Homestory: Petit Paris im Wedding

Der Wedding ist um eine Attraktion reicher: Das GàTô ist Pâtisserie und kinderfreundliches Café in einem. Das Publikum ist bunt gemischt, jeder ist willkommen. Eine kleine Pariser Familie hat sich damit ihren Traum von eigenen Laden erfüllt. Grund genug, um sie auch in ihren eigenen vier Wänden zu besuchen und euch quasi eine doppelte Homestory zu bescheren.

Hauptstadtmutti: Gàbrielle, stell dich doch mal vor.

Gàbrielle: Ich bin 32 Jahre alt und komme aus Paris. Ich habe mein ganzes Leben in Paris gewohnt und eineinhalb Jahre in Berlin Kunstgeschichte studiert. Dabei habe ich Berlin für mich entdeckt. Zurück in Paris habe ich dann in der Stadtplanung gearbeitet, mich aber immer nach Berlin gesehnt. Mein Mann Tômas war Reiseredakteur. Auf einer gemeinsamen Reise nach Berlin kam uns die Idee, etwas Neues in Berlin zu gründen. Wir wollten beide etwas anderes machen – und das in Berlin. Er hat dann eine Ausbildung als Koch gemacht und ich habe Konditorin gelernt.

Hauptstadtmutti: Ihr seid aus Paris weg mit dem konkreten Ziel in Berlin etwas Neues aufzubauen? Nach der Ausbildung zum Koch und zur Konditorin in Paris?

Gàbrielle: Ja, genau.

Hauptstadtmutti: In welchem Kiez seid ihr gelandet und warum?

Gàbrielle: Wir leben im Wedding im Maleplaque-Kiez. Er ist so gemischt mit allen Kulturen und Nationalitäten wie nirgendwo anders in Berlin.

Hauptstadtmutti: Und wie lange wohnt ihr schon hier?

Gàbrielle: Seit September 2016.

Hauptstadtmutti: Und das Café?

Gàbrielle: Das gibt es seit Oktober 2016.

Hauptstadtmutti: Oh, dann wart ihr aber sehr schnell!

Gàbrielle: Wir haben zuerst das Café gefunden und haben den Vertrag unterschrieben. Und dann haben wir den Makler gefragt, ob es etwas in der Nähe eine Wohnung gibt. Zufällig und zum Glück gab es drei Wochen später eine mit drei Zimmern im Hinterhof.

Hauptstadtmutti: Da habt ihr ja richtig Glück gehabt.

Gàbrielle: Und die Kita gleich um die Ecke hat uns auch zugesagt, fast zeitgleich.

Hauptstadtmutti: Ihr seid also vom Wedding herzlich aufgenommen worden! Ihr wohnt und arbeitet zusammen, und das sehr nah beieinander. Wie gestaltet sich das?

Gàbrielle: Das Café ist schon so etwas wie eine Ausweitung unserer Wohnung, unserer Privatphäre. Wir haben hier in unserem Café viele Freunde kennengelernt.

Hauptstadtmutti: Das klingt fast nach einem öffentlichem Wohnzimmer. Finden euere Feste, wie etwa Geburtstage, dann auch in eurem Café statt?

Gàbrielle: Ja, Weihnachten zum Beispiel haben wir hier mit unseren französischen Familien gefeiert. Und am Sonntag kamen dann Freunde dazu, mit denen haben wir dann einen Brunch gemacht.

Hauptstadtmutti: Hast du denn einen Lieblingsraum hier im Café oder in eurer Wohnung?

Gàbrielle: Ich mag mein Schlafzimmer sehr gerne, weil ich von meinem Bett aus den Himmel sehen kann.

Hauptstadtmutti: Und wie schaut es aus mit einem Gegenstand? Hast du ein Möbelstück, das dir besonders am Herzen liegt?

Gàbrielle: Unseren Rocking Chair von Eames. Das war ein Hochzeitsgeschenk von unseren Freuden und Schwestern.

Hauptstadtmutti: Hattet ihr euch den gewünscht?

