Old school Eheberatung: Weinen, lachen – oder befolgen

Text Eheberatung

„Die gute Ehe“ vs „Das neue Ehebuch“: Elina hat sich zwei ‚uralte‘ Bücher aus Ost und West zum Thema Eheberatung vorgeknüpft. Ob die noch aktuell sind?

Habt ihr Babyratgeber gelesen? Die Coolen unter euch natürlich nicht, warum auch, ihr habt schließlich zu Hause gebärt und nur eine Küchenrolle und einen Kiddie-Pool gebraucht, und es war alles easy, euer Kind schläft auch seit dem Ende des Wochenbetts durch. Für uns normalsterbliche Mütter, die von Himmelsglück und Verzweiflung getrieben sind, war der „gelegentliche“ Blick in so ein Buch bei der ersten Schwangerschaft und während des ersten Lebensjahres des ersten Kindes sicherlich hilfreich. Auch wenn einfach nur drinstand, „Alles gut“, „Ist nur eine Phase“, „Geht vorbei“.

Unter Umständen wart ihr verheiratet, als ihr euer Kind bekommen habt. Vielleicht seid ihr es nicht mehr. Vielleicht plant ihr gerade eure Hochzeit. Habt ihr schon einmal daran gedacht, einen Eheratgeber zu lesen? Natürlich nicht? Nun, wahrscheinlich seid ihr schon länger zusammen. Erfahrungsgemäß warten die Deutschen schon ihre 3-5 Jahre, bis sie heiraten, kommt das hin? Norbert F. Schneider und Heiko Rüger würden dies laut ihrer Studie zu „Beziehungserfahrungen und Partnerschaftsverläufe vor der Heirat“ bestätigen. (Auch interessant: 15% der Bräute sind bei der Hochzeit schwanger!)

Amerikaner und Russen sind da meiner Erfahrung nach schneller, vor allen Dingen mit der Verlobung. Manche Männer gehen so schnell auf  die Knie runter, da hat man sich kaum den Geburtstag der potentiellen Schwiegereltern gemerkt. Kann aber auch mit gesellschaftlich-moralisch-religiösen Zwängen zu tun haben, da möchte ich jetzt aber nichts gesagt haben.

Nun gut, ich rede also nicht von Beziehungsratgebern, sondern Ehe-Ratgebern. So wie es sie zum Beispiel in den 1950-ern in Deutschland gab. Glaubt ihr nicht? Habt ihr noch nie etwas von gehört? Ist die Wahrheit. „Die gute Ehe“ von Dr. Gertrud Oheim war das Standardwerk in der BRD, das auch gerne direkt nach Vermählung auf dem Standesamt mitgegeben wurde. Was insofern wenig Sinn macht, als dass das erste Drittel Partnersuche, Wahl und Findung miteinbezieht. Die Illustrationen stammen übrigens von Eva Kausche-Kongsback, deren Werke in der Worpsweder Kunsthalle ausgestellt sind. Falls ihr mal nach Worpswede müsst. Und sie ist die Erfinderin der „Florian“-Figur aus der Frau im Spiegel!

In der DDR hieß das Standardwerk Ende der 1950-er „Das neue Ehebuch“ von Rudolf Neubert, einem sogenannten Sozialhygieniker. Frau Dr. Oheim wird in der Einleitung „große Fähigkeit psychologische Einfühlung“ zugeschrieben. Über ihren genauen Beruf konnte ich nichts Näheres in Erfahrung bringen, also schlussfolgern wir mal unter Umständen Psychologin? Oder Pädagogin?

Über beide Bücher könnte man stundenlang philosophieren, lachen und auch Wutanfälle bekommen. Denn manche der „veralteten“ Ansichten herrschen noch in vielen Köpfen vor. Das sind dann die weisen Nachbarn, Omas im öffentlichen Nahverkehr oder Schwiegereltern, die jungen Eltern mit ihrem wohlgemeinten Rat immer zur Seite stehen. Doch wie ein Rezensent auf Amazon so schön schreibt:

„Es gibt wohl nur wenige Bücher, die auf so anschauliche und einfache Weise gesellschaftliche Umstände einer Epoche darstellen können wie dieses und andere Werke aus der Ratgeber-Reihe des Buchclubs. Aus heutiger Sicht mag das Buch überholt sein: die medizinischen, rechtlichen und sozialen Fragestellungen und Bewertungen sind längst anderen gewichen, und als „Scherz-Geschenk“, wie eine andere Rezensentin es bezeichnete, ist es sicherlich auch geeignet. Aber unterschätzt die Bedeutung solcher Bücher nicht, sie geben Euch Einblick in längst vergangene Epochen, in denen es kein Internet, wenig Film und noch weniger Fernsehen gab. Wer ein Buch ergattern kann, schlage zu!“

