Homestory: „Es ist wichtig, dass man sich bei der Kindererziehung einig ist. Sonst ist es als Paar die Hölle!“

An einem ungemütlichen Sonntagvormittag im grauen, kalten Berlin öffnet Familie Noodt die Türen zu ihrer Dachgeschoss-Wohnung in der Oranienstraße. Kaum eingetreten, stehe ich schon im zentralen Wohnraum, einer großen gemütlichen Wohnküche.

So wie die Wohnung wirkt auch die Familie: offen und freundlich. Jeder hat seinen Raum, in den er sich zurückziehen kann. So gibt es neben dem Kinderzimmer und dem Schlafzimmer auch das Elternzimmer, ein Raum für Musik und gemeinsame Abende der beiden Künstler Nadja und Christopher (beide 36). Der Papa und die beiden Töchter Lara und Milla (11 und 6) bleiben noch auf ein schnelles Familienporträt, ehe sie zum Rodeln in den Görli aufbrechen.

Hauptstadtmutti: Hallo Nadja, stell deine Familie und dich doch mal kurz vor.

Nadja: Ich bin Nadja und wohne mit meinen Mann und meinen beiden Kindern hier in dieser schönen großen Wohnung. Christopher ist Pianist und sehr viel unterwegs, letztes Jahr hatte er 180 Reisetage. Ich bin Sängerin und mache gerade einen Quereinstieg in Grundschulpädagogik, ich unterrichte Musik in einer Grundschule in Lichtenberg.

Hauptstadtmutti: Wie schafft ihr den Spagat zwischen Arbeit und Kinder? Wie organisierst du das – vor allem, wenn du so viel alleine bist?

Nadja: Ich bin wahnsinnig gut organisiert. Und man schafft ja doch ganz schön viel alleine. Manchmal ist es auch einfacher, gerade wenn der andere nicht da ist (lacht). Aber auch wenn er da ist, bekommen wir das Ganze gut zusammen hin, unser Paarleben, Familienleben und Haushalt. Weil ich das will oder weil wir das wollen. Wir haben viele Babysitter und Freunde, die unsere Kinder gerne betreuen. Und meine Schwester wohnt in der Stadt. Ich glaube, das ist eine Entscheidung, die man trifft, ob man noch als Paar zusammen ausgehen will oder nicht. Und ob man sagt, ich will, dass wir ein geiles Leben haben, denn dann hat man auch ein geiles Leben.

Hauptstadtmutti: Das klingt sehr harmonisch. Wo holt ihr euch Hilfe, wenn Fragen zur Kindererziehung auftauchen? Fragst du Freunde? Googelst du oder liest du Ratgeberbücher? Oder diskutiert ihr das als Paar?

Nadja: Ich hatte irgendwann mal ein Buch, das fand ich aber so bescheuert, dass ich es weggeschmissen habe. Ich folge da lieber meiner Intuition, ich weiß doch, wie das geht. Als wir noch keine Kinder hatten und noch ganz jung waren, sagte meine Freundin zu mir „Es ist doch ganz einfach: Liebe und Konsequenz“. Ja, klar! Natürlich liebe ich meine Kinder. Ich bin konsequent und bums. Was will man jetzt noch wissen? Und als Paar ist es wichtig, dass man sich einig ist, was die Kindererziehung angeht. Ist das mal nicht der Fall, ist es die Hölle. Aber wir sind uns recht einig. Und wenn nicht, diskutieren wir das aus. Aber nicht vor den Kindern, sondern alleine, bei einem Rotwein.

Hauptstadtmutti: Was gefällt dir an eurem Kiez besonders?

Nadja: Wir wohnen in Kreuzberg in der Oranienstraße. Ganz besonders gefällt mir tatsächlich, dass dieser Kiez so multikulturell ist. Diese ganzen kleinen türkischen Läden, die irgendwie immer geöffnet haben  und deren Inhaber einen auch kennen. Sie grüßen, wenn man vorbeikommt, haben was Süßes für die Kinder und fragen wie es einem geht? Es gefällt mir, weil es so belebt ist. Ich weiß, wo alles ist, und bekomme auch zur späten Stunde am Sonntag einen Liter Milch oder andere Dinge.

Hauptstadtmutti: Was ist denn dein Lieblingsort mit und ohne Kind hier im Kiez?

Nadja: Mit Kind bin ich nachmittags fast immer zu Hause, weil es draußen gerade zu kalt ist. Und im Sommer bin eher im Graefekiez, auf dem Grimm-Spielplatz unterwegs. Meine Freundin hat dort ein Café, die Brandi Espressobar in der Dieffenbachstraße, da chille ich dann und trinke Kaffee. Mein Lieblingsort ohne Kind ist im Hotel in der Mariannenstraße. Das Hotel hat eine schöne Bar, da bin ich gerne. Es gibt aber viele schöne Orte in Berlin, wo man ohne Kind sein kann (lacht).

Hauptstadtmutti: Wie lange wohnt ihr schon in der Gegend?

Nadja: Wir wohnen hier schon elf Jahre. Christopher und ich sind hier zusammengezogen, als ich schwanger wurde. Es ist unsere erste gemeinsame Wohnung

Hauptstadtmutti: Habt ihr lange gesucht für die Wohnung?

Nadja: Nee, überhaupt nicht. Wir haben bei der GSW gefragt und die haben uns diese Wohnung gezeigt. Wir waren uns sofort einig: Die nehmen wir! Und dann sind wir mit unseren wenigen Möbeln hier eingezogen. Wir hatten kaum etwas. Ich habe noch studiert und Christopher stand ganz am Anfang seiner Karriere.

