Hauptstadtmutti

Als Mutter ohne ‚anständigen Lebenslauf‘ einen passenden Job finden

„Komm“, sage ich zu meiner zweijährigen Tochter und hebe sie aus dem Bett des Nachtzugs Wien – Berlin.

„Wir sind da.“

2016, wir sind da, neue Stadt, neues Zuhause, unser Hab und Gut ist in einem Reiserucksack untergebracht, wir haben eine Wohnung, ein Bett, einen Tisch und zwei Stühle. Ich habe einen Abschluss in Psychologie und bin bereit das neue Kapitel anzugehen. Es trägt den Titel „Wie ich es schaffe für mich und mein Kind zu sorgen.“

Ich bin unvermutet schwanger geworden, im letzten Drittel meines Studiums. Die Schwangerschaft hindurch kellnere ich, gehe weiterhin zu meinem Babysitter Job und kaufe Kleidung für ein Vintage Geschäft ein. Das ist quasi neben studentischer Praxis meine ganze berufliche Erfahrung. Zu dem Zeitpunkt des Umzugs von Wien nach Berlin, April 2016, stehe ich da und komme mir vor wie nach dem Abitur: Was jetzt.

Mir fehlt der Anfang.

Ab und An gebe ich bei Google mein Studium und Job, Berlin ein, lese mich durch verschiedene Angebote und bin danach nur noch mehr verunsichert. Was will ich denn? Schule, Klinik, Wirtschaft, Betreuung von geflüchteten Minderjährigen: alles möglich, aber eigentlich auch nicht, denn Berufseinsteigende sind nicht willkommen. Müde schiebe ich abends, wenn meine Tochter schläft, Abschnitte in meinem Lebenslauf hin und her und sehne mich nach einer Perspektive.

Einen Job zu bekommen erscheint mir unerreichbar, ich würde auch so gerne irgendwohin und irgendwas machen und ein Aufzugs-selfie posten, morgens vor der Arbeit oder am Freitagnachmittag, weil: endlich Wochenende. Selbst betriebliche Weihnachtsfeiern wecken in mir Interesse. Mein Hauptproblem ist nach wie vor das „Irgendwo“, „Irgendwas“. Ich schaue Gilmore Girls und wäre auch so gern eine coole, junge Mutter, die durch Arbeit finanziell unabhängig für sich und ihre Tochter sorgt. Von Freunden lasse ich mir Bewerbungen schicken, aber da das einfach nicht meine sind und der Ton und das Ziel ebenso nicht, hilft mir das auch nicht weiter. Wieder andere raten mir zu ganz anderem, am Ende bin ich durch die Gespräche eher verwirrter als klüger. 

„Erfahrungen“ sammeln, egal wie

Es kommt wie es kommen muss. Ich bewerbe mich blindlings, bekomme natürlich irgendwann einen Job, dann wieder einen anderen und sammle „Erfahrungen“ und vor allem aber Wissen über die Arbeitswelt, sprich: was ist welche Arbeit wert. Und ich erfahre vor Allem: Was will ich nicht. Mein Aktionismus und mein Streben nach „Ich schaffe alles“ führt dazu, dass ich „irgendwas mache um halt was zu machen“. Ich bin 30 und kann die Frage „Was will ich?“ immer noch nicht beantworten. Mein Körper sagt mir, was ich nicht will:

Bei meinem letzten „richtigen“ Job komme ich mir vor als würde ich spielen: Antonia geht ins Büro, Antonia tauscht lahme Witze in der Kaffeeküche mit Mitarbeitenden aus, Antonia plant zwei Wochen Sommerurlaub, Antonia verkleidet sich, um durch Outfits nicht herauszustechen.

Ich habe das Gefühl, mich absolut verstellen zu müssen, um hineinzupassen, das ist Gruppenzwang 2.0. Immer öfter stelle ich mich taub, nicht metaphorisch sondern wirklich und ganz, mein Ohr macht zu und lässt mich alles wie unter Wasser vernehmen. Sonntags will ich nicht, dass es montags wird. Meine Tochter beschwert sich: „Entweder du liegst auf der Coach oder du saugst“. Will ich so leben? Will ich so eine Mutter sein? Als eine Freundin stirbt kündige ich. Mein CV ist nicht stringent, ich habe früher professionell getanzt, damit fange ich wieder an, denke: nie mehr Kapitalismus, nie wieder System, suche mir eine Agentur und gehe zu Castings und Werbejobs. Bis ich wieder Lust auf was anderes habe. 