Es ist tatsächlich ein Erlebnis, diese Bücher zu lesen. Und ich muss sagen, ganz blöd ist nicht alles, absurd aber schon vieles. Deshalb möchte ich euch an der Lektüre dieser Prachtexemplare deutscher Ratgeberliteratur teilhaben lassen. Heute widmen wir uns ganz klassisch zunächst einmal grob dem Thema „Ehe und Kinder“ und was beide Bücher dazu zu sagen haben. Glaubt mir, da ist noch viel mehr Material zum drüber aufregen oder schmunzeln. Da wird also noch mehr kommen, vor allen Dingen zur arbeitenden Frau. Da haben beide Ratgeber richtig viel zu raten.

„Die gute Ehe“ vs. „Das neue Ehebuch“

Frau Dr. Oheims Buch ist unglaublich detailliert, sie geht wirklich auf jeden Aspekt einer potentiellen Eheschließung ein, auf Wohnverhältnisse, auf finanzielle, körperliche, sexuelle Fragen, auf Rechtsfragen und natürlich auch auf das Familienleben. Das Inhaltsverzeichnis allein ist vier Seiten lang. Der DDR Ratgeber ist auf der anderen Seiten etwas kompakter und weniger ausführlich. Dadurch, dass Rudolf Neubert Sozialhygieniker ist, liegt sein Fokus eher auf körperlichen Aspekten, gespickt mit vielen Zeichnungen. Es gibt kein Inhaltsverzeichnis, das einem beim Navigieren helfen könnte, und wenn man das Schlagwortverzeichnis durchsucht, findet man außer Familiengesetzgebung und Familienwirtschaft keinen Eintrag zur Familie. Zu Kindern findet man auch nur Kindbettfieber, Kindergarten, Kinderheim, Kinderkrippen, Kinderhort, Kinderlosigkeit, Kindersterblichkeit und Kinderzeugung. Nun denn. Dann also die drei Seiten zur Erziehungsgemeinschaft lesen.

Heute will ich mich deshalb auf „Die gute Ehe“ konzentrieren. Der BRD Ratgeber beginnt das Kapitel „Fragen für Eltern“ mit einem interessanten Satz:

Der Entschluss, Kinder in die Welt zu setzen, die Entscheidung, wieviel Kinder man haben will, hängt bei natürlich empfindenden Eltern ja nicht mit volkswirtschaftlichen oder gar nationalistischen Erwägungen zusammen, sondern entspringt dem ganz unrationalen Bereich ihrer gegenseitigen Gefühle oder religiösen Anschauungen. Er muss also von den Eltern auch in seinen Konsequenzen getragen werden.

Kinder zu wollen ist irrational. Das ist okay so. Selten setzt man sich hin und denkt sich, wir haben so viel Geld gespart, wir haben ein Haus gebaut und wir fahren zwei dicke Autos, also fehlt nur das Kind. Quatsch. Kinder kriegt man meistens, weil man einfach Kinder kriegen wollte oder weil man überrascht wurde. Meistens passt es ja dann auch genauso wie es kam.

Dr. Oheim widmet sich auch den Paaren, die keine Kinder bekommen können, und erklärt sehr genau, wie die Adoptionsabläufe in den 1950-ern in der Bundesrepublik so abliefen. Für alle anderen Kinderlosen hat sie diesen netten Seitenhieb vorbereitet:

Die aus Egoismus beibehaltene Kinderlosigkeit gesunder Ehepaare …

Da können wir wohl alle nur kurz den Kopf schütteln und uns denken, gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Aber: Fragt mal in eurem Bekanntenkreis rum, wie oft kinderlose Frauen von Anfang 30 bis Mitte 40 auf ihre Kinderlosigkeit angesprochen werden. Und zwar verständnislos. Ein sehr lesenswerter Essay ist an dieser Stelle „Stop Telling Me I Should Have Kids“ von der fantastischen Joy Bryant. Unter Umständen kennt ihr sie als TV-Mama, das war sie nämlich schon in drei verschiedenen Rollen, am bekanntesten natürlich aus der Serie Parenthood.

