Kindererziehung: Liberal, konservativ oder gleich sein lassen?

Kindererziehung
Foto: Grant Benton / Unsplash

Den einen wirklich brauchbaren Ratschlag, den wir bei der Verkündung meiner Schwangerschaft erhalten haben, war dieser: „Lest keine Ratgeber zu Kindererziehung.“ Also taten wir das nicht.

Was will man denn auch bei einem Baby großartig erziehen, sind eh alle grundverschieden, und wenn ihr schon mehrere habt, könnt ihr mir unter Umständen zustimmen. Was bei einem Kind geklappt hat, kann beim anderen zur Verzweiflung führen. Das eine Kind liebt Routine und schläft nach wenigen Wochen durch, weil es jeden Abend um Punkt 7 schlafen gelegt wird; das andere Kind ist auch mit zwei Jahren immer noch jede Nacht mindestens einmal wach – Routine hin oder her.

Doch dann werden sie älter. Sie kriegen Geschwister. Sie schlagen Kinder auf Spielplätzen. Sie beißen Mama. Sie wollen urplötzlich nur noch Nudeln mit Butter essen. Aber wir wollten doch kein Kind, dass nur Nudeln mit Butter isst! Unser Kind soll ein Sushi liebendes Großstadt-Vorzeigekind sein! Mit Geschmack und erweitertem Horizont! Was tun? Spätnachts im Internet auf Blogs und bei Amazon rumrecherchieren, ob andere Menschen, die auch keine Ahnung von nichts haben, ihren Senf zum Thema Kindererziehung abgegeben haben. Am besten kinderlose Menschen, die Kindererziehungsexperten sind! Die sind nämlich so fein ausgeschlafen und haben genug Zen um die Bratzen aller anderen Kinder schön analysieren zu können! Und dann gehen sie abends nach Hause und essen Dinkelnudeln mit Süßrahmbiobutter und gehen um Punkt 7 schlafen, weil Routine.

Nichts da. Wenn schon Erziehungsratgeber, dann welche, die man auf den ersten Blick nicht ernst nehmen kann. Vielleicht lernt man dann eher etwas, weil man mit einem kritischen und einem ungläubigen Auge liest.

Rotzlöffel dank liberaler Kindererziehung?

Einer dieser Verfasser von Erziehungsratgebern und selbst erklärter Gegner von selbigen, der werte Herr David Eberhard, ist Schwede, Vater von sechs (!) Kindern und Psychiater(?). Letztes Jahr hat er ein bisschen die Medien aufgemischt mit seinem Kinder an der Macht. Die monströsen Auswüchse liberaler Erziehung. Es lag nun ein Jahr lang in meinem Bücherregal rum, bis ich vor kurzem mal wieder eine Fahrt in einem Kinderabteil der Deutschen Bahn überleben musste. (An dieser Stelle eine grandiose Buchidee: Ich fahre mit Nachwuchs im Kinderabteil quer durch Deutschland und berichte, na, wäre das etwas für euch?)

Ich hatte vergessen, dass es in manchen ICEs Kinderabteile mit ACHT Plätzen gibt. Und da die meisten Eltern ihren Kindern ja keine Sitzplätze reservieren, kann es gut sein, dass sich sechs Erwachsene mit je zwei Kindern in einem Kinderabteil befinden. Alles schon erlebt. Nun gut. Letztens war da also eine Mama mit vier Kindern. No biggie. Ich bin geborene Mennonitin, kenne auch viele Baptisten, bei uns ist eine Familie mit weniger als drei Kindern wesentlich ungewöhnlicher als eine mit mehr als vier.

