Mutti-Auszeit in Südtirol: Das Familienhotel Sonnwies

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„Hättest du unter Umständen Lust auf eine Reise nach Südtirol?“ Oh. Uhm. Klar? Mist, an dem Donnerstag hab ich eine Lesung in einer ganz anderen Stadt, dann könnte das Kind zu den Großeltern, dann Freitagmorgen mit dem Flugzeug nach München, dann Zug nach Brixen und Shuttle in das Familienhotel Sonnwies in Lüsen.

Nicht, dass das mit Kind prinzipiell nicht gehen würde, mit meinem Kind ist lediglich Bewegungsstillstand über einen längeren Zeitraum schon hart an der Grenze. Unser Kind ist kein Stillsitzer und Bildmaler. Und für Tablets und Zeichentrick interessiert es sich null. Und einen ganzen Tag auf Reisen alleine mit dem? Puuuuuuuh.

„Fahr doch ohne Kind?“

Ginge das? Darf ich das? War ich nicht diejenige, die laut nach Kinderbetreuung im Urlaub geschrien hat? Weiß denn das Kind noch, wer ich bin, wenn ich nach drei Tagen wiederkomme? Ich rechne nach. Ziemlich genau 72 Stunden ohne mich. Dreimal schlafen gehen ohne Mama. Ich habe von Geschichten gehört, in denen Kleinkinder ihre Eltern nach „längerer“ Abwesenheit bestrafen, sie ein paar Tage ignorieren. Machen die das wirklich? Stimmt das? Ich war noch nie richtig weg. Das ist doch auch nicht normal. Bald ist das Kind anderthalb und ich war noch nie weg. Komm, ich mach das jetzt einfach, vielleicht wird’s ja geil. Und schon kamen sie. Die Experten.

„Und wie macht dein Mann das dann?“

„Was genau?“

„Holt er ihn dann aus der Kita ab? Wer kocht dann? Wer kauft ein?“

Leute, kommt mal klar. Was habt ihr denn für Männer zu Hause? Oder wie wenig traut ihr meinem Mann zu? Um meinen Mann mach ich mir mal gar keine Sorgen. Um den Kleinen auch nicht. Um wen dann? Uhm. Um mich, glaub ich.

Meine Tasche ist gepackt. Der Rucksack voll mit Büchern. Plural. Ihr habt keine Ahnung, wie viel ich lesen kann, wenn man mich mal lässt. Ich stehe da und soll mich von meinem Kind verabschieden. Die sonstige Euphorie, wenn ich mal einen Abend oder Nachmittag weggehe, und was mit Freunden unternehme, stellt sich nicht ein.

Stattdessen: „Sag mal weinst du?“

Oder ist das der Mutterregen, der von meiner Mamanase tropft? Ich flenne. Das Kind guckt mich an. Er tätschelt meinen Kopf und macht „Ei, ei“. Dreht sich um, schreit laut BAGGER und schmeißt sich auf den Boden, um dann mit seiner Dampfwalze zu spielen, die gar kein Bagger ist. Kinder sind so dumm manchmal.

Ich überlege dazubleiben. Der Spargel muss geschält werden, man könnte den Fisch auftauen. Und eine Ladung Wäsche kann man auch noch in die Maschine schmeißen. Ich muss eigentlich noch einen Artikel fertigschreiben und im Zug gibts kein W-Lan (wann eigentlich genau, Deutsche Bahn, wird sich das ändern? In jedem europäischen Land, in dem ich bisher mit und ohne Kind unterwegs war, ist das Standard.) Ich werde sanft, aber bestimmt aus der Tür geschoben. Und dann steh ich da, etwas verheult, und kann nichts mit mir anfangen.

Das ist doch alles ein schlechter Scherz meiner Selbst. Erstmal ein Bier im Späti holen. Am Gleis stehen sie. Die müden Eltern, mit ihren Kinderwagen oder mit ihren Babytragen, hier eine Brezen, da die extra Tasche mit Spielzeug. Ein Baby schreit. Ich reagiere kaum. Ich denke mir, die würden bestimmt gerne mit mir tauschen, nicht andersrum. Ich beschließe klarzukommen und setze mich einfach so ans Fenster auf einen Zweiersitz und schlage mein Buch auf. Die Mama mit dem Baby sitzt hinter mir. Ich biete ihr an, das Baby zu halten, wenn sie mal aufs Klo muss. Sie guckt mich an, als wäre ich der Messias. Passt schon. Sisterhood, honey.

