Hauptstadtmutti

Bücher, die ihr euch schenken lassen solltet! #frauenlesen

Bücher, Bücher, Bücher. Von Frauen! Ist das nicht schön? Ich hab mich mal durchs Herbstprogramm gelesen und stelle euch nun meine Favoriten vor. Falls euch also noch jemand nach Weihnachtswünschen fragt …

Joan Didion „Dinge zurechtrücken. Gespräche aus vierzig Jahren.“

Ich habe fast durchgehend geweint während der Netflix Doku über Joan Didion. Ihr versteht nicht, ich LIEBE diese Frau. Sie ist die Coolness, das literarische Gottestum und ich möchte, dass alle Menschen auf der Welt sie mal lesen dürften. Wäre das nicht was Schönes? Joan Didion hat Romane und Sachbücher geschrieben, aber der Kampa Verlag hat hier etwas fast noch besseres: Gespräche aus vierzig Jahren mit ihr. Es tut so gut, sie zu lesen, über ihre Gedanken nachzudenken und nach zwei Seiten das Buch zur Seite zu legen, um ihre Ruhe zu spüren. Sie denkt nach und wir denken mit.

Aber natürlich geht es in diesen Gesprächen auch um Literatur, um das Schreiben von Romanen, das dem nicht-fiktionaler Texte so gar nicht gleicht, um das Schreiben als Akt der Notwehr, um Politik und Engagement, Sonnenuntergänge an der kalifornischen Küste, lange Spaziergänge durch New York und vieles mehr. Ein reiches Leben ist hier zu besichtigen und das Werk einer Frau, deren Stil wegweisend war. »Didion still glitters«, schrieb die New York Times.

 

Kathleen Collins „Nur ein Mal“

Ich liebe Dachbodengeschichten. Hat was von Schatzsuche. Dieses Buch ist so ein Schatz.

Nachdem Kathleen Collins mit nur 46 Jahren 1988 an Krebs gestorben war, stopfte ihre 19-jährige Tochter Nina die Papiere ihrer Mutter in einen großen Koffer, der lange Zeit mit ihr um die ganze Welt reiste. Es sollte 18 Jahre dauern, bis Nina endlich hineinsah. Sie fand sechs oder sieben Theaterstücke, ein halbes Dutzend Drehbücher, Briefe, ein Tagebuch und Short Storys.

Da es ja schon Diskussionen gab: Ja, es stört mich auch, dass da ‚Storys‘ steht. Da sollte Stories stehen. Argh. Aber eingedeutscht ist das wohl richtig. Genauso wie Babys. Unfassbar. Doch das nur am Rande.

Worum geht es?

In der hitzigen Atmosphäre der Bürgerrechtsbewegung ziehen Studenten und Aktivisten durch New York. Schwarze und Weiße, die glauben, dass eine bessere Zukunft möglich ist, wenn man nur bereit ist, sich dafür einzusetzen. Junge schwarze Frauen reisen in den Süden, um gegen die Segregation zu kämpfen, für Gleichheit und Emanzipation. Sie lassen ihre Haare wachsen und entdecken neue Freiheiten, ihren Vätern gegenüber und ihren Liebhabern. So vieles scheint möglich in diesem Sommer. Alle träumen sie von einer Welt, in der das Leben nicht entweder schwarz oder weiß ist. Und die Liebe? Kennt sie wirklich keine Farben? Kann sie der Wirklichkeit standhalten?

Ich habe es gerade erst begonnen, aber es ist fantastisch. Wir reden viel über Diversität, aber wann habt ihr das letzte Mal ein Buch einer Woman of Color gelesen? Tut es. Bringt die Diversität in euer Bücherregal.

 

Maryam Madjidi „Du springst, ich falle“

Es ist schnell und ich finde das großartig. Rasante, abgehackte Sprünge und mein Lieblingsthema: Migration, Identität und Heimat.

Worum geht es?

In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde.

 

Margaret Atwood „Der Report der Magd“

In den USA mussten wir eigentlich alle dieses Buch lesen. Klassiker. Und dann kam die Serie und jetzt stellen sich Frauen in den Kostümen vors Weiße Haus. Im wahrsten Sinne des Wortes: So schnell kann es gehen.

Das Problem: Die Geschichte hat ein Rassismus Problem. Bzw. ist es mal wieder eine der dystopischen Welten, die kreiert wurde, um weißen Menschen das gleiche Schicksal zu geben, welches People of Color schon in echt passiert ist. Aber lest ihr hier mehr. Hier auch noch ein Porträt über Samira Wiley, die ihr noch von Orange is the New Black kennen könntet.

Worum geht es:

In der Republik Gilead lässt man Desfred keine Wahl: sie muss gebären. Sonst wird sie, wie alle Abweichler, entweder an der »Mauer» gehenkt oder in einen langsamen Strahlentod geschickt. Aber kein noch so totalitärer Staat kann das Begehren auslöschen – weder das von Desfred noch das der beiden Männer, die ihre Zukunft in der Hand haben… Brillant erdacht und geschrieben: Margaret Atwoods messerscharfer Blick und ihr beißender Witz machen diese beängstigende Beschwörung eines Amerikas des 21. Jahrhunderts zu einem beunruhigenden und vielschichtigen Meisterwerk, das längst zum Kultbuch avanciert ist..