Kinderkriegen: Wird heute zu viel beschönigt oder war man früher ehrlicher?

Ich schicke ein Foto des folgenden Abschnitts einer Freundin, die noch mitten in einer heftigen postpartum Depression steckt.

Dass man, wenn man Kindern das Leben schenkt, viele Opfer bringen muss, ist selbstverständlich. Sie sind unvermeidlich und können durch staatliche oder andere Hilfe wohl verkleinert, niemals aber in ihrem vollen Umfang abgenommen werden. Aber Kinder verursachen nicht nur Arbeit und Kosten, machen nicht nur Unruhe und Kummer, sie bringen auch hohes Glück, Freude und Segen. Will man das eine, so muss man auch das andere tragen. Auf diese Tatsachen und die Verantwortung, die sie einschließen, sollte man junge Menschen schon früh hinweisen.

Sie reagierte prompt: „Hätte mir das mal einer so gesagt. Endlich mal eine ehrliche Aussage, wo hast du das her?“ Ich sage ihr, dass es von einem Eheratgeber von 1959 ist. Sie stutzt. „Hätte ich nicht gedacht. Heutzutage wird alles beschönigt, alle schwärmen nur von irgendwelchen Gefühlen, niemand redet über den scheiß Alltag und dass man sein Kind überhaupt nicht unbedingt sofort einfach so liebt“. Vielleicht ist da was dran. Ich hab letztens gedacht, wie komisch es doch war, die Erste im Freundeskreis mit Kind zu sein. Mit komisch meine ich scheiße.

In meinem Freundeskreis in den USA war ich mit Abstand die Letzte. Und meine Freundinnen dort haben nie etwas beschönigt. Die Mutter meiner Au-Pair-Kinder hat nie etwas beschönigt, meine eigene Familie hat nie etwas beschönigt. Aber wenn ich den Fernseher anmache, die Filme und Serien gucke, die Zeitschriften und Blogs lese, dann sehe ich viel heile Welt und viele stylische, hübsche, zurechtgemachte Kinderchen, aber wenig von den schwierigen Tagen, von den Ambivalenzen, von dem Dreck, von dem Trott.

Jetzt sagt ihr vielleicht, rede mal mit einer Mama und lies keine Blogs. Well, als Studentin Mitte 20 in Berlin kannte ich keine anderen Mamas und schon gar nicht in meinem Alter. Die hab ich dann nach der Geburt kennengelernt, im Rückbildungskurs oder auf dem Spielplatz.

Niemand möchte nur das Negative lesen, aber welch kinderlose Naivling glaubt schon, dass alles gleich bleibt, lediglich die Prioritäten werden verschoben? Natürlich ändert sich alles. Alles. Wirklich alles. Nicht immer extrem, und nicht immer negativ, aber ja, es ändert sich alles. Eure Kommunikation, eure Zeitplanung, eure berufliche Zukunft oder Gegenwart, euer Konsumverhalten, euer Weggehverhalten, eure Toleranz gegenüber euern Mitmenschen, eure Rücksichtnahme.

Ach so, ja, und worüber sich alle Kinderlosen immer am meisten Sorgen machen: ja, euer Schlafverhalten und euer Sexleben. Jetzt war ich kurz davor zu sagen, aber das ist alles nicht so schlimm. Doch, manchmal ist das schlimm, aber das Leben ist immer noch geil, nur anders geil. Und ganz oft ist auch das eine Lüge. Es ist viel Absprache, Geplane und Hoffen und Beten, dass kein Kind krank wird diese Woche. Das ist manchmal frustrierend und stressig, und vor lauter Perfektionswahn fragt man sich, warum man das alles mitmacht, aber wenn man mal auf die To-Do-Listen scheißt und auf das ewige Gemüsse und die Vergleicherei, dann kann es einem sehr gut gehen. Dann kann man wirklich von hohem Glück, Freude und Segen sprechen, trotz Arbeit, Kosten, Unruhe und Kummer.

Your home is your castle und Ruhezone

Die Familie sollte gerade in der heutigen Zeit der Hetze, der Unruhe und der vielen Ängste eine Burg sein, hinter deren Wällen man noch Frieden, Entspannung und Beruhigung finden.

