Maru von Project Oona: „Ich möchte etwas aufbauen, das mich überlebt.“

Maru (37) ist die Frau hinter dem Berliner Luxus-Taschenlabel Project Oona. Hauptstadtmutti Isa, selbst Besitzerin einiger heißgeliebter Exemplare, hat sie und ihre süße Tochter Lili (4 Monate) zum Interview getroffen. 

Maru Project Oona

Hauptstadtmutti: Hi Maru! Erzähl mal, wie lange gibt es Project Oona denn schon?

Maru: Wir sind 2012 live gegangen, also ist Project Oona jetzt viereinhalb Jahre alt.

Hauptstadtmutti: Was hast du davor gemacht?

Maru: Ich habe an der EBS Business School in Oestrich-Winkel bei Frankfurt BWL studiert und direkt danach im Vertrieb des damals weltweit zweitgrößten Spirituosenherstellerin Vertrieb angefangen zu arbeiten. Vertrieb, weil ich schon immer wusste, dass ich gründen werde. Meine Brüder haben mir immer gesagt: „Maru, wenn du deine eigene Firma gründen willst, musst du in einem großen Vertrieb lernen. Verkaufen ist King!“ Meine erste Geschäftsidee hatte ich dann nach zwei Jahren. Ein Freund von mir kam aus Asien und meinte, dass es dort so unglaublich viele gute Teesorten gibt, die man hier einfach nicht kennt. Also habe ich die erste Luxus-Teemarke, Season’s Tee, in Deutschland auf den Markt gebracht. Das lief auch sehr erfolgriech, wir waren in über 70 Retail-Stores in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz und sind sehr stark gewachsen. Dann ist allerdings unser größter Kunde insolvent gegangen – das war ganz schön hart.

Hauptstadtmutti: Und wie bist du auf die Idee gekommen, Taschen zu entfernen und zu vertreiben?

Maru: Das war Zufall. Auf der Fashion Week habe ich bei einem Abendessen einen Taschenunternehmer kennengelernt – und da kam mir die Idee für Project Oona. Die Grundidee war damals, jede Tasche zu personalisieren. Jede Kundin sollte ihre Lieblingstasche selbst entwerfen können, und wir produzieren sie dann. Lederfarbe, Futter, Grifflänge, alles haben wir individuell offeriert. Das Konzept kam sehr gut an, aber die Nachfrage war so groß war, dass sich die Lieferzeiten immer mehr nach hinten verschoben haben. Eine Tasche ist ein sehr komplexes Produkt – das musste ich auch erst lernen. Also haben wir das Geschäftsmodell geändert und gesagt: Wir bleiben bei dem Markennamen Project Oona – das heißt die Einzigartige – und bieten unterschiedliche Modelle in vielen Farben an. Pro Taschen-Style haben wir jetzt 50, 60 Farben oder Farbkombinationen, die sofort erhältlich sind.

Hauptstadtmutti: Arbeitest du mit Designern zusammen?

Maru: Ja, ich arbeite mit Design-Teams zusammen. Jedes Jahr kommt eine neue Kollektion raus. Wir gucken einerseits danach, was und gefällt, und andererseits natürlich auch, was der Markt verlangt. So erzielen wir gute Ergebnisse.

Hauptstadtmutti: Gibt es eine Lieblingstasche in eurem Sortiment?

Maru: Ja, wir haben zwei absolute Topseller. Bei den großen Taschen ist das von Anfang an die Satchel Bag Olga, und jetzt aus der neuen Kollektion die Chain Bag Aurelie.

Hauptstadtmutti: Und welche Farben kommen besonders gut an?

Maru: Dauerbrenner ist Schwarz, was ich persönlich immer etwas schade finde. Und dann noch Taubenblau, das lieben gerade auch Mamas – unabhängig davon, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen haben.

Hauptstadtmutti: Jetzt hast du ja eine Tochter. Hat sich für dich arbeitstechnisch dadurch etwas verändert?

