Hauptstadtmutti

Ey meine Freundin letztens so: Mein Mann macht mir keine Komplimente!

Eine meiner liebsten Freundinnen ist shoppingsüchtig. Sagt sie. (Ich aber auch.) Das führt dazu, dass sie mir zu jeder Tages- und Nachtzeit Fotos von wunderschönen Schuhen, Taschen und Mänteln schickt mit der simplen Frage: ‚Soll ich?‘ An anderen Tagen ist das Paket schon da, die Schuhe am Fuß und ich kriege ein Foto mit der verliebten Aussage: ‚Guck mal, wie schöööööön!‘ Die Sachen machen sie glücklich, genauso wie mich 80er-Jahre-Strickpullis in Rosa mit Perlen für 2€ vom Flohmarkt glücklich machen. Außer Kontrolle ist der Shoppingwahn noch nicht, aber wirklich reguliert auch nicht. Ihre Erklärung: ‚ Ich mag es, wenn Menschen mir dann sagen, wie gut ich aussehe, denn mein Mann tut es ja nicht.‘

Autsch. Mausbär, sag ich, meinst du das ernst? Das hört sich traurig an.

‚Ja‘, sagt sie. ‚Dem fällt nichts auf. NICHTS. Und letztens, da war ich im Büro mit den neuen Stiefeln, sagt mir der eine Kollege, dass er die heiß findet.‘.

Ich entgegne an dieser Stelle, dass es jawohl creepy ist, wenn ein Kollege die Schuhe als heiß bezeichnet, ob das denn normal wäre?

‚Eigentlich schon. Wir reden viel über Aussehen, Haare, Frauen, was er mag, und ihm fällt immer auf, wenn ich was Neues trage oder beim Friseur war. Ich sag’s dir: Immer! Ich freu mich ja schon mehr aufs Büro mit diesem Kollegen, als auf zu Hause und meinen neutralen Mann.‘

Stichwort work husband und work wives, Menschen, die Büroehen führen, um den Büroalltag erträglicher zu machen und einen ewig Verbündeten an der Seite zu wissen. (Und zum Lästern, seien wir ehrlich.) Ich frage die Freundin, ob sie denn mit dem tatsächlichen Ehemann auch darüber redet, dass sie sich wünschen würde, dass er … was eigentlich genau? Was wünscht sie sich von ihrem Mann?

‚Ach, das Übliche. Soll ich mal ganz dramatisch sein? Dass er mich sieht. Ich habe echt das Gefühl, ich bin hier die zuständige Managerin, Kinderfrau, etc. und er lebt diesen krassen Job, ist ständig unterwegs und legt sich ins gemachte Bett und setzt sich an den gedeckten Tisch. Nicht, dass ich das ändern wollen würde. Ich will keine Vollzeit und ich verstehe, dass ich meinen Job hier zu Hause mache und er seinen außerhalb. Das ist es nicht. Ich habe einfach das Gefühl, dass er mich nicht anguckt. Ich weiß, dass ich nicht aussehe, wie andere Mütter und ganz bestimmt nicht meinem Alter entsprechend, aber checkt er das überhaupt, dass andere Männer mich heiß finden?‘

Ich muss das hier wirklich einmal bestätigen: Die Freundin ist ein ultra heißes attraktives Gerät feinster Qualität und ich kann nur davon träumen, mit 40 Jahren noch so auszusehen.

‚Nein, checkt er nicht! Der ist ja auch viel zu solide zum Betrügen, das würde er nie machen, er ist einfach ein Torfkopp. Also, alles ist bei uns in trockenen Tüchern, wir haben keine Sorgen oder echte Probleme, also denk ich mir welche aus, ne?‘

Ich frage die Freundin, was sie konkret will. Actions speak louder than words.

‚Alles: Blumen, Date Nights, Komplimente, was zum Valentinstag und zum Muttertag und wenn die Kinder Geburtstag haben, will ich auch ein Geschenk. Ich will. Ich will. Ich will. Kleine Gesten und nette Worte! Ist das zu viel verlangt? Die Kinder sind nicht mehr mini aber auch noch nicht groß, wir sind seit einer Ewigkeit verheiratet, zusammen sowieso, und ich will jetzt mal Aufmerksamkeit. Ich kümmere mich immer um alle und das ist unser Deal, aber dafür will ich Dankbarkeit und Schokolade. Wie aus ’nem Film! Wenn ich es ganz plump sagen soll, will ich mehr Romantik!‘

Selten höre ich meine Freundinnen ‚Ich will‘ sagen und dann mit so einer Vehemenz! Beindruckend! Find ich gut, und wenn es das ist, was sie will, und sie teilt ihm das mit, warum klappt das dann nicht?