Hetze und Unruhe im Jahre 1959? Seht ihr, Menschen haben immer etwas zu meckern. Und wer soll für Entspannung und Beruhigung sorgen, wenn doch gerade gesagt wurde, dass das alles nicht so einfach ist mit dem Familienleben? Manchmal, da muss man ja mal ehrlich sein, findet man ja keinen Frieden und keine Ruhe zu Hause, weil man sich den absoluten Freizeitstress gibt. Es gibt viele verschiedene Gründe für Stress, und jede Familie ist anders, aber denkt doch mal nach.

Zwei Kinder, ein typisches Wochenende: Wocheneinkauf, durchsaugen, Kindergeburtstage, neue Fußballschuhe kaufen müssen, Auto Ölwechsel, Mittagessen bei Schwiegereltern, abends kommen Freunde, man wollte doch mal wieder schwimmen gehen, und das eine Kind hat Fußballturnier und das andere Kind will auf den Spielplatz und nicht zum Sportplatz und Sonntagabend wollten wir doch mal wieder aus? Der Babysitter war gebucht? Das macht bestimmt alles Spaß, und ich bin mir sicher, dass es viele Familien gibt, die darin aufgehen, in all ihren Freizeitaktivitäten.

Ich weiß aber, dass unsere besten Wochenenden die ohne Plan sind. Dann empfinde ich mal Ruhe. Wenn wir gar keine Termine haben und nichts machen müssen, nur wollen. Wenn man nach Hause kommt, und ständig denkt, das und das und das und das muss auch noch gemacht werden, da kann sich doch niemand entspannen. Ich versuche mich selbst zu mehr Bauchgefühl zu zwingen. Und wirklich auf mich selbst zu hören. Muss der Zweijährige auf jeden einzelnen Geburtstag, auf den er eingeladen wird? Kann man Fußballschuhe auch online bestellen? Können wir nicht Sushi bestellen und Netflix gucken und die Beine hoch legen und an nichts denken? Keine Listen machen?

Es sind doch gerade die Momente, in denen man seine Ruhe hat, die man am meisten vermisst. Ich kenne keine Mutter und keinen Vater, die sagen, ihnen fehlen die Clubs, die Sauferei oder viel zu viel Geld für Klamotten auszugeben. Die meisten wollen Ruhe. Für sich sein. Warum also dann nicht mehr auf Ruhephasen achten? Interessante Idee, die ein befreundetes Paar von uns durchzieht: Kein Business nach 8 Uhr. Keine Arztterminbesprechung, kein Meckern, keine Einkaufslisten, keine Terminabgleichungen. Man redet über nichts Organisatorisches, et voilà, wird der Abend zur Ruhepause. Das sind allerdings auch zwei Festangestellte, die sich noch nie Arbeit mit nach Hause genommen haben.

Eheberatung: Passt auf, dass euer Mann nicht benachteiligt wird

Text Eheberatung

Der Vater kommt sich plötzlich zurückgesetzt und benachteiligt vor und betrachtet das kleine Bündel Mensch zunächst einmal gar nicht mit so liebevollen Augen wie die Mutter, für die es natürlich das schönste, reizendste Baby der Welt und überhaupt der Mittelpunkt der Welt ist. (…) Die Ehefrau fügt sich dieser natürlichen Entwicklung ganz instinktiv besser ein.

STOP. Auch wenn die AfD gerade Freudenschreie über diese Aussage tätigt, es ist gut, dass 2016 ist. Gut, dass wir #regrettingmotherhood haben und gut, dass man sowohl Hilfe als auch hoffentlich in den meisten Fällen auf ein offenes Ohr oder zumindest Verständnis für postpartum Depressionen trifft. Man muss aber auch nicht depressiv sein, nur um sein eigenes Baby nicht als Mittelpunkt der Welt zu betrachten. Es soll ja Menschen geben (Männer und Frauen), die einfach nicht so gut mit Babys können. Die erleichtert sind, wenn das Baby anfängt zu brabbeln und krabbeln und kommunizieren und sich irgendwann selbst den Popo wischt. Das hat nichts mit Faulheit der Mutter zu tun, sondern mit komplexen Emotionen, so wie sie Menschen nun einmal empfinden.

Man kann ja von ihm auch nicht verlangen, dass er sich genauso wie die Mutter an allen Lebensäußerungen des kleinen Menschen immer wieder begeistert, dass er dasselbe Interesse wie seine Frau für Babys winzige Wäscheausstattung bezeigt oder dass er sich mit seinem Freund über Babys Stuhlgang genauso intensiv zu unterhalten vermag wie seine Frau mit ihrer besten Freundin.

