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Matthias von Kinematics: „Mit Tinkerbots lernen Kinder nach dem Trial-and-Error-Prinzip.“

Lego war gestern, TinkerBots gehört die Zukunft! Wir haben Matthias Bürger vom Start-up Kinematics über ihr Super-Spielzeug ausgefragt und sind ganz begeistert, mit wie viel Herz und Brain man Robotik-Baukästen produzieren kann. 

Hauptstadtmutti: Wie habt ihr euch gefunden, wie ist die Idee entstanden?

Matthias: Christian und Leo haben zusammen Produktdesign in Weimar studiert und schon während des Studiums zusammen Projekte gemacht. Christian war aber schon ein Jahr früher fertig und hat in England bei Dyson gearbeitet und da schon mal den ganzen Ablauf von der ersten Skizze bis zur Produkteinführung mitgemacht. Deswegen ist er bei uns jetzt auch für die Produktion und Entwickler- und Zulieferkoordination zuständig. Leo hat den ersten Prototypen entwickelt und ist daher bei uns der Kreativ-Part und für User-Experience zuständig. Ich habe Wirtschaft und interkulturelle Kommunikation studiert und dann in Innovationsökonomik promoviert. Wir kannten uns vom Sehen und hatten einen gemeinsamen Freundeskreis in Jena. So haben wir uns kennengelernt und relativ schnell beschlossen, uns zusammenzutun. 2012 sind wir dann nach Leipzig gezogen und haben angefangen, Tinkerbots Vollzeit zu verfolgen und auf Investorensuche zu gehen, was nicht ganz einfach war, da die meisten in Deutschland noch auf Apps und Software geeicht sind. Wenn Hardware, dann eher so B2B.

Hauptstadtmutti: Aber die Tendenz soll jetzt ja dahin gehen, dass es wieder mehr und mehr Hardware-Start-ups gibt …

Matthias: Ja, in Amerika gab es den Trend schon etwas früher, hier hat das alles ein bisschen länger gedauert. Für Investoren ist es verlockender, ein Software-Start-up mit geringen Produktionskosten zu haben. Das ist dann sehr viel leichter skalierbar. Natürlich haben die auch Personal- und Marketingkosten, aber bei uns kommen ja noch sehr hohe Materialkosten hinzu.

Hauptstadtmutti: Und habt ihr einen Investor gefunden?

Matthias: Ja, wir haben am ProSiebenSat.1-Accelerator teilgenommen und konnten den Frühphasenfonds Brandenburg sowie einen privaten Business-Angel als Investoren überzeugen, daher auch der Umzug nach Bernau.

Hauptstadtmutti: War das in Brandenburg einfacher als in Sachsen?

Matthias: Die regionalen Fonds sind alle so ähnlich aufgebaut wie der High-Tech Gründerfonds. Dieses Modell gibt es in fast jedem Bundesland, und in Sachsen heißt dasTechnologiegründerfonds Sachsen. Letztendlich hat aber der Frühphasenfonds Brandenburg schneller reagiert und so war die Sache dann schnell entschieden.

Hauptstadtmutti: Es gibt euch jetzt also seit wann?

Matthias: 2013 haben wir die GmbH gegründet – das Jahr, in dem wir die Investoren mit an Bord genommen und alles auf professionelle Füße gestellt haben. Zu dem Zeitpunkt hatten wir aber schon zwei Jahre daran getüftelt.

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Hauptstadtmutti: Und wann habt ihr das erste Mal verkauft?

Matthias: Das erste Mal ausgeliefert haben wir im Dezember letzten Jahres, also wirklich ganz frisch. Wir hatten aber im April/Mai 2014 eine Crowdfounding-Kampagne gestartet, weil wir wissen wollten, ob die Leute bereit sind, dafür Geld auszugeben und wie viel. Und auch was die optimale Baukastenkonfiguration ist, wir hatten bis dahin ja nur mit unseren Annahmen gearbeitet. Deswegen haben wir sechs verschiedene Baukästen angeboten und die drei, die am besten gegangen sind, weitergeführt.

Matthias: Und das Crowdfunding hat gut funktioniert?

Ja, hat es. Wir wollten 100.000 Dollar zusammenbekommen und haben 300.000 Dollar geschafft, die Hälfte davon aus den USA. Als nächsten Schritt möchten wir auch den amerikanischen Markt regelmäßig bedienen.

Hauptstadtmutti: Wo kann man eure TinkerBot-Baukästen kaufen?

Matthias: Momentan nur in unserem Tinkerbots Onlineshop und über unseren amazon Shop. Ab dem Weihnachtsgeschäft möchten wir auch in den Spielwarenhandel, da arbeiten wir gerade dran.

Hauptstadtmutti: Bisher haben wir meistens Leute interviewt, die Produkte für Kinder machen, weil sie selbst Kinder haben …

Matthias (lacht): … und wir machen sie, weil wir selbst Kinder sind!

Hauptstadtmutti: Habt ihr eure Tinkerbots auch bei Freunden von Kindern getestet?

Matthias: Ja, klar. Zunächst mal wollten wir herausfinden, ob es mit Jungs und Mädchen gleichermaßen funktioniert. Beim Testen haben wir dann gemerkt, dass unsere erste Steckverbindung von der Motorik her bei den Kindern nicht so gut funktionierte und konnten sie entscheidend optimieren. Das sind Entwicklungsstufen, durch die man durch muss. Wir haben Tinkerbots auch an Schulen in Leipzig getestet und die Kinder einfach mal eine Stunde damit rumspielen lassen. Dabei haben wir festgestellt, dass Kinder oft eine ziemlich genaue Vorstellung haben von dem, was sie bauen möchten. Oft wollen sie eine Bewegung umsetzen und merken beim Bauen: Das bewegt sich aber nicht so! Dann machen sie aus eigenem Antrieb so lange weiter, bis es so funktioniert, wie sie es wollen. Das ist Lernen nach dem Trial-and-Error-Prinzip, ohne einen übergestülpten pädagogischen Ansatz.

 

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Hauptstadtmutti: 
Für welches Alter sind eure Tinkerbots konzipiert?

Matthias: Unsere Zielgruppe ist 6-12 Jahre, aber das ist natürlich nach oben offen. Es kaufen auch durchaus auch Erwachsene für sich. Vor allem Väter können sich sehr für Tinkerbots begeistern. Bei einer Käufer-Befragung sagte zum Beispiel ein Vater: „Na ja, das Kind ist jetzt ein Jahr alt, aber bis es soweit ist, spiele ich damit.“

Hauptstadtmutti: Das ist ein bisschen wie mit der Modelleisen- und Carrerabahn!

Matthias: Ja, genau. Ein Freund von mir hat schon zu Leipziger Zeiten zu mir gesagt „Das will ich unbedingt haben! Ich liebe meine Kinder und verbringe super gerne Zeit mit ihnen, aber ihre Spielsachen interessieren mich sowas von überhaupt nicht, ich will nicht mit Lego oder Actionfiguren spielen.“ Da hatten wir ein Aha-Erlebnis – wir können also ein gemeinsames Spielerlebnis erzeugen, bei dem die Eltern auch Spaß haben!

Hauptstadtmutti: Wir drücken euch ganz fest die Daumen. Danke für das Interview!

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