Maru: Nee. Als Lili kam, hab ich geguckt, wie der Apparat funktioniert, wenn ich mal nicht da bin, sodass ich sorgenfrei in die letzte Phase der Schwangerschaft gehen konnte. Ich habe also viele externe Dienstleister für die Themen eingespannt, die abverlangen, dass ich immer vor Ort sein muss. Also vor allem in der Logistik und der Administration.

Hauptstadtmutti: Und was machst du jetzt konkret?

Maru: Ich mache jetzt Produktion und kümmere mich darum, dass die Supply Chain funktioniert. Das ist nach wie vor eine große Herausfoderung, wir sind immer im Gespräch mit weiteren Produktionen. Wir möchten nachhaltig und in Deutschland produzieren. Das ist mir eine Herzensangelegenheit, und da bin ich immer sehr hinterher. Ein anderes großes Thema ist, die Marke auszubauen. Wir möchten eine der führenden Taschenmarken sein, die für Luxus made in Germany stehen.

Hauptstadtmutti: Wo produziert ihr jetzt aktuell?

Maru: Teils in Bayern, teils in Berlin. Mittlerweile kommt das Leder fast komplett aus Berlin, einiges auch aus Offenbach.

Hauptstadtmutti: Und wer ist eure größte Konkurrenz?

Maru: Das ist schwierig zu sagen. Letztendlich ist jede Taschenmarke eine Konkurrenz. Aber der Taschenmarkt ist so groß ist, da ist genug Raum für jedes neue Label. Louis Vuitton zum Beispiel hält nur sieben Prozent des weltweiten Taschenmarktes hinter dem größten Taschen-Unternehmen Coach. Daneben gibt es unzählige unique Labels wie wir es sind. Wir habe eine sehr spezielle Zielgruppe: Frauen, die Wert auf individuellen Style legen und sich auch mal trauen, eine pinke Tasche zu tragen. Frauen, die ein Statement setzen wollen.

Ich will mich auch gar nicht mit den Großen vergleichen, Louis Vuitton zum Beispiel ist schon so lange auf dem Markt, da kommst du gar nicht gegen an. Kunden, die Vuitton oder Prada wollen, kaufen auch eine Vuitton oder Prada. Wir sind „die Tasche daneben“. Die Kundin kauft sich eine Business Bag und dann noch drei etwas günstiger Taschen von Project Oona, die auch Premium Qualität und mit Made in Germany auch den Nachhaltigkeitsbonus hat. So kann sie mehr ausprobieren. Es gibt zum Beispiel Kundinnen, die haben die Olga in fünf verschiedenen Farben zu Hause.

Hauptstadtmutti:  Wie alt sind die Käuferinnen denn?

Maru: Die meisten sind so alt wie ich, also Mitte Dreißig. Es gibt aber auch ganz viel ältere Kundinnen, die 60, 70 Jahre sind , was ich sehr schön finde. Sie rufen dann an, weil sie sich nicht trauen, online zu bestellen, und bekommen dann eine telefonische Beratung von uns. Meistens sind sie auf uns aufmerksam geworden, weil sie gerne eine kiwigrüne Tasche hätte, die wir eben anbieten.

Hauptstadtmutti: Euer Ziel ist ist also, nach und nach zu wachsen?

Maru: Ja. Ich möchte etwas aufbauen, das mich überlebt. Ich fände es schön – auch gerade jetzt, wo ich ein Tochter habe –, etwas weitergeben zu können. Für mich ist es eine schöne und große Herausforderung, Project Oona so aufzubauen, dass ich damit nachhaltig Gewinn erziele. Wir wollen wachsen, wir wollen Umsatz machen, aber langfristig möchten wir auch profitabel sein. Und da sind wir auch dem richtigen Weg. Ich glaube auch nicht, dass du immer gleich ein riesiges Team von über 100 Leuten brauchst, um ein profitables Business aufzuziehen.

Hauptstadtmutti: Arbeitest du nur mit Frauen oder auch mit Männern?