Gàbrielle: Oh, ja! Aber es war trotzdem eine Überraschung. Und dann noch der Nierentisch. Der stand schon bei meinen Eltern, als ich noch ganz klein war. Und auch in meinem Zimmer, ich habe ganz viel mit diesem Tisch gespielt. Heute ist so ein Tisch wieder total schick.

 

Hauptstadtmutti: Suchst du die Möbel für eure Wohnung aus? Oder macht ihr das beide?

Gàbrielle: Ich kaufe gerne ein. Und mein Freund dekoriert gerne, geht aber nie in einen Laden. Und ich mag es sehr gerne Sachen zu finden. Bei ebay Kleinanzeigen oder vom Trödel hier in der Gegend… Es ist unglaublich, wie viel schöne Sachen es gibt. Wenn man wirklich sucht, gibt es viele super interessante Sachen zu finden. Gläser, Geschirr und anderes aus schönem Material.

Hauptstadtmutti: Wie alt ist euer Sohn? Darf er auch mit entscheiden? Hat er sich ausgesucht, was in seinem Zimmer zu sehen ist?

Gàbrielle: Ja. Tadao ist zwei und hat ein paar Tierbilder mit seiner Oma zusammen auf die Mauer geklebt. Er wusste genau, wo die Bilder hin sollen. Und dann gibt es diese kleine Höhle, in der er einfach seine Ding macht, mit seinen Puppen und Bären. Er ist super stolz darauf. Wenn jemand kommt, geht er immer schnell zu seiner Höhle, zeigt sie und versteckt sich dann in ihr.

Hauptstadtmutti: Wie seine Wohnung in der Wohnung?


Gàbrielle: Ja, genau!

Hauptstadtmutti: Ihr seid beide hier im Café beschäftigt, euer Sohn ist vormittags im Kindergarten. Wie klappt das?

Gàbrielle: Einer von uns beiden fängt am Morgen an und holt dann unseren Sohn aus der Kita ab. Der andere schließt um 17 Uhr das Café und muss alles sauber machen. Es gibt also einen großen und einen kleinen Tag, von 9 bis 18.30 Uhr und von 6 bis 15.30 Uhr.

Hauptstadtmutti: Oh, warum so früh? Ab wann habt ihr denn geöffnet?

Gàbrielle: Ab 8 Uhr, aber um alles vorzubereiten.

Hauptstadtmutti: Macht ihr alles selber?

Gàbrielle: Ja, alles ist frisch. Und um alles rechtzeitig fertig zu bekommen, brauchen wir mindestens zwei Stunden.

Hauptstadtmutti: Gibt es auch Aufgaben, die ihr abgegeben habt? Das Saubermachen zum Beispiel?

Gàbrielle: Nein, wir machen alles selber und teilen es uns. Staubsaugen, Geschirr spülen und putzen. Und kochen und backen, das machen wir beide sehr sehr gerne, das ist kein Problem.

Hauptstadtmutti: Gibt es einen Lieblingsort mit Kind in Berlin?

Gàbrielle: Das Labyrinth Kindermuseum in der Osloer Straße. Es ist in einem schönen großen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, und es gibt immer wechselnde Ausstellungen und viel für Kinder zum Spielen. Das ist total cool.

Hauptstadtmutti: Hast du auch einen Lieblingsort, wo du hingehen magst wenn du kein Kind hast?

Gàbrielle: Mhm. Ich mag diesen Laden in Kreuzberg am Paul-Lincke-Ufer, er heißt Wohnzimmer 36. Da gibt viel schöne Deko und kleine Sachen, Geschirr und so.

Hauptstadtmutti: Noch eine letzte Frage: Was ist für dich das Schönste am Elternsein? Und was findest du am Schwierigsten?

Gàbrielle: Gerade haut mein Sohn andere ziemlich viel und versteht nicht, warum er das nicht machen darf. Ich wiederhole es immer wieder, „Du darfst das nicht, du kannst das so nicht machen!“ Und irgendwann weiß man gar nicht weiter, wenn all das nicht funktioniert. Das ist super anstrengend. Und am besten finde ich das Zusammensein! Das Zusammensein und das Zusammenwachsen.

Hauptstadtmutti: Schön. Vielen Dank für das Interview, Gabrielle.

 

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