‚ER findet es nicht wichtig. Er findet mich albern. Er findet ich würde übertreiben. Und er ist wohl einfach nicht romantisch. Was soll ich jetzt? Mich damit abfinden?‘

Nee, abfinden frustriert doch auch nur noch mehr. Dann frisst man das in sich hinein und es wird nur schlimmer. Und ehe sie sich versieht, ist sie die Frau mit der Affäre oder einem Flirt, der zu weit geht. Es sei denn natürlich, sie sind beide damit d’accord, die Ehe zu öffnen. Dann hätten natürlich alle gewonnen: Sie kriegt die Aufmerksamkeit, die sie gerne hätte und er hat seine Ruhe. Wer braucht schon Monogamie?

‚Nee, für so etwas habe ich keine Zeit. Außerdem hört sich das anstrengend an. Wir schaffen es doch kaum, uns mal abends hinzusetzen und einen Film zu gucken, ohne einzuschlafen. Da soll ich mich irgendwo mit einem fremden Mann treffen? Und denk dran, ich wohne nicht in Berlin. Wenn ich hier im Supermarkt mal nicht grüße, weiß das morgen der halbe Kindergarten.‘

Dann hilft es nichts. Der Mann muss Romantiker werden. Oder meine Freundin hört auf, kitschige Filme zu gucken bzw. sich davon beeinflussen zu lassen. Doch sie lässt sich ja nicht von ihrem Standpunkt abbringen, dass alles in Ordnung wäre und sie einfach nur ein paar Blümchen und nette Worte haben möchte.

Es gibt da so ein Buch, das heißt Die fünf Sprachen der Liebe von Gary Chapman und sieht auf den ersten Blick ziemlich kitschig aus. Wenn ihr das googelt, werdet ihr auch einige Online Tests entdecken, da kann man dann herausfinden, welche Sprache der Liebe man selbst spricht. Nun denn, die Idee, dass wir Dinge anders wahrnehmen als unsere Partner und auch anders priorisieren, ist ja nun auch nichts Neues. Aber wenn eine Frau schon an dem Punkt ist, wo sie sagt, prinzipiell ist alles ok, ich habe einfach das Bedürfnis nach mehr Aufmerksamkeit und Komplimenten, warum macht der Mann das dann nicht?

Habt ihr Er steht einfach nicht auf Dich! gesehen? Der Jennifer Aniston Charakter in dem Film würde gerne geheiratet werden, ist seit Ewigkeiten glücklich mit ihrem Freund zusammen und er sagt, es macht keinen Unterschied, und deshalb will er nicht. In irgendeiner Szene wird ihm von irgendwem gesagt, dass er es einfach machen soll, weil es ihr wichtig ist – vor allen Dingen wenn es ihm egal ist. Er ist nicht gegen die Ehe, es ist ihm einfach egal. Ich muss da immer wieder drüber nachdenken. Der Kerl hat es dann am Ende gemacht, glaub ich.

Und das habe ich meiner Freundin dann am Ende auch gesagt. Wenn sie sich nur dann gesehen fühlt, wenn sie einmal im Monat Blumen kriegt, dann soll er sich eine Erinnerung in den Kalender packen und gut ist. Kann doch nicht so schwer sein. Ich kauf mir meine Blumen ja lieber selber, so wie Mrs. Dalloway.

Komplimente sind schwieriger. Die kann man ja nicht erzwingen. Und wir sind ja auch nicht alle mit kommunikativen Partnern gesegnet, wa. Meine Idee war einfach mal einen Monat lang richtig Scheiße auszusehen und sich keine Mühe mehr zu geben, vielleicht fällt ihm ja dann ein Unterschied auf? Einfach mal drei Tage nicht duschen? Fand die Freundin nicht so lustig. Aber sie redet mal mit ihrem Mann. Wird schon.

 

Photo by Matheus Ferrero on Unsplash

 

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