Neuorientierung dank Insta

Auf Instagram teile ich psychologisches Wissen, quasi Erkenntnis aus dem Fachbereich, das nützlich für alle ist, unabhängig davon ob Störungen/Krise/Erkrankungen vorliegen. Es gibt so viele wichtige Erkenntnisse, die einem helfen können und ich möchte sie gerne teilen.

Der Algorithmus bringt Clara in mein Leben, sie ist eine Creative Business Coachin und hatte gerade ‚The fired up collective‚ gegründet, ein Netzwerk von Coaches. Der Fokus des Netzwerks liegt auf „beruflicher Neuorientierung“, auf Menschen, die „nicht hineinpassen“, „zu kreativ“ sind oder „keinen anständigen Lebenslauf“ haben. Ich lasse mich als Coach zertifizieren und steige mit ein.

Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt wie wichtig es sein kann, Hilfe in dem Prozess der beruflichen Orientierung zu bekommen, nicht blindlings zu suchen, sondern einen Job zu finden, der zu einem passt.

Der einem was gibt und einen nicht auslaugt, einen, bei dem man sonntags nicht weinen will, weil man montags dort wieder hin muss. Ich bin alleinerziehende Mutter, die Probleme, die ich zusätzlich kennen gelernt habe waren vor allem die „Wie viele Stunden sind machbar mit Kind, inklusive Fahrweg etc.“, „Wie schaffe ich es eine work-life-balance herzustellen und habe neben dem Job noch Kraft für das Leben mit Kind“, „Wie schaffe ich es, so viel Geld zu verdienen, dass ich davon gut leben kann“. Ich biete deswegen heute auch Coachings für (Single) Moms an, damit genau die Fragen im Vorfeld geklärt werden können um einen guten Einstieg, eine gute Rückkehr oder eine gute Neuorientierung zu gewährleisten. 

Das Coaching betrachtet die gesamte Person : Was kann ich gut, was macht mir Spaß, welche Werte sind im Bezug auf meine Arbeit wichtig und wo finde ich einen Arbeitgeber, der mich für das bezahlt. Da ich ursprünglich Psychologin bin arbeite ich auch mit Wissen aus der Persönlichkeitsdiagnostik und Sozialpsychologie. Es werden Tools und Wissen vermittelt, Klarheit darüber verschafft, welcher Job wirklich zu der eigenen Persönlichkeit und den individuellen Lebenswegen und Umständen passt, Pläne erstellt, die einem helfen seine neuen Ziele langfristig und durchdacht umzusetzen. Auch wenn man gerade nicht weiss wo es beruflich hingehen soll, so wissen doch die meisten, was sie nicht wollen, was sie unzufrieden macht, was sie nicht mehr arbeiten wollen und darin liegt sehr Potenzial. 

Hauptaugenmerk liegt darauf, Menschen wieder eine Perspektive aufzuzeigen, Das Stigma der Krise und Arbeitslosigkeit aufzulösen und zu zeigen, dass die Situation auch eine echte Chance sein kann. Eine Chance für einen wirklichen Neustart und herauszufinden wie die eigenen Talente und Stärken am besten im Berufsleben eingesetzt werden können. 

Die Kosten für das 8-12 wöchige Job-Coaching werden zu 100% von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter übernommen, wenn man dort arbeitsuchend registriert ist. Diese Möglichkeit kann jedem Menschen helfen den Job zu finden, der sie sie im Leben nachhaltig zufrieden und glücklich macht. Out of the box.

Das Kollektiv besteht übrigens inzwischen aus 22 Coaches, die unterschiedlichen Arbeitsmethoden haben. Auf unserer Website The Fired Up Collective könnt ihr euch alle Coaches ansehen und ein kostenfreies 20-minütiges Erstgespräch ausmachen – wenn ihr gerade auch nicht wisst, wohin mit euch. Das Coaching kann komplett online stattfinden und ist damit für jeden der in Deutschland lebt möglich.
Mich findet ihr auch bei Instagram, ebenso das Kollektiv

Der heutige Gastbeitrag stammt von Antonia aus Berlin. Sie ist Anfang 30 und lebt mit ihrer siebenjährigen Tochter in Berlin. Sie ist Bühnentänzerin und studierte Psychologin, arbeitet als Creative Business Coach und schreibt auf Instagram über pop-psychologische Themen. 

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