Hauptstadtmutti: Was habt ihr da mitgebracht? Welche Möbel sind noch aus der Zeit vorhanden?

Nadja: Das Küchenbuffet, das hat Christopher auf der Straße gefunden. Er hat es dann restauriert, eine neue Platte musste drauf und es wurde gestrichen. Die Lampe  ist von meinen Eltern. Und dann noch dieses Plakat von Hermann Hesse, das hatte ich schon in meinem Jugendzimmer.

Hauptstadtmutti: Wer von euch beiden ist denn eher der Einrichter? Oder macht ihr das gemeinsam?

Nadja: Das machen wir gemeinsam. Ich fühle mich gar nicht so, als ob wir die Wohnung eingerichtet hätten. As wir ein Sofa brauchten, sind wir auf den Flohmarkt und haben dort dieses Sofa für die Küche gekauft, seitdem steht das hier an seinem Platz. Der Tisch ist von Ikea, die Stühle dazu auch vom Flohmarkt. Bei Ebay haben wir ein Bett für 250 Euro ersteigert, für das man sonst 1000 Euro zahlt. Das macht einen dann ganz glücklich.

Hauptstadtmutti: Wie ist das mit euren Kindern, lasst ihr die selbst entscheiden, wie sie sich einrichten wollen?

Nadja: Das haben wir bisher immer vorgegeben. Das Bett der Mädchen haben wir von einer Freundin geschenkt bekommen.

Hauptstadtmutti: Habt ihr einen gemeinsamen Lieblingsraum?

 

Nadja: Wir sind am häufigsten in der Küche. Dieser Raum ist die Mitte der Wohnung. Hier halten wir uns  am meisten auf. Ich chille ganz gerne in diesem kleinen Zwischenraum, der hauptsächlich zum Fernsehen genutzt wird. Christopher und ich sind ganz viel im Arbeitsraum in unserem Musikzimmer. Auf dem Sofa kann man ganz prima Gespräche führen. Ich weiß nicht, wie viele Abende wir da letztes Jahr saßen und Rotwein oder Gin Tonic getrunken haben. Wir haben wirklich in diesem Raum gefeiert, zu zweit. Einmal bin ich morgens um 8 Uhr nach nur einem Stündchen Schlaf zur Uni gefahren, weil wir da so lange gesessen haben. Es ist einfach unser Raum.

Hauptstadtmutti: Das ist schön. Doch nun noch mal ein Themawechsel. Ist Aufräumen und Sauberkeit ein Thema bei euch? Wie regelt ihr das?

Nadja: Tja, also wenn Christopher nicht da ist, mache ich das natürlich. Da gibt es weniger zu Räumen und nichts zu Diskutieren. Ordnung bekommen wir aber eigentlich ganz gut hin. Jeder macht das, was er kann, wenn er da ist. Und ich rege mich auch nicht über solche Sachen auf.

Hauptstadtmutti: Auch die Kinder? Sind die involviert?

Nadja: „Könnt ihr mal bitte euren Sch*** aus der Küche räumen, damit wenigstens die Küche einigermaßen gut aussieht?“ Da bin ich dann wohl doch eher inkonsequent, und so sieht das Kinderzimmer dann auch aus.

Hauptstadtmutti: Eine letzte Frage. Was gefällt dir am Muttersein besonders? Und was ist das Nervigste daran?

Nadja: Das Nervigste ist dieses Fremdbestimmtsein. Immer das Gefühl zu haben, dass man das nicht alleine entscheiden kann. Auf der anderen Seite ist dieses Selbstentscheiden schon so lange her, dass ich garnicht mehr weiß, wie das war. Und wenn man dann doch mal eine Woche ohne Kinder ist, fragt man sich, was mit der vielen Zeit jetzt anzufangen ist. Das zeigt einem, dass es auch schwierig ist, Dinge ganz alleine zu entscheiden.

Das Schönste auf eine Sache zu reduzieren ist schwierig. Es macht mich glücklich, wenn ich unsere Kinder sehe und Dinge von mir erkenne (ohne das egoistisch zu meinen). Dieser ständige Spiegel, den einem die Kinder die ganze Zeit vorhalten und einem damit die guten, aber auch die schlechten Eigenschaften zeigen. Aber wirklich das Schönste ist, dass man das erste Mal in seinem Leben wirklich bedingungslos liebt. Es gibt keine Bedingung. Ich liebe meine Kinder. Und da können die Kinder sich auf den Kopf stellen, scheiße sein und nerven, ich liebe sie einfach trotzdem. Das möchte ich nicht missen. Den Partner bedingungslos zu lieben ist schwierig, das bedeutet sehr viel Arbeit. Bei den Kindern tut man das einfach. Das ist eine tolle Erfahrung.

Hauptstadtmutti: Vielen Dank für das tolle  Interview und den leckeren Kaffee.

Kurz  nach diesem Interview kamen Milla und Lara zurück. Milla hüpfte singend die Treppen hoch. Kaum waren die Mädels aus den Skihosen heraus, stand auch schon eine Schüssel für die kalten Füsse bereit. Vielen Dank für den Einblick in eurer Familienleben, liebe Familie Noodt.

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  • Silke Nebel

    Schöner Artikel. Ich mag die Homestorys.

  • LaKate

    So ein tolles, entspanntes Portrait und ehrliche Bilder vom Kinderzimmer. hat richtig Spaß gemacht zu lesen. Das beste Zitat: „Und ob man sagt, ich will, dass wir ein geiles Leben haben, denn dann hat man auch ein geiles Leben.“

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