Hauptstadtmutti

„Du willst nicht so, wie ich wohl will.“

Wie geht das, nicht durchzuballern, wenn alles gleichzeitig stattfindet, viel von uns gefordert wird und wir einfach nur noch versuchen, zu funktionieren? Und dann müssen wir uns auch noch um die Beziehung kümmern, sollen einen tollen Valentinstag planen und quality time verbringen! Das fühlt sich nach Arbeit an. Ja, es ist manchmal einfach alles zu viel. Das geht unserer neuen Paarexpertin Anna Holfeld trotz jahrzehntelanger Erfahrung als Paartherapeutin und Coach auch nicht anders. Aber: sie versucht sich, immer wieder auf ihr Wissen zu besinnen, atmet durch und macht weiter. Ihre Tipps und Tricks teilt sie ab sofort mit euch in ihrer neuen Kolumne Beziehungsfarben.

Das kennen wir alle, ich will etwas, das Du nicht willst oder Du willst etwas von mir, das ich nicht mehr will. Am meisten will ich, dass Du….

In der Paartherapie sind das häufige Themen, ein Paar verhakt sich an dem Punkt, dass jemand anderes nicht das erwünschte Verhalten zeigt. 

  • Er/sie arbeitet nicht genug mit im Haushalt. 
  • Er/sie kümmert sich nicht genug um die Kinder. 
  • Er/sie leistet nicht genug Beziehungsarbeit.
  • Er/sie arbeitet zu viel. 
  • Er/sie will keinen Sex mehr, man selbst aber schon. 

Es gibt hier zwei Handlungsmöglichkeiten: Haltungs-/Verhaltensänderung bei sich selbst oder gemeinsame Beziehungsarbeit. 

1) Haltungsänderung/Verhaltensänderung

Ich muss mir überlegen: was will ich wirklich, was ist mir wichtig? Und, was habe ich in meinem Werkzeugkasten, um das zu bekommen, was ich möchte? Was kann ich selbst dafür tun? 

Es gibt den Spruch: Love it, Change it or Leave it. Wir schauen uns den mal genauer an: 

Love it: es lieben, es annehmen?

Du kannst lernen, anzunehmen, dass eine Situation so ist, wie sie ist. Dass Du einen Anteil an der Situation hast oder sie zumindest nicht unterbunden hast. Wenn sich Dein Lieblingsmensch nicht genug um den Haushalt kümmert, dann ist eine Möglichkeit, damit umzugehen: das anzunehmen. Ok, er/sie macht das nicht auf die Art oder die Menge, wie Du es für richtig hältst. Woher kommt Deine Vorwegannahme, dass etwas so sein „muss“? Ah, vielleicht seid Ihr hier unterschiedlich. Vielleicht kannst Du erkennen, was die andere Person in anderen Bereichen für das Gemeinwohl /die Familie einbringt. Kannst Du vielleicht sogar Dankbarkeit entwickeln, für das, was die andere Person einbringt UND für das, was Du einbringst? Kannst Du lernen, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist? Manchmal hilft es schon, wenn man ausspricht, was einen stört, dann ist das Problem nicht mehr so groß. 

Manchmal braucht es aber auch deutliche Schritte zur Veränderung: 

Change it: es verändern?

Hast Du alle Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, schon ausgeschöpft? Hast Du immer wieder deutlich gemacht, was Dir selbst wichtig ist und wie Du Kooperation und Partnerschaft verstehst? Habt Ihr Pläne gemacht, die Dinge gut aufgeteilt, übernimmst Du trotzdem die Aufgaben der anderen Person? Was kannst Du in Deinem Verhalten ändern, was kannst Du anders machen oder anders denken, dass die Situation im Alltag Dich nicht mehr so stresst und/oder Eure Arbeiten im Haushalt paritätischer aufgeteilt sind? Könnt Ihr Aufgaben tauschen? Könnt Ihr Verantwortlichkeiten tauschen (jede Woche abwechselnd fürs Zähneputzen der Kinder zuständig sein). Habt Ihr kleinteilig geschaut, welcher Aufgabenunterpunkt wen mehr stresst? Liegt es an fehlendem Wissen? Das lässt sich beheben: es gibt Waschmaschinenkurse von großen Herstellern, es gibt die Möglichkeit, „Soll-Ist-Fotos“ an die Regale der Speisekammer zu hängen, es gibt virtuelle Einkaufszettel, die beide befüllen können. Und es gibt das tolle Buch von Patricia Cammarata: Raus aus der Mental Load Falle. Das gemeinsam zu lesen – kann viel verändern, von ihr kommt u.a. auch der Tipp mit dem Abwechseln beim Zähneputzen. 