Żanna Słoniowska „Das Licht der Frauen“

Leider habe ich in dieses Buch noch gar nicht reinlesen können, aber die Zusammenfassung hat mich überzeugt und ich freu mich sehr drauf!

Worum geht es?

Im Herzen von Lemberg – ein Haus mit einer ganz besonderen Glasmalerei. Hier leben vier Frauen, die einander ebenso lieben, wie sie sich hassen. Sie eint ihr Freiheitsdrang, ihre Aufsässigkeit – und ihre unglücklichen Lieben. Bis zu dem Tag, der alles verändert: Marianna wird auf offener Straße erschossen. Vom Fenster aus beobachtet ihre Tochter, wie sich der Trauerzug zu einer Demonstration auswächst. Marianna war nicht nur eine gefeierte Sängerin an der Lemberger Oper, sondern auch Aktivistin im Kampf für eine unabhängige Ukraine. Unter demselben Fenster steht Jahre später ein Mann, der Mariannas Tochter ihre Heimatstadt näherbringt – und die viel zu früh verstorbene Mutter.

Vor dem Hintergrund der bewegten Geschichte der Stadt Lemberg, die jahrhundertelang unter dem Einfluss unterschiedlicher politischer Mächte stand, erzählt Żanna Słoniowska von vier starken Frauen aus vier Generationen, von Müttern und Töchtern, von privaten und gesellschaftlichen Revolten, dem unbedingten Glauben an Freiheit, Emanzipation und an die Liebe.

Verena Mermer „Autobus Ultima Speranza“

Ich mag dieses Buch wirklich sehr. Denn bevor ihr alle mit euren Netflix Serien in den schicken Flixbus eingestiegen seid, gab es die richtigen Fernbusse. Die aus Osteuropa. Steigt ein, und enjoy the ride.

Worum geht es?

Ein knallpinker Fernbus mit der Aufschrift SPERANZA macht sich an einem Dezemberabend auf den Weg von Wien nach Rumänien. Die Nachtfahrt bringt Menschen zusammen, die ihr Leben in den Grauzonen des europäischen Arbeitsmarkts verbringen. Ihr Lohn sichert die Existenz ihrer Familien, ihre Abwesenheit schafft neue Probleme. Florin verdingt sich als Erntehelfer, um seiner Mutter in Bukarest den Ruhestand zu ermöglichen. Daiana putzt trotz ihres Studienabschlusses in Wien Privathaushalte. Ioan, einer der Fahrer, erinnert sich an seinen ersten Grenzübertritt. „Autobus Ultima Speranza“ findet eine Sprache für ein Leben, das ständig auf dem Sprung ist, für die Hoffnungen und Enttäuschungen, die Rastlosigkeit und strukturelle Gewalt, die es begleiten.

Emmy Werner „…als ob sie Emma hießen“

Ich kann keine Bücher mehr über und von Frauen lesen, die mein Leben leben. Irgendwo in Berlin, schwanger oder ein Kind, irgendwie um die 30, im Job, in einer Partnerschaft. Jajaja, kenn ich alles. Deshalb diese Nachbetrachtung hier von Emmy Werner. Lasst uns mehr ältere Frauen lesen.

Worum geht es?

Frau sein, Theater leiten, älter werden – die frühere Prinzipalin spürt all dem sehr persönlich nach. Liebt E. das Theater? Fragt man einen Fisch danach, ob er das Wasser liebt? Nach ersten Jahren als Schauspielerin zog es sie bald von der Bühne hinter die Kulissen. Erst hier konnte sie ihr individuelles Potenzial entfalten – bis hin zur Rolle der Theaterleiterin. Doch wie gestaltet sich das Leben einer Frau, die nicht an der Seite eines Partners unsichtbar sein will? Mit welchen Vorurteilen ist sie konfrontiert? Emmy Werner hat ein Buch geschrieben, das Mut zeigt und zum Lachen anregt.

Lina Wolff „Die polyglotten Liebhaber“

Aaaaaaaalso. Ich bin jetzt bei der Hälfte. Und das Buch ist in drei Abschnitte geteilt. Ich bin jetzt beim zweiten angekommen und bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Es ist weird und immer wieder passiert etwas, das ich zuerst unrealistisch finde, aber dann passt es doch wieder in diese bekloppte kleine verschneite Schweden-Welt. Mehr will ich nicht verraten.

Worum geht es?

Lina Wolff schreibt eindrücklich und glasklar über den männlichen Blick auf Frauen, über Verführung und Erniedrigung. Über Männer, die Frauen ausnutzen, und Frauen, die sich zu rächen wissen. Und über Menschen, die trotz allem von gegenseitigem Verständnis träumen.

Photo by Emily Rudolph on Unsplash.

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