Maru: Auch mit Männern, besonders auf Entwicklerseite und in der Logistik. Ich arbeite super gerne mit Müttern, hauptsächlich in der Grafik. Sie sind zuverlässig und effizient. Sie arbeiten meistens halbtags, wenn die Kinder in der Kita sind. Ich weiß dann auch genau, dass sie nicht länger arbeiten können und zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach weg müssen. Darauf kann ich mich einstellen. Manche arbeiten dann auch abends weiter, wenn die Kinder schlafen. Mir ist das total egal, wann ich die Sachen geschickt bekomme – Hauptsache rechtzeitig. Ich merke das auch mit Lili. Sie hat ihre Schlafenszeiten, in der ich meine Sachen einfach wegschaffen muss. Ich kann nur jedem raten, Mütter einzustellen.

Hauptstadtmutti: Elternzeit nimmst du also gar nicht in Anspruch. Vermisst du das?

Maru: Wenn du eine eigene Firma hast, kannst du das gar nicht. Ich habe schon aus dem Krankenhaus aus am nächsten Tag wieder gearbeitet. Ich habe mich mit dem Thema aber auch gar nicht so beschäftigt, weil es für mich nie eines war. Ich weiß, das wird gerade heiß diskutiert, aber mir war immer klar, dass ich sofort nach der Geburt wieder zurück in die Firma gehe.

Hauptstadtmutti: Jetzt nimmst du Lili ja noch überall mit hin. Wie regelst du das später mit der Betreuung?

Maru: Sie kommt mit sechs Monaten in eine private Kita, das sind jetzt noch zwei Monate. Aktuell klappt es prima, ich nehme sie mit ins Büro und auf allen Geschäftstermine. Kürzlich war ich sogar mit ihr bei einem großen Parteitag. Da war man etwas erstaunt, dass ich mit Kinderwagen ankam und musste erstmal den Eingang für mich ändern. Ich fände es schön, wenn andere Mütter das auch machen würden. Ein Kind darf keine Entschuldigung sein, nirgendwo mehr hinzugehen. Ich finde, man sollte da ein Statement setzen um zu zeigen, dass es eben doch geht. Ich poste machmal auf Instagram, wenn ich mit Lily unterwegs bin und bekomme so viel Feedback von Freundinnen wie „Hey, das ist so cool, dass du sie überall mit hin nimmst! oder „Jetzt, wo ich das bei dir sehe, traue ich mich auch ein Kind zu planen“. Ich glaube, das ist alles eine Einstellungssache.

Hauptstadtmutti: In Deutschland wird man da gerne mal schräg angeschaut. Mit Baby arbeiten ist ja noch sehr selten.

Maru: Ja, ich sehe da aber auch in den großen Firmen eigentlich kein Problem. Am Anfang trinken und schlafen die Babys ja hauptsächlich. Und sie ist ein guter Stimmungsmacher!

Hauptstadtmutti: Meinst du, es wird dir schwerfallen, sie in die Kita zu geben?

Maru: Sie ist so süß, ich will sie zurzeit eigentlich gar nicht weggeben. Ich mache mir eher Sorgen, dass sie mich am Anfang vermissen wird. Wir trainieren aber schon ein biscchen, dass es normal ist, bei anderen zu sein.

Hauptstadtmutti: Und wie involviert ist der Papa?

Maru: Die Kita ist bei mir um die Ecke des Büros, das ist sehr praktisch, da kann ich sie hinbringen. Wir haben es so aufgeteilt, dass sie tagsüber bei mir ist, und wenn ich dann abends oder am Wochenende Veranstaltungen habe, kümmert er sich um Lili. Ich mache also Party und er ist zu Hause beim Kind (lacht). Das klappt prima. Wir machen aber auch viele Sachen zusammen.

Hauptstadtmutti: Gibt es noch etwas, was zu loswerden möchtest?

Maru: Ja, ich habe eine Message an alle Unternehmerinnen, die sich nicht trauen, ein Kind zu bekommen: Es ist total gut zu schaffen! Gerade ihr, die ihr viel jonglieren und alles unter einen Hut bringen könnt! Hier das Laptop, da die Babyflasche  – das geht! Man muss sich einfach gut organisieren.

Hauptstadtmutti: Vielen Dank für deine Zeit, Maru!

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Wer schnell ist, für den gibt es einige ausgewählte Abendtaschen von Projekt Oona aktuell im Flash-Sale.

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