Eine Bahnfahrt im Kinderabteil, die ist nicht lustig

Leute, vier Kinder, alle wesentlich jünger als durchschnittliches Einschulalter, einmal Zwillinge, alle völlig von der Rolle. Bevor ihr eure mit schadstofffreiem Nagellack lackierten Nägel Richtung Kommentarfunktion wandern lasst: Ich weiß, dass es beschissene Tage gibt, ich weiß, dass es abends war, und dass die gute Frau alleine war. Ich habe sie angelächelt, ich habe ihr beim Aussteigen meine Hilfe angeboten, sie sollte sich nicht von mir scheiße behandelt gefühlt haben. Tat sie nicht. Der ging’s gut. Und Toma-Luca (kein Scherz) und seinen drei Geschwistern, die zeitweise, seien wir ehrlich, eigentlich die ganze Zeit, auf meiner Kopflehne tobten, ging es ebenfalls prächtig! Wenn sie nicht gerade schrien, heulten, flennten, dann räumten sie meinen Rucksack aus, kletterten auf meinen Koffer, zogen meinem Kind die Schuhe aus. Fand ich nicht so geil. Ganz ehrlich. Fand ich scheiße. Die Mutti sprach weiterhin in ganzen Sätzen, zählte alle Vornamen auf und drohte immer wieder mit Dinkelkeksentzug, alles in einem Singsangton, der in mir den Hulk weckte. Doch ich sagte nichts. Warum nicht? Hast doch sonst so eine große Klappe, Elina! Uhm. Weil ich mein Leben nach dem „You have to pick your battles“-Prinzip lebe, also es versuche, sagen wir es mal so. Das war es nicht wert.

Doch zu Hause angekommen, erinnerte ich mich an das Buch des Herrn Eberhard. Und da ich eh grad in Anti-Bullerbü-Bratzen-Laune war, fing ich an diesem Abend noch an zu lesen und musste ein bisschen nicken. (Ich habe es noch nicht durchgelesen, aber Brigitte MOM hat hier eine schöne Zusammenfassung.) Und warum musste ich so nicken? Ihm zufolge ist es kein Wunder, dass ich im Zug nichts gesagt habe. Dass wir alle keine verzogenen Bratzen mögen, das versteht sich ja von selbst, aber Eberhard geht auch auf den Aspekt der „verlorengegangenen Elterngemeinschaft“ ein:

„Früher gab es eine Gemeinschaft der Erwachsenen. Man hatte die gleichen Werte, was die Erziehung anging. Wenn sich ein Kind danebenbenahm, ging man hin und sagte: Hör auf damit! Diese Übereinkunft gibt es nicht mehr. Wir Erwachsenen stehen nicht mehr füreinander ein, wir stehen nur noch für unsere Kinder ein.“

Ich würde es niemals wagen, ein anderes Kind zurechtzuweisen, vor allen Dingen nicht, wenn die eigenen Eltern(teile) anwesend sind und sich dafür entscheiden, nichts zu tun. Klar, ich bitte das Kind, etwas zu lassen, was mir oder meinem Kind körperliche Schmerzen verursachen könnte, aber ein anderes Kind schelten, nur weil es mich nervt? Ich bin doch nicht blöd. Schaut doch mal, wie ich hier um den heißen Brei herumtanze, weil ich bis zu einem gewissen Grad auch Angst vor euren Kommentaren habe.

So weit ist das gekommen. Man will ja niemanden verletzen, ich möchte, dass alle Mütter auf sich stolz sind, und ich möchte unterstützend sein! Auf der anderen Seite habe ich gerade in Berlin sehr, sehr, sehr oft das Bedürfnis, fremden Kindern ein dickes fettes NEIN zu entgegnen, wenn sie sich in meinen Augen daneben benehmen. Doch das sind ja meine Augen, und die haben nichts zu melden. Und bevor hier nachgefragt wird: Ja, ich finde es in Ordnung, wenn andere Erwachsene meinem Kind sagen, dass er etwas in den Müll schmeißen kann, ihren Hund nicht anfassen soll oder ruhiger sein könnte, weil da gerade ein Baby schläft.

Der Eberhard sagt auch:

„Heutzutage müssen gebildete Eltern auch alles im Griff haben, wenn es darum geht, wie oft und wie lange das Kind den Schnuller haben darf und ob man die mathematische Intelligenz des Kindes fördert, wenn man es beim Lesen von Sudokus zuschauen lässt. Man muss das Kind nicht nur in den Schlaf wiegen, man soll auch noch ganz früh im Leben des Kleinen mit ihm singen und Bücher lesen. Darüber hinaus soll man lachen und fröhlich sein. Sonst ist alles für die Katz gewesen.“

Man macht sich schon wirklich viele Gedanken. Wir wollen ja alle einfach nur alles richtig machen. ALLES! Und man hat viele Menschen um sich herum, gebildete Eltern, wie er es sagt, die sich auch Gedanken machen, und dann redet man am Spielplatz oder nach der Kita oder in der Mittagspause oder man liest und man verschwindet in dieser Sorgenspirale und denkt denkt denkt andauernd an das Kind, über das Kind und was dem Kind wohl fehlen könnte. Ist das wirklich neu? Kümmern wir uns zu viel? Oder ist unser ewiges Kümmern der Grund, dass die Sterberate bei Geburten (Mütter und Kinder) und auch SIDS noch nie so niedrig war? War das früher anders?

