Hauptstadtmutti

Ey meine Freundin letztens so: „Was muss ich für meinen Mann in die Kliniktasche packen?“

Meine Freundin ist schwanger. Eine ist immer schwanger, it’s the age, stupid. Und wie das so ist mit Anfang 30 … die meisten sind zum ersten Mal schwanger. Also schickt mir die Freundin einen Screenshot von so einer „Was in die Kliniktasche gehört“-Liste und schreibt dazu: „Was hast du für deinen Mann in die Kliniktasche gepackt?“.

Zuerst dachte ich, Madame will mich veräppeln, aber Erstgebärende veräppeln nicht. Erstgebärende kaufen Babyfons ohne Strahlung und Beistellbettchen mit schadstofffreier Matratze für 500 €, in dem das Kind nicht ein einziges Mal liegen wird.

Meine Freundin war verunsichert, weil in dieser Liste stand:

„Snacks: Für länger andauernde Geburten sollten Sie etwas Einfaches zum Essen dabeihaben. Denken Sie dabei auch an etwas für Ihren Partner.“

Ich überlegte kurz, auch um den sich anbahnenden Sarkasmus etwas runterzuschrauben, und sagte ihr dann, dass wir, glaub ich, Müsliriegel und Nüsse dabei hatten, was dann aber nach fast 40 Stunden Geburt irgendwie auch egal war. Wenn man also ordentlich schwanger ist, und es jederzeit soweit sein könnte, soll man ja diese Kliniktasche fertig gepackt in der Ecke stehen haben. Drinnen sind die logischen Dinge wie gemütliche Klamotten, Binden, Waschlappen, Lippenpflegestift, Unterlagen, Urkunden und Ladekabel. Und Kleidung für das Kind. Die extra Sachen sind dann wohl Haargummi, Lanolin und Snacks.

Jetzt könnte man wieder Advocatus Diaboli spielen, und sagen, naja, ist doch nett, wenn man eh am Packen ist, dass man dann dem Mann auch etwas einpackt. Der ist ja auch dabei. Hmpf, vielleicht macht man es auch unbewusst sowieso.

Der Mann kann während der Geburt raus

Und das ist halt der springende Punkt. Der Mann kann aufs Klo, zum Süßigkeitenautomaten, in die Cafeteria, oder eine rauchen.  Der kann ‚mal durchatmen‘ und, je nachdem, wie lange so eine Geburt dauert, jetzt kommt’s: Der Mann kann sich auch einfach mal hinlegen. Krass, wa?

(Ich spreche hier übrigens die ganze Zeit vom Mann. Natürlich kann das auch der Partner, die Partnerin, die Freundin oder Ehefrau sein.)

Ich frage mich einfach, ob dieser zusätzliche Satz sein musste: Denken Sie dabei auch an ihren Partner. Denk ich nicht den ganzen scheiß Tag an meinen Partner? Muss ich das dann auch noch während der Geburt? Kann ich nicht wenigstens in dem einen absolut ausnahmslosen Urmoment, der Geburt, nur an mich, also wirklich nur an mich denken?

Nicht, wenn der Mann Hunger hat.

Ich habe ein paar Freundinnen den Screenshot weitergeleitet und wir haben mal rumgesponnen, was man dem Mann noch alles Gutes tun könnte während der Geburt. Ihr wisst schon, um es einfacher zu machen.

In die Kliniktasche für den Mann gehört auf jeden Fall eine Schlafmaske und gute Ohrstöpsel, damit er das Geschrei nicht die ganze Zeit ertragen muss, und wirklich auch mal einen 20-Minuten-Power-Nap einlegen kann.

A propos Maske, so eine Geburt kann echt Falten verursachen, da sollte man sich eine ordentliche Tuchmaske mit ordentlich Feuchtigkeit und Hyaluronsäure einpacken. Die kann man einfach auflegen, und danach wegschmeißen, ohne Schmiererei. Und sieht fantastisch aus, wenn einem dann mal das Krankenhauspersonal dumm kommt, während der Entspannungsphase. Gut, dass die gängigen Drogeriemärkte inzwischen eigene Männer-Kosmetik-Abteilungen haben. Was würde passieren, wenn ein Mann einfach eine Feuchtigkeitsmaske mit Mangogeruch und nicht Bergwerk benutzt hätte?

Frische Wäsche und Badelatschen, dann kann man zwischendurch einfach mal duschen gehen und sich umziehen. Redet kaum einer drüber, aber Gebärende riechen ja auch irgendwann, da sollte man zumindest als Partner den Anschein erwecken, dass wenigstens einer in der Familie auf Hygiene achtet.

Nicht direkt für die Kliniktasche, aber darauf achten, in den Wochen vor der voraussichtlichen Geburt noch einmal zum Friseur und Barbier gehen. Diese modernen Frauen werden immer so missverständlich wütend, wenn man mit einem Neugeborenen im Haus Self Care betreibt. (Ins Fitnessstudio würde ich einfach gehen, wenn sie schläft, oder das Baby mitnehmen, wenn ihr da Kinderbetreuung habt, Männer werden dafür nicht so schief angeguckt und niedergemacht wie Frauen.)

Sollte die Geburt auf einen Dienstag- bzw. Mittwochabend oder noch schlimmer, Wochenende, fallen, dann darauf achten, dass man sich das Sky To Go-Passwort vom Ehrenmann ausleiht und in Ruhe BuLi oder ChaLea gucken kann. Da das WLAN in Krankenhäusern eher nicht vorhanden ist, und Empfang meist schlecht, unbedingt hardcore Datenvolumen erweitern für den Zeitraum und nach draußen gehen. Die Frau kriegt eh kaum was mit, außerdem ist das ja auch schädlich mit den Strahlen fürs Baby.

In diesem Sinne: POWERBANK UND LADEGERÄT. Also für das Handy des Mannes, die Frau muss sich aufs Atmen konzentrieren.

Zigarre im Wartezimmer rauchen ist wohl inzwischen verpönt, aber so ne kleine Schluckschachtel von Berentzen kriegt man zwischendurch hin. Gibt es auch als Gürtel! Klopfer nannten wir die früher.

Es gibt so Brillen, wenn man die aufsetzt, sieht es aus, als wären da zwei wache Augen, zwinker zwinker.

Naja und natürlich die Snacks, ne. Männer mögen ja Wurst, also auf jeden Fall schön die Chorizo mit extra Knoblauch und Chili, das kann man so essen und krümelt nicht, kann sich die Frau nicht mal aufregen. Harzer Rolle ist auch gut, mit einem Haus weg. Und ansonsten Energydrinks, aber die billigen, in der 500ml-Dose mit extra Guarana und VB12, damit man was für die Gesundheit tut. Von warmem Essen würde ich abraten, irgendwer will immer was von einem, und dann müsste die Frau das ja frisch kochen, bevor man losfährt. Sushi eignet sich hier gut, das kann man häppchenweise essen. Und die Frau kriegt auch nichts ab, weil schlecht fürs Baby, also gewinnen alle. Schönen Schokopudding mit Sahne und überhaupt Schokolade für die Nerven oder Cannabis Lollis für die Nerven.

Wenn man richtig punkten möchte mit der Kliniktasche für den Mann: Einen Original Gameboy suchen und Mario Kart, Donkey Kong oder Tekken dazu kaufen, dann wird dem Mann sicherlich nicht langweilig während der Geburt.

Und gestärkt, angeheitert, ausgeruht und wohlriechend ist er auch! Was will man mehr als gebärende Frau?

 

 

 

Photo by Erol Ahmed on Unsplash

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