Leave it: die Situation verlassen? Loslassen?

Und wenn Du nicht weiterkommst, Dich immer wieder an den gleichen Dingen aufreibst? Dann lass los. Vielleicht musst Du nicht gleich die ganze Beziehung loslassen, vielleicht kannst Du Dich zunächst von einigen Ansprüchen und Erwartungen gegenüber dem Leben oder Deinem Lieblingsmenschen trennen. Du kannst nur Dich selbst verändern – die Veränderung von anderen Personen passieren immer nur von ihnen heraus. Das ist von außen nicht so recht möglich, trotz Wiederholungen, Erklärungen, Anschreien, Belohnungen.. 

2) Paartherapie/gemeinsame Beziehungsarbeit

Es gibt das Modell des two-choice-dilemma in der Beziehungsarbeit. Dabei geht es darum, dass man sich selbst zwischen zwei ähnlich misslichen Dingen entscheiden muss, das aber oft nicht tut, sondern lieber ausharrt und genervt ist und häufig meckert. Ich mache ein Beispiel. 

Ein Paar kommt in die Praxis und hat ein Sexproblem. Lasst uns heute mal nur auf den Mann schauen: er will gern Sex auf eine bestimmte Art (eher so Triebbefriedigung, assistierte Masturbation) und zwar mit seiner Frau, die das nicht möchte oder nur widerwillig macht. 

Er hat (mindestens) 3 Alternativen. 

  1. Er ändert die bestimmte Art Sex
  2. Er entscheidet sich, nicht mehr auf seine Frau zu hoffen
  3. Es bleibt alles so und er bleibt unzufrieden: er bleibt in der Beziehung und hat keinen oder wenig Sex, besonders nicht auf die Art, wie er es will. 

Ihr seht daran, dass es da keinen „richtigen“ Rat gibt. Hier geht es um eine gute Begleitung des Mannes zu den darin liegenden Themen, z.B. 

            -wie geht Sex denn anders? Wie geht fließen, berühren, spüren, in Kontakt sein, Körperverbindung aufbauen?

            -wie kann er lernen, mit anderen Menschen und besonders mit seiner Partnerin nah zu sein und richtig in Kontakt zu kommen?

            -wie kann er lernen, mit seiner Unzufriedenheit anders umzugehen, seinen Fokus zu verändern auf das Viele, das in ihrer Beziehung vorhanden ist und gut klappt, statt auf das, was fehlt?

            -wenn er sich ernst nimmt und weiterhin Sex haben will, was kann er dafür tun, dass er das bekommt? Welche Entscheidungen braucht es, welche Absprachen und vielleicht auch Kompromisse? Welche Gespräche mit seiner Partnerin sind hier nötig? Welche Mindsetveränderungen bei ihm selbst?

    -welchen Preis bezahlt er für die verschiedenen Alternativen?

Aus dem Alltag rauszusteppen, in Eigenzeit in sich zu spüren, was willst Du wirklich, was ist Dir wichtig, was kannst Du selbst tun, um Deine Situation zu verändern – das lohnt sich. Und manchmal gelingt das mit ein bisschen Hilfe noch besser. 

Anna Holfeld und liebendgern findet ihr auf Instagram und auf Facebook. Mehr Infos zur Paarberatung Neukölln findet ihr hier.

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