Ich lese. Ich schaue aus dem Fenster. Ich hol mir noch ein Bier im Bordrestaurant. Ich steige um. Mehrere Male und helfe mehrere Male beim Kinderwagen-Rauf-und-Runterschleppen. Ich habe dieses seltsame Schuldgefühl, das mich dazu verpflichtet, sofort helfen zu wollen, wenn ich irgendwo eine Mama mit Kind sehe. Ich bewundere sie, dass sie es einfach macht. Vielleicht hatte sie keine Wahl, vielleicht hat sie sich noch nicht getraut. Ich hab mich ja bis jetzt auch nicht getraut.

Bis dann plötzlich, einfach so, aus dem Nichts, am Ende des Bahnsteiges: schneebedeckte Berge. Wo kommen die denn auf einmal her? Boah. Ist das schön. Ernsthaft, kein Scherz. Und dann geht der Zug los. Alles ein bisschen geräumiger, größer, gemütlicher als bei der Deutschen Bahn. Und natürlich mit WLAN. Doch ich packe den Computer und das Handy weg, weil mehr Berge, Flüsse, Schönheit. Schwuppdiwupps sind wir in Österreich. Mei. Später erfahre ich, dass die meisten mit dem Auto ankommen. Die haben wahrscheinlich auch Kinder, die gerne Auto fahren, denke ich mir. Die A22 ist 15 Kilometer entfernt, der Innsbrucker Flughafen nur 100 Kilometer – man könnte also auch gut dahinfliegen und dann mit einem Leihwagen runterfahren.

Ich denke die ganze Zeit, dem Kind würde das gefallen, das Kind müssen wir hierher bringen. Und dann denk ich mir, kannst du das nicht mal eine Sekunde einfach so für dich genießen? Ich denke an Virginia und dass ich mich da endlich mal wieder blicken lassen muss, die haben auch schöne Berge, und unbewusst denke ich vielleicht an das Uralgebirge, an dem ich geboren bin. Vielleicht bin ich ja ein Bergkind und gar kein Meerkind? Letztes Jahr in den Pyrenäen, das war auch sehr beeindruckend. Berge sind schon etwas sehr Monumentales, etwas Beruhigendes, so erhaben und groß, da fühlt man sich ganz klein. Gerade wenn man aus der großen Stadt kommt, wo alle sich immer so selbstverliebt im Schaufenster betrachten und immer über Mode und Schuhe und Schmuck reden wollen. Ich hab das Gefühl mein Handy wegschmeißen zu wollen, mir den Lippenstift abzuwischen und mein #allblackeverything Outfit gegen ein Dirndl eintauschen zu wollen!

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Was ich spüre ist so eine Ruhe, die von der Landschaft ausgeht. Ab München braucht der Zug gute drei Stunden bis nach Brixen, von dort aus fährt man mit den Hotel-Shuttle eine halbe Stunde bis nach Lüsen, zum Familienhotel Sonnwies. An der Rezeption werde ich über die Maßen freundlich begrüßt, es toben ein paar Kinder in der Lobby, draußen sehe ich ein Paar, das in der Sonne sitzt. Halten die über die Liegestühle Händchen? Es riecht nach Holz und Kaffee und Kuchen.

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In meinem Zimmer mache ich als erstes die Balkontür auf. Die Aussicht erschlägt mich fast. Nur Berge, drumrum, rechts, links, überall Berge und Fichtenwälder. Das Familienhotel Sonnwies liegt auf der Sonnenseite in den Eisacktaler Dolomiten, auf 1150 Höhenmetern. Bis zum Aperitif hab ich noch eine halbe Stunde. Ich kann also in Ruhe duschen, mich umziehen, sogar schminken? Dieses kinderlose Dasein ist eigentlich gar nicht so schlimm. Das Zimmer ist in Ordnung, gemütlich und geräumig. Durch die Vollholzausstattung riecht es auch hier herrlich nach Holz. Der kleine Kabuff nebenan mit Hochbetten hat ebenfalls komplett verdunkelbare Fenster. Ich scanne den Raum und bin begeistert, mein Kind könnte hier nichts zerstören oder sich selbst verletzen. Wäre ich mit dem Kind gekommen, hätte ich auch ein Babypaket bekommen: Gitterbettchen (kein schnödes Reisebett!), Wickeltisch, Babywanne, Fläschchenwärmer, Wasserkocher, strahlenfreies Babyfon mit unbegrenzter Reichweite und Nachtlicht. Im Bad wartet ein Töpfchen. Aus dem Wasserhahn kommt Südtiroler Bergquellwasser nach der Grander-Methode.

