Kleid (geschweige denn die Outfits für den Rest der Familie), die Geschwister-Tüte (Ja, auch das noch!), die Frage, ob man nun die Großeltern einfliegen lassen soll oder eher nicht, ob man nur mit den Freunden was macht (aber die waren die meisten ja selbst im Einschulungswahn) oder ob man das Ganze einfach pragmatisch, kurz und knapp über die Bühne bringt. Ich war also mittendrin, in diesem Rausch der Vorbereitungen und in der Aufregung, die der erste Schultag und eben die Einschulungsfeier mit sich bringen sollte. Waaaaaahhhhh!

Aber von vorn!

Als erstes musste ich mit mir selber klären, ob ich nun eine Schultüte bestelle oder eine selbst mache. Eigentlich war ich mir sicher, ich würde mir eine bei Tinyday bestellen, weil die genau meinem Geschmack entsprach, dann wiederum meldete sich mein Ego von wegen, selbstgemacht ist doch viel persönlicher und besser und überhaupt. Mein Mann und ich bastelten schlussendlich an zwei Abenden selbst eine und waren danach mächtig stolz auf unser Werk. Aber was passiert denn eigentlich an einer Einschulungsfeier, fragte ich meine Freundin A., die bereits etliche Feiern hinter sich hatte. Sie erklärte mir, dass alle 1. Klässler zusammen mit ihren Eltern und Familienmitgliedern nach Klasse gestaffelt mit Schulranzen und Schultüte in die Schule gehen würden. Dort würden sie in der Aula mit musikalischen Untermalungen, Theateraufführungen und Blumen empfangen. Ok, zum Glück sagte sie mir, das Maus ihren Schulranzen mit dabei haben muss, denn darauf wäre ich jetzt auch nicht gekommen. (Vermutlich ist es für Berliner so sonnenklar, dass es nicht extra auf der Einladung vermerkt worden ist).

Der Tag von Mausis Einschulung war gekommen

Bei uns war es letztendlich so, dass wir zu viert, geputzt und gestriegelt, als wären wir an eine Hochzeit eingeladen, mit Geschwister-Schultüte für Mips (was sich als absolute Rettung erwies) am ersten heißen September-Samstag zur Schule spazierten. Ich war hochemotional und wusste genau, dass es nun nur noch einen Mückenpups brauchte, bis ich sofort losheulen würde. Der Schulhof war feierlich geschmückt, überall hingen selbst gebastelte bunte Schultüten, traubenweise Eltern und Familien, mit riesigen Foto- und Videokameras, Uromas in Rollstühlen, Papas, Opas, Onkels in Anzügen und Krawatten, stolze Muttis und Omis in Gewändern und wehenden Sommerkleidern. Die Schultüten und Outfits der frisch gebackenen ABC-Schützen schienen sich gegenseitig zu übertreffen und die von Zahnlücken gespickten Münder strahlten übers ganze Gesicht. Und erst jetzt verstand ich, wovon alle gesprochen hatten. Das war wirklich ein Fest!

Wir begaben uns in die Aula (nachdem wir die Schultüte ins zukünftige Schulzimmer gebracht hatten – wir hatten diese noch mit Papier ausgestopft, weil wir das Gefühl hatten, es sieht nach zu wenig aus). Mausis Klasse 1A und noch eine weitere Klasse 1E wurden zusammen begrüßt. Sie durften alle in den vordersten Reihen sitzen. Wir Eltern hinten. Die Teilnehmerzahl war auf vier Personen pro Familie beschränkt, an das sich keiner hielt. Die Aula war zum bersten voll und mir lief der Schweiss in Bächen den Rücken hinunter.
Die Drittklässler sangen ein Lied für die Neuankömmlinge. Jetzt konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten. Es lief. Dann wurde noch ein Theater aufgeführt, meine Rettung. Tränenstop. Die Taschentücher waren alle. Mips knabberte fröhlich an ihren Nüssen und Weintrauben aus ihrer Schultüte und bekam die geballte Ladung an Emotionen gar nicht mit.

Dann war’s soweit: unsere Maus wurde aufgerufen, durfte durch das Blumentor hindurch gehen und am Glöckchen läuten. Willkommen in der Schule! Wow, meine Tränen flossen wieder.

Die kleine große Maus stand strahlend auf der Bühne, am Rücken ihren überdimensionalen Schildkröten-Panzer aka Schulranzen. Als alle aufgerufen worden sind und die gesamte Klasse oben stand, verschwanden sie wieder alle zusammen und gingen zusammen mit der Lehrerin ins Schulzimmer wo sie ihre Schultüten in Empfang nehmen durften. Zusammen mit einer Sonnenblume. Wir schlossen dann Maus im anderen Schulhof unten in die Arme. Wow. Das war er also. Dieser Moment, der in keinem Deutschen Familienalbum fehlen sollte.

Dann gab’s Fotos, Fotos, Fotos. Etwas Kuchen und Kaffee (die Rettung für meine blank gelegten Nerven) und dann ging’s nach Hause. Outfitwechsel. Die meisten hatten dann im Anschluss irgendwo ein Restaurant reserviert, wo man mit Familie und Verwandtschaft speiste. Wir fuhren zu meiner Freundin in den Kleingarten und feierten dort Mausis Einschulung mit Kuchen und allem was dazu gehört. Natürlich durfte sie hier auch endlich endlich ihre Tüte auspacken. Es war perfekt!
Auch ein Jahr später werde ich emotional, wenn ich daran zurück denke und ich bin total dankbar, durfte ich diese Tradition miterleben und für Maus (und unserer Familie) damit eine ganz besondere Erinnerung schaffen.

Und 1 Jahr später?

Nun leben wir seit kurzem wieder in Zürich und es hieß für Maus nochmals neu mit der Schule zu starten. Wenigstens mit einem Jahr Erfahrung und Hochdeutsch in der Tasche. Abgesehen von einem Vorgespräch mit den zuständigen Lehrpersonen, war sie nach den Sommerferien in einer neuen Klasse, als ob sie schon immer Teil davon gewesen wäre. Der größte Unterschied zu Berlin ist auf den ersten Blick, dass von Stift zu Heft alles von der Schule gestellt wird, die Kinder alle alleine zur Schule und wieder nach Hause gehen und dass es keine Ganztagesschule mehr ist.
Aber trotz Neuanfang, schlaflosen Nächten und Trauer um die alten Freundschaften geht’s besser als erwartet. Und wir sind umso dankbarer um diese einzigartige Erfahrung, die wir aus Berlin mitnehmen durften.
Ich habe mir geschworen, dass auch Mips eine Schultüte bekommen wird. Und wenn’s dann soweit ist, darf dann auch die Familie mit uns feiern! Soviel ist klar. Aber bis dahin dauerts ja noch ein paar Jahre und wer weiß, vielleicht ist bis dahin auch in der Schweiz die Schultüte als Teil des Einschulungsrituals angekommen. Wir sind ja bekanntlich nicht die schnellsten, wir Schweizer.

Liebe Claudia, vielen lieben Dank für eure tolle Einschulungsgeschichte und alles Gute für euch 4 in Zürich!

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