Hauptstadtmutti

Urlaub dank Wohnungstausch: Amsterdam, wir kommen!

Ann-Katrin hat es gewagt und für einen kostengünstigeren Urlaub ihre Berliner Familienwohnung gegen eine Wohnung in Amsterdam getauscht. Mit Mann und Baby ging es für kurze Zeit nach Holland, während in ihrer Wohnung eine Familie mit zwei kleinen Kindern wohnten. Welche Gedanken Ann-Katrin vor der Reise hatte und welche Erfahrungen sie letztendlich gemacht hat, teilt sie nun mit euch.

Ich sehe mich noch in dem kleinen Garten stehen, über mir blauer Himmel, vor mir das typisch holländische, schmale Häuschen und ich weiß noch, wie mein Herz hüpfte und wie ich gleich mal mit gehüpft bin vor Freude bei dem Gedanken: Das hier ist unser zu Hause für die nächsten Tage, und es ist wunderbar – und umsonst!

Ich habe bisher immer gern Urlaub über airbnb gemacht, weil man dabei gefühlt ein bisschen eintaucht in das Leben vor Ort. Wohnen wie ein local, und zwar meist viel gemütlicher als im Hotel. „Wir müssen sparen!“ ist das neue Lieblingsmotto von meinem Mann, seit wir eine Wohnung abbezahlen und Eltern geworden sind. Recht hat er ja, die Spaßbremse. Aber deshalb aufs Reisen verzichten? Das ist, als würde mir jemand das Atmen verbieten wollen – unmöglich oder auf holländisch: Niet mogelijk. Was also tun, wenn man doch praktischerweise in Berlin wohnt, eines der beliebtesten Reiseziele überhaupt? Richtig, Kontakte spielen lassen und einen Wohnungstausch mit einer Familie aus Haarlem bei Amsterdam anregen, wo auch meine Schwester lebt. Heißt: Wir wohnten in ihrem zu Hause, während sie zur selben Zeit in unserem unter kamen.

Da ich erst einmal ausprobieren wollte, ob sich die recht hohen Gebühren gängiger Webseiten überhaupt lohnen, über die man ebenfalls einen Wohnungstauschpartner finden kann, entschieden wir uns zunächst für die private Variante. Es gab viele interessierte Bekannte meiner Schwester, wir konnten uns also sogar die Tauschpartner aussuchen. Danke, Berlin! Wir entschieden uns gegen die Single-Freundin und für die Familie mit zwei kleinen Kindern, die direkten Nachbarn meiner Schwester. Obwohl ich das Risiko, dass bei uns etwas zu Bruch gehen könnte, mit den Kindern größer einschätzte. Aber wer weiß, vielleicht wäre die Single-Freundin auch nach drei Tagen Berghain in unserer Badewanne aufgewacht – Wohnungstür offen, Möbel futsch, das ganze Programm. Wobei, wirklich ernsthafte Bedenken hatte ich im Vorfeld nicht, sonst hätten wir das Ganze wohl nicht durchgezogen. Aber ein bisschen aufgeregt war ich kurz vor der Abreise dann doch, ob alles gut klappt – würde es am Ende irgendwelche Schwierigkeiten geben, weil wir den (imaginären) teuren Flat-Fernseher kaputt machen oder in unserem noch nicht kindersicheren Heim aus Versehen etwas in Brand gesteckt wird ? Typisch deutsch klärte ich lieber nochmal ab, dass auch beide Seiten über eine Haftpflichtversicherung verfügen. Und stellte letztlich fest, dass die nette Familie gar keinen Fernseher hat, dass alles problemlos verlief und zu einer absolut großartigen Erfahrung für beide Seiten wurde.