Fresher als Will Smith in den 90ern in Bel Air hopse ich die Treppe runter. Mir kommen immer mal wieder Kinder mit nassen Haaren, mit und ohne Bademantel entgegen. Den beheizten Pool habe ich vom Fenster aus gesehen, von der Rutsche werde ich noch viel hören an diesem Wochenende. Haben diese Kinder keine Eltern? Laufen die hier alle einfach so rum? Und, uhm, ab wann lässt man sein Kind einfach so rumlaufen? Würd mich mal interessieren, interessantes Konzept.

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Unten treffen ich auf Angelika und Johann Hinteregger, die Oberhäupter des Familienbetriebs. Auch einer der Söhne begrüßt uns freundlich. Die lächeln alle soviel hier unten, würd den Berlinern auch nicht schaden. Auf einmal schmettern die Infos über mich herein. Ich genehmige mir noch so ein leckeres Sektchen und nicke und lächle und denke: Hunger. Dieses sowieso schon beeindruckende Familienhotel deluxe hat auch noch einen eigenen Bio-Bauernhof, den „Sorgenhof“ mit ca. 30 Tieren. Das allein würde mein Kind schon beeindrucken. Das mit dem Bio nicht unbedingt, das ist ihm egal, aber die Tiere! 10.000qm gesicherter Natur- und Abenteuer-Spielplatz! Drei Rutschen mit insgesamt mehr als 100 Meter Länge! 900qm Indoor-Kinderclub! Die Freizeitaktivitäten sind schier endlos, von Kletterkursen und Sport und Ponyreiten bis zu Brotbacken und Lagerfeuer und anschließendem Gruselmärchen und Übernachten im Heu wird alles geboten.

„Die Verbindung des Luxus eines Hotels mit der Einfachheit eines Bauernhofs“ lese ich irgendwo. Kann man nicht anders sagen. In die 1000qm große Wellnessanlage dürfen übrigens keine Kinder, hehe, ich weiß also, wo ich meinen Samstagnachmittag verbringen werde. Aber, keine Sorge, für das gestresste Großstadtkind gibt es natürlich eine Kinderbiosauna mit Kino. Glück gehabt.

Im Gespräch erfahre ich, dass es 2015 einen großen Um- und Ausbau gab, um das Hotel noch kinder- und familienfreundlicher zu gestalten, und auch um noch wetterunabhängiger zu werden. Das Hotel hat Platz für 48 Familien. Richtig überladen kann es also nie wirklich wirken. In Südtirol gibt es 25 Familienhotels, eingeteilt in drei Kategorien: Family, Family Comfort und Family Premium. Das Sonnwies gehört zu den Premium Hotels. Dazu gehört zum Beispiel, dass dort nur Familien mit Kindern Urlaub machen.

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Ich verstehe das. In unserem Südfrankreich-Urlaub mit Baby letzten Sommer konnten wir ja schon von Glück reden, wenn ein Restaurant mal einen Hochstuhl hatte. Und auch sonst kann man sagen, dass die Franzosen meistens eher verwundert darüber waren, dass wir mit Baby in den Urlaub fahren. Doch einen Urlaub in so einem Hotel hätten wir uns nie leisten können. Außerdem hatten wir Zeit, da ich mein Studium beendet hatte und mein Mann sieben Monate Elternzeit genommen hat. Wir wollten keinen Urlaub machen, wir wollten reisen. Doch je älter unser Kind wird, und je mehr man über ein zweites Kind nachdenkt, desto attraktiver wird die Vorstellung eines Urlaubs in so einem Familienhotel. Sich um nichts kümmern zu müssen, keine genervten Gäste, das ältere Kind kann toben und spielen und entdecken, für das kleinere Kind gäbe es eine Kinderbetreuung für wenige Stunden, so dass man einmal zu zweit in den Spa gehen könnte oder einen Kaffee zusammen trinken könnte.

Man kann ja eigentlich wirklich erst von Erholung sprechen, wenn man sich über nichts Gedanken machen muss. Wenn man keine Lust hat, alles von zu Hause mitzuschleppen, gerade wenn man ein Baby hat.

