Hauptstadtmutti

Teenager: Discord und Löwenzahn

Unser großer Sohn (16) ist für eine verpflichtende Schulzeit im Ausland, im sächsischen;-). Sein Schulprojekt „Alle ins Ausland“ ist im Corona-Jahr um Deutschland erweitert worden. Und er arbeitet in dieser Zeit für drei Monate auf einem Hof mit und pflanzt, harkt, schneidet, hackt und gärtnert sich die Hände dreckig. 

Und das nach monatelangem Onlineunterricht und nachmittäglichem Zocken. In der einen Woche Urlaub kam er sehr entspannt, gut gebräunt und herrlich ausgeglichen wieder. 

Zwischen 8-14 Uhr hat er Gartenarbeit geleistet und danach stundenlang mit seinen Freunden auf Discord gequasselt, dabei digital gemalt, gechattet und gezockt. Ein Paradies. Der Wechsel aus körperlicher Arbeit und digitalem Austausch mit seinen Freunden – das ließ ihn gut gedeihen. 

Erinnerung an Löwenzahn

Bei meinem Besuch auf dem Hof habe ich Bärlauchpestnudeln mit Löwenzahnblüten zum Mittag bekommen, diese Blüten habe ich vor sehr langer Zeit meinem Sohn als Kranz geflochten, aber gegessen habe ich sie noch nie. Eine minikleine, neue Erfahrung für uns beide, er erlebt so viel mehr davon in den drei Monaten. Und das macht mich sehr happy. 

Kurz vor der Entscheidung, wo er hin will, hab ich ihm sehr deutlich gemacht: du wirst in den 3 Monaten nicht bei uns wohnen, er hatte sich da innerlich schon auf ein Kunstpraktikum in Berlin eingestellt. Und ich habe gemerkt, dass meine strengen Sätze ihn sehr irritiert haben. War ich doch die, als es hieß „alle ins Ausland“ und er ein Jahr lang in Amerika verbringen wollte, sehr traurig geworden bin und so eine Art vorfristigen Abschiedsschmerz herbeifühlen konnte. Als er mich darauf angesprochen hat, konnte ich nur erwidern: ja, ich hätte Dich wahnsinnig vermisst, wenn Du für 1 Jahr nach Amerika gegangen wärst UND ich bin dafür, dass Du die 3 Ersatzmonate nun woanders arbeiten gehst, damit Du Erfahrungen machen kannst, die Dir zocken und Onlineunterricht nicht ermöglichen UND ich hab Dich lieb. 

Loslassen & Wegschicken

Diese Form des Wegschickens, die erfordert eine besondere Kraft des Loslassens. Und sie tut uns beiden gut. Beide anderen Eltern, sein Vater und meine Partnerin, die für unseren Sohn eine gute Co-Mutti geworden ist, sehen das zum Glück genauso. Manchmal muss man aktiv wegschicken, damit Kinder eine neue Erfahrung machen. Und wir drei lernen jetzt schon mal, was es heißt, einen Alltag ohne ihn zu gestalten, so eine kleine Form der Eingewöhnung zur Entwöhnung. 

Anna Holfeld und liebendgern findet ihr auf Instagram und auf Facebook. Mehr Infos zur Paarberatung Neukölln findet ihr hier.

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