Vor kurzem schrieb ich etwas über zwei Eheratgeber aus den 50er-Jahren, einmal DDR, einmal BRD. Believe it or not, beide haben auch etwas zu Kindererziehung zu sagen! Auch wenn es bei beiden nur wenige Seiten sind, möchte ich euch meine (neudeutsch) Learnings nicht vorenthalten.

Erziehungsratgeber aus der guten, alten Zeit: DDR

„Aufgeklärte Eltern wissen, dass die Erziehung ihrer Kinder am ersten Tage beginnt.“

Hier würden gerade Anhänger der Bindungstheorie nach Bowlby wahrscheinlich vehement widersprechen. Oder je nachdem, was man unter Erziehung versteht. In beiden Büchern wird nämlich darauf hingewiesen, dass die Vorbildfunktion der Eltern ungemein wichtig ist, und völlig unabhängig vom gesprochenem Wort.

„Lange bevor der kleine Mensch sprechen kann, beobachtet er. Hierbei kommt es viel mehr darauf an, was die Eltern tun, als auf das, was sie sagen, bzw. mehr darauf, wie sie etwas sagen. Man kann deshalb das Paradoxon wagen: Nicht die Eltern erziehen die Kinder, sondern die Kinder die Eltern – falls nämlich die Eltern etwas von Erziehung verstehen.“

Snap. Yup. Plötzlich ist nichts mehr mit Pizza auf dem Sofa (außer ab und an), oder popeln oder Sachen rumliegen lassen. Schöner ausgedrückt:

„Wenn man sich in einer kinderlosen Ehe noch einigermaßen gehen lassen könnte – sobald kleine Kinder in der Familie aufwachsen, kann man das nicht.“

Nun, man sollte es vielleicht nicht. Es wirkt schon arg heuchlerisch, wenn man das Kind zum Aufheben und Wegräumen ermahnt und die eigene Kaffeetasse vom Frühstück abends noch auf dem Schreibtisch steht. Oder auch das Fluchen. Wenn man einem Schulkind vielleicht erklären kann, was Wörter für Erwachsene sind, ein Kleinkind wird ein neugelerntes „Scheiße!“ so oft wiederholen wie es mag. Vielleicht muss man den inneren Ozzy Osbourne doch ausschalten, Scheibenkleister!

„Mehr und mehr sind die Eltern darauf angewiesen, die Einsicht der älteren Kinder zu gewinnen und ihre Selbsterziehung anzuregen. Ihr Wesen hält den Eltern noch einmal den Spiegel vor. Da unsere Kinder das Produkt der Umwelt sind, die wir durch Worte und Taten in achtzehn langen Jahren geschaffen haben, so stellen sie in ihrer Person und in ihrem Verhalten zugleich die treffendste Kritik unserer Ehe dar.“

Autsch. Ist das so? Ihr Eltern mit Teenagern und fast Zwanzigjährigen, was sagt ihr dazu? Ich denke, was der Autor damit sagen möchte, ist, dass wir schon echt gewaltig aufpassen sollten, wie wir uns verhalten und was wir sagen, wenn unsere Kinder in der Nähe sind. Eigentlich ist so eine Familie ja auch eine nie enden wollende WG, immer ärgert man sich über seine Mitbewohner, und das schlimmste: Man ist alleine oder zu zweit dafür verantwortlich, sie auch noch am Leben zu erhalten und zu brauchbaren Mitgliedern dieser Gesellschaft zu erziehen. Wenigstens hat unser Loser-Mitbewohner aus dem Studium es regelmäßig geschafft, sich eine Pizza zu bestellen. Also schnell zu großartigen, selbstständigen Wesen erziehen!

