10 Dinge, die du über den Kaiserschnitt wissen solltest – und keiner dir zu sagen wagt

Kaiserschnitt-Hauptstadtmutti

„Was haltet ihr von einem geplanten Kaiserschnitt?“ las ich heute auf Facebook. Ich habe echt keine Lust mehr auf solche pseudo-provokanten Facebook-Fragen, aber diese fand ich besonders dreist. Denn ich hatte zwei Kaiserschnitte – allerdings ungeplante.

Die Frage „Was haltet ihr von einem geplanten Kaiserschnitt?“ lässt tatsächlich darüber nachdenken, ob es eine Möglichkeit ist, das Baby mit weniger Stress und Schmerzen zu gebären. Das denken zumindest alle, die 1. keinen Kaiserschnitt hatten, 2. überhaupt keine Kinder haben und 3. die vielen Promi-Geschichten in den Medien verfolgen, in denen der Wunschkaiserschnitt oft als eine harmlose Geburtsvariante beschrieben wird (wobei dieser gerne mal vier Wochen vor Termin durchgeführt wird, damit man nicht zu viel zunimmt und das überschüssige Fett gleich mit weggeschnippelt wird).

Dieser Wunschkaiserschnitt klingt also verlockend. Aber ist er das wirklich? Ist ein Kaiserschnitt die Easy-Peasy-Variante, um ein Baby zu bekommen? Ich kann aus Erfahrung sagen: Nein, ist es nicht. Und habe 10 Dinge, die man über den Kaiserschnitt wissen sollte, aber (leider) nur selten im Geburtsvorbereitungskurs lernt, zusammengestellt:

1. So läuft ein Kaiserschnitt ab: Wenn man eine PDA hat, ist man bei vollem Bewusstsein, ansonsten wird man betäubt und bekommt die Geburt nicht mit. Im OP wird man angeschnallt, ist gefühlt komplett nackt (man behält nur obenrum das OP-Hemd an). In der Höhe des Bauchnabels ist ein Tuch von der Decke gespannt, damit man den Eingriff selbst nicht sehen kann. Dann geht es los: Haut, Fettgewebe, Bindegewebe, Muskulatur, Bauchfell und natürlich die Gebärmutter werden durchtrennt, um an das Baby zu kommen. Dafür wird ein Schnitt gemacht und der Rest wird gerissen. Das dauert nur ungefähr zwei Minuten. Das Baby wird dann herausgezogen und man bekommt es auch sofort in die Arme. Danach aber wird gefühlt unendlich lange (es sind aber nur 15-30 Minuten) alles wieder zusammengenäht. Während der Zeit ist das Baby beim Papa.

2. Ein Kaiserschnitt ist eine Bauch-OP und jede OP ist zwangsläufig mit Komplikationen verbunden. Beim Kaiserschnitt kann beispielsweise die Blase oder der Darm beschädigt werden, entweder beim Aufschneiden oder beim Zusammennähen. Es kann zu Blutungen oder zu Infektionen der Wunde kommen. Man sollte sich dessen bewusst sein. Ach ja, und der Katheder. Darüber war ich am meisten erschrocken. Man kann ja erst nicht aufstehen. Er muss aber recht schnell wieder entfernt werden, eben auch wegen der Infektionen.

3. Trotz allem muss man nach der schweren OP relativ schnell aufstehen, möchte das auch gerne – und das ist der Horror. Die Schmerzen sind viel, viel schlimmer als jede Wehe (ich spreche da aus Erfahrung, nach 23 Stunden Wehen). Und sie hören auch nicht sofort wieder auf. Das dauert. Das einzig Positive daran: Je mehr man sich bewegt, um so schneller heilt alles.

4. Schnell wieder fit und schlank werden? Das geht nur sehr, sehr langsam. In den ersten zwölf Wochen (!) sollte man eigentlich keinen Sport machen und vor allem nichts Schweres heben. Mit der Rückbildungsgymnastik kann also erst danach angefangen werden. Ich fand das total nervig und bin zumindest jeden Tag viel mit dem Kinderwagen spazieren gegangen, so gut es eben ging.

5. Nach einem Kaiserschnitt sollte mindestens 12 Monate ordentlich verhütet werden. Da die Narbe verheilen muss, sollte man in den ersten 12 Monaten nach dem Kaiserschnitt nicht wieder schwanger werden. Durch die Dehnung und den entstehenden Druck einer neuen Schwangerschaft besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Narbe reißt.

6. Die Narbe bleibt für immer. Sie ist zwar nicht lang, so ungefähr 8 bis 10 cm, aber man sieht und fühlt sie. Ich hatte zwei ungewollte Kaiserschnitte. Nach dem ersten war meine Narbe schief. Beim zweiten Kaiserschnitt hab ich dem operierenden Arzt (es war der gleiche wie beim ersten Mal) vorher eindringlich erklärt, dass er das bitte in Ordnung bringen soll. Hat er auch getan. Aber sie ist da und auch für andere sichtbar – und kann auch zum Makel werden. Denn zum Kaiserschnitt gibt es unterschiedliche  – und leider auch abwertende – Meinungen, die sich in nur einem Blick äußern können. Dieser Blick von anderen Müttern, dem man auch ausgesetzt ist, wenn man nicht lange genug oder zu lange stillt, wenn man schon wieder oder noch nicht arbeitet oder wenn man, wenn man, wenn man. Ihr kennt das bestimmt. Da hilft nur Zurückgucken und lächeln.

8. Die Bauchmuskeln wachsen nicht so schnell wieder zusammen. Das ist das Schlimmste. Die wurden eben einfach mal durchtrennt. Nach meinem ersten Kind war ich nach drei Monaten dann gut im Training – Rückbildung, Cantienica, Yoga, Boot Camp – und schwups, nach 18 Monaten war ich wieder schwanger. Wieder Kaiserschnitt, wieder ungewollt. Wieder alles von vorne. Jetzt, nach drei Jahren, hab ich immer noch das Gefühl, dass mein Bauch taub ist und die Bauchmuskeln irgendwie nicht so wirklich aktiv sind.

9. Und dann die Frage: Habe ich versagt? Die wird natürlich durch solche Diskussionen in den Medien und, noch schlimmer, durch die hinzukommenden Kommentare und die oft mitleidigen Blicke der Anderen aufgeworfen. Warum habe ich es nicht geschafft? Hätte ich es mit einer anderen Hebamme, in einem anderen Krankenhaus, bei einer Hausgeburt, ohne PDA vielleicht schaffen können?

10. Aber da ist auch: Das Gefühl der Freude. Meine Babys haben überlebt und ich auch. Es ist ein Wunder! Ohne Kaiserschnitt wäre es vielleicht nicht so gekommen, wer weiß. Dieses Glücksgefühl überstrahlt auf jeden Fall alles andere. Und deshalb hab ich mich auch besonders über das Foto gefreut, das zurzeit durchs Netz wirbelt und Meinungen bildet. Danke für das Bild des Wunders! Ich bekam Gänsehaut, als ich es sah. Und es war auch der Anlass, mir all dies endlich mal von der Seele zu schreiben.

Foto: Helen Carmina Photography

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