Jetzt aber los

Die Vorbereitungen im Vorfeld waren dabei überschaubar: Die Einigung auf ein Datum erfolgte schnell, dann noch ein Skype-Date, um die wichtigsten Fragen zu klären, zum Beispiel für den Fall, dass jemand erkrankt und kurzfristig absagen muss. Dann ging es auch schon los. Man kann ja nur eine gute Zeit in Holland haben – alle sind nett, es gibt das Meer vor der Tür und Fla auf den Tellern. Wir tauschten noch während des Aufenthalts viele Tipps für eine tolle Zeit vor Ort – wo sind die besten Spielplätze oder die nettesten Frühstück-Cafés und besonders praktisch war natürlich die babygerechte Ausstattung für beide Seiten. Wickelkommode, Babybett, alles vorhanden. Morgens konnten wir meiner Schwester über den Gartenzaun zuwinken, dann machten wir einen Ausflug zum Meer – mit den Fahrrädern, natürlich kostenlos und ganz Holland-Style, mit Maxi-Cosi vorn im Lastenrad. Es waren wunderbare Tage, und wir fühlten uns fast ein bisschen heimisch.

Genau so positiv war auch die Rückkehr nach Berlin: Die Wohnung sah top aus, lediglich ein Keramik-Brettchen war zerbrochen, aber sofort wieder ersetzt worden. Außerdem erwartete uns eine liebevolle Zeichnung der Tausch-Mama als Dankeschön für unser Vertrauen. Und eine Postkarte mit dem Angebot, dass wir jederzeit wieder in ihrem Haus wohnen dürften, auch wenn sie in der Zeit gar nicht nach Berlin, sondern woanders hinreisen würden. Wir haben also nicht nur einen sehr günstigen Urlaub gemacht, sondern auch noch extrem nette Menschen kennengelernt. Dieses Vertrauen in an sich völlig fremde Menschen und diese enorme Gastfreundschaft fand ich schon beim Couchsurfing immer so genial. Nun plane ich schon weitere Reisen mittels privatem Wohnungstausch, habe uns inzwischen aber auch auf einer großen Wohnungstausch-Webseite
angemeldet, da wir natürlich nur begrenzt Leute im Ausland kennen.

Vorteile des Wohnungstausches?

Ich finde es eine wunderbare Art, Urlaub zu machen, und die Vorteile liegen für mich auf der Hand: Kostenlose Unterkunft. Besonders in Gegenden, wo man sich einen Urlaub sonst kaum leisten kann und gerade für Familien mit begrenztem Budget. Durch die Selbstversorgungsmöglichkeit (im Gegensatz zum Hotel) spart man zusätzlich. Ein weiterer Vorteil ist es, dass ich wie ein Einherimischer wohne, denn ich bekomme einen Einblick in das Leben meiner Tauschpartner inklusive Insider-Tipps. Nicht zu vergessen, der Wohlfühlfaktor: Das Haus oder die Wohnung ist meist gemütlicher und in jedem Fall besser ausgestattet als ein Hotelzimmer. Des Weiteren hat man im eigenen zu Hause zeitgleich jemanden, der nach dem Rechten sieht und die Blumen gießt. Im Gegensatz zum ebenfalls kostenlosen Couchsurfing habe ich die Tauschwohnung für mich alleine und somit mehr Privatsphäre (zumal man mit Baby wohl ohnehin schwieriger Unterkünfte über Couchsurfing findet).

Wichtig ist, sich wirklich mit dem Gedanken wohl zu fühlen, dass andere Menschen im eigenen zu Hause wohnen. Außerdem muss man sich natürlich auf einen Zeitpunkt einigen können und klare Absprachen treffen, zum Beispiel, was benutzt und gegessen werden darf und wie die Reinigung am Ende aussehen soll. Vor dem Trip muss zudem noch Zeit eingeplant werden, um die eigene Wohnung auf Vordermann zu bringen, wo man normalerweise einfach die Tür hinter sich zuziehen und Chaos Chaos sein lassen kann. Das ist diese besondere Erfahrung aber mehr als wert.

Wenn ihr mehr über Ann-Katrin erfahren wollt, dann schaut euch doch mal ihren Blog Inspirier mich! an.

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