Kann man. Sollte man vielleicht sogar, wenn man es von der Frau auch erwartet. Ist auch sein Kind, hab ich gehört. Nein, die Botschaft sollte ja eigentlich sein, dass man das von niemandem erwarten sollte. Eltern müssen nicht bei jedem Strampler ausrasten, Mütter müssen nicht das Verlangen haben, mit ihrer besten Freundin über Stuhlgang zu sprechen und Väter können sich gerne über jeden Furz und Burp freuen als wäre es Heiligabend. Aber was für ein schönes Wort ist bitte ‚Lebensäußerungen’?

Wagt es nicht schlampig auszusehen, sobald das Wochenbett vorbei ist!

An einer Stelle verwirrt mich dieses Buch. Zunächst schreibt es:

Man muss so bald wie möglich Haushalt und Kinderpflege so aufeinander abstimmen, dass der Mann durch die Kinder an Lebensraum, an Behaglichkeit und Fürsorge nicht mehr als notwendig verliert. Dass im persönlichen Bereich des Mannes nach wie vor Ordnung herrscht, dass er pünktlich sein Essen und andere Betreuung erhält, dass seine Wohnung nicht wie ein spielsachenbesätes Schlachtfeld aussieht, wenn er nach Hause kommt, sind Selbstverständlichkeiten. Ungepflegt und schlampig aussehen dagegen kostet manchmal viel mehr: die Liebe des Mannes.

Aber auf der nächsten Seite Eheberatung heißt es auch:

Der Ehemann kann in sehr starkem Maß dazu beitragen, seiner Frau diese Zeit fühlbar zu erleichtern (gemeint sind Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett). Die meisten Frauen, die ein Kind erwarten, leiden oft nicht nur unter körperlichen Beschwerden und Erschöpfungszuständen, sie sind meistens auch seelisch sehr labil und neigen zu Depressionen und Melancholie. Viele Ehemänner stellen sich darauf nicht ein. Hier wird von ungeduldigen, verständnislosen Ehemännern oft Schaden angerichtet, der leicht zu vermeiden wäre, wenn man sich nur ein wenig Gedanken machen wollte über das, was in dieser Zeit von der Frau verlangt und für das kommende Kind geleistet wird. (…) nicht nur im Interesse der Mutter sondern auch des Kindes und der gesamten Familie.

Text Eheberatung

 

Ich verstehe schon, 1959 und so. Aber: Wenn man doch so differenziert und ehrlich auf die Bedürfnisse, körperliche wie seelische, der Frau eingehen kann, warum zählt das nur für die Zeit direkt vor und nach der Geburt? Plötzlich ist eine gesunde Mutter auch im Interesse der Familie.

Doch Gott bewahre deine Nähte sind alle verheilt und du hast den perfekten Stillrhythmus, Schwester, dann gnade dir Gott, wenn das Leben DEINES MANNES nicht durcheinander gerät, wenn er abends nach Hause kommt. Die Vorstellung, wie verwirrt er sein wird, wenn plötzlich die Shirts nicht mehr gebügelt sind und es zum Abendessen „Hol mal H34 und B12, vegetarisch, plus extra Reis“ gibt. Und oh Mann, ungepflegt und schlampig auszusehen ist ja ein Kapitalverbrechen in Zeiten des Instagram-Wahns mancher Mütter. Da sind wir alle froh und dankbar für Accounts wie den von Celeste Barber und WomenIRL. Den Frieden der ersten Monate, manchmal wünscht man sich den zurück, aber dann ging es ja erst richtig ab! Zähne! Erste Krankheiten! Schlafgewohnheiten alle zerstört! Die Tage, an denen man natürlich immer noch einen Partner brauchte, der sich Gedanken macht und da ist und anpackt und gleichberechtigter Teil ist, niemand der nach Hause kommt und fragt, wann er denn mal wieder Freizeit hätte, um Sport zu machen oder ein Bier zu trinken während du mit dem kranken, zahnenden, schreienden Kind im Tragetuch kaum aufs Klo konntest an dem Tag.

Liebe kinderlose Leserinnen, wir wissen, es gibt euch, lasst euch nichts erzählen, das ist alles ganz toll, und solche Tage sind ganz selten, und klar kann jedes Kind schlafen lernen, und eures wird auch ganz fix alleine im Bett im eigenen Zimmer durchschlafen. Bestimmt.

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