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Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist von diesem Wochenende, ist das Essen. Es war unglaublich gut. Und es war auch schön, mal wieder richtig schön zu essen. Mit einem Fünf-Gänge-Menü, einfach so, während die Kinder unserer Gruppe ihren Auftritt im König der Löwen-Musical an dem Abend vorbereiteten. Ich muss tatsächlich sagen, dass ich kein großer Bacon oder Parmaschinken-Freund bin, noch nie gewesen, aber auf unserem Ausflug zum Kircherwirt in Albeins habe ich mich über die gemischte Speckplatte gemacht, als wenn es kein Morgen geben würde. Es war so lecker. Und der Käse. Und das Fleisch. Und die Topfenknödel. Eigentlich kann man allein wegen des Essens (und des Weines!) nach Südtirol fahren. Am 1. und 2. Oktober gibt es sogar ein Speckfestival! Ich denke, Südtirol wird mich ganz zufälligerweise genau dann wiedersehen dürfen, diesmal mit Kind und Mann. Und bei 300 Sonnentagen im Jahr kann man kaum etwas falsch machen.

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Brixen selber war ein traumhaftes kleines Städtchen. Wir haben mit den Kindern die geführte Stadttour gemacht, auf der die Kleinen einen Fragebogen ausfüllen und richtig mitarbeiten mussten. Und sie taten es! Ich war sehr überrascht. Gerade weil ich ohne Kind unterwegs war, erwartete ich jederzeit ein „Ich mag nimmer“, „Es ist zu heiß“ oder „Ich will jetzt ein Eis“. Doch nada! Alle Kinder waren brav, konzentriert und interessiert, vielleicht ist das dieser berühmte Gruppenzwang, von dem immer alle sprechen? Spätestens als wir auf dem Spielplatz mit dem riesigen Elefanten angekommen waren, wurde ich ein wenig traurig. Elefanten sind bei uns zu Hause gerade ganz groß. Doch ich setzte mich auf eine Bank und genoss die Sonne, während andere Mütter schaukelten, rutschten und Eis holten. Ich dachte mir, Montag ist das auch wieder dein Job, genieß die zehn Minuten in Ruhe.

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Ihr fragt euch, warum ein riesiger Elefant auf dem Spielplatz stand? Nun, in Brixen war mal ein Elefant. Lustige Geschichte, aber die müsst ihr euch schon selber anhören. Viel haben wir auch über den Brixner Weihnachtsmarkt und die einzigartige Licht- und Musikshow „Solimans Traum“ auf der Hofburg Brixen gehört. Es soll ein ziemlich großes und beeindruckendes Spektakel sein. Vom 24.11.-08.01. kann man hier den Elefanten Soliman und seine Traumreise bestaunen. Letzten Winter sind 50.000 Menschen gekommen, um sich das anzuschauen, man hatte lediglich mit 10.000 gerechnet!

Mich hat die Ruhe der Landschaft, des Ortes und des Hotels sehr überrascht. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich gestört oder genervt wegen irgendwelcher tobenden und schreienden Kindermassen gefühlt. Es war wirklich alles sehr gesittet und richtig gut organisiert. Das wöchentliche Aktivitätenprogramm ist natürlich auch sehr bedacht, die Kinder an die frische Luft zu bringen. Es ist alles sehr naturnah ausgerichtet und es gibt viele kreative Naturspecials.

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Wir haben das Programm “Naturdetektive” mit dem diesjährigen Natur-Special “Honig & Korn” erleben dürfen. Naturpädagogin Elisabeth Kienzl hat eine Erlebniswanderung durchgeführt und im Anschluss in das “Königreich der Biene und auf Feldforschung rund ums Korn” eingeführt. Es wurden hier ein paar “Stationen” aufgebaut, an welchen Elisabeth viel erzählen und erklären konnte, und die Kinder mit all ihren Sinnen erleben durften, woher denn nun eigentlich der Honig stammt. Gerade für die Großstadtkids ein echtes Erlebnis!

Man bekommt wirklich sehr, sehr viel tolles Programm, Ruhe, Erholung und Entspannung für sein Geld. Man muss sich einfach um nichts kümmern und die Kinder sind alle so ausgelastet und zufrieden.

Der interessanteste Teil für mich waren jedoch immer die Gespräche mit den anderen Eltern. Zu hören, wie viel ihnen die gemeinsame Tasse Kaffee am Nachmittag bedeutet, wenn die Kinder beim Ponyreiten waren, war schön zu hören. Diese Momente der Zweisamkeit sind ja auch oft nicht mehr selbstverständlich. Man hat die Möglichkeit, gemeinsam als Familie Urlaub zu machen, doch jedes Familienmitglied hat die Chance, speziell auf die Altersgruppe zugeschnittene Aktivitäten zu genießen – das gilt auch für die Erwachsenen! Ich sag nur Weinverköstigung…

Die drei Tage im Familienhotel Sonnwies in Südtirol waren so schön, fast hätte ich mir gewünscht, mein Kind wäre auch dabei gewesen!

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