Erziehungsratgeber aus der guten, alten Zeit: BRD

Auch hier wird sie sofort erwähnt, die Vorbildfunktion:

„Das, was man von seinen Eltern sieht und hört, sei für den „moralischen“ Menschen das wichtigste. Erziehen heißt demnach nichts anderes als Vorbild und Beispiel sein.

Wer erziehen will, muss zuerst sich selbst erzogen haben, um Vorbild sein zu können. Das ist strapaziös, und deshalb unterlässt man es gern. Man macht dann beim Erziehen liebe viele tönende Worte, man redet, mahnt, zupft hier und da an den Kindern rum, nörgelt und predigt am laufenden Band und wundert sich, wenn alle die schönen Worte nichts fruchten, weil die Dauerberieselung durch Mahnen, Schelten und Klapse die Kinder völlig abgestumpft hat.“

Mmmmh. So ging es mir mit der Frau im Zug. Dass sie gar nicht müde wurde, sie hat zwei Stunden lang ohne Pause gebeten, ermahnt, gedroht und kam nicht mal aus der Puste. Ich will ihr nicht vorwerfen, dass sie zu Hause auf der Sofalehne turnt, vier Kinder sind schließlich vier Kinder und eine Zugfahrt ist kein Zuckerschlecken, aber ich muss sagen, bei unserem Kind hilft „Gelaber“ null. Nur Konsequenz. Entweder ich nehme ihm das jeweilige Ding weg, mit dem er gerade Schabernack anstellt oder ich kann mich dumm und dusselig reden. Aber unser Kind ist ja klein. „Nein“ ist für ihn immer noch Grund, einen Lachkrampf zu kriegen, auch wenn wir meistens nur versuchen zu verhindern, dass er sich mit Messern, Steckdosen oder im Straßenverkehr versucht umzubringen.

„Es ist gar nicht so schwer, Kindern ein gutes Benehmen oder Höflichkeit beizubringen, wenn man sich selbst gut benimmt und höflich ist, und zwar nicht nur vor Fremden oder außerhalb des Hauses, sondern vor allem innerhalb der eigenen vier Wände.“

Ja, das hört sich auch ein bisschen nach Wunschdenken an. Haha, selbst die besterzogensten Kinder schmeißen sich mal auf den Boden. Außer natürlich die französischen Kinder, ist klar.

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Foto von Tim Gouw

„Da ist, um nur ein Beispiel zu nennen, die gemeinsame Mahlzeit. Sie soll nicht nur der Nahrungsaufnahme dienen, sondern eine schöne Ausdrucksform des Familienlebens sein. Das kann nie der Fall sein, wenn jeder kommt und geht, wann er will, wenn der Vater beim Suppelöffeln die Zeitung liest, die Mutter hin und her rennt, die Kinder sich bei Tisch nicht von ihrem Spielzeug trennen. Alles das sind Unarten und Unhöflichkeiten, durch die man zeigt, dass man die Gesellschaft des anderen nicht für so wichtig hält wie die Zeitung oder das Spielzeug.“

Ersetze Zeitung durch Smartphone und Spielzeug durch Tablet und wir sind im Jahre 2016 angekommen. Schnell Instagram checken, auf diese Email reagieren, Oma und Opa noch ein Video vom Spielplatz schicken. Ertappt. Das ist wirklich etwas, woran wir und viele andere Familien sicherlich arbeiten müssen. Gemeinsame Mahlzeiten, wenigstens eine am Tag, sollte Familienzeit sein, je nach Möglichkeit. Das heißt ohne Geräte.

„Auch die Liebe zum Tier kann man bei seinen Kindern am besten dadurch wecken, dass man selbst die Natur mit all seinen Geschöpfen liebt und schützt. Nicht die sentimentale Vermenschlichung des Tieres, die dem Tierschutzgedanken schon so viel geschadet hat, ist das Ziel, sondern die Anerkennung des Tieres als fühlendes, empfindliches Wesen und als Kamerad, zu dem man gut und menschlich sein muss.

Man sollte also schon beim Kleinkind nicht dulden, dass es sein Stofftier schlecht behandelt, es herumpufft oder in kindlichem Forschungstrieb zerfleddert.“

Auch hier soll man mit gutem Beispiel voranschreiten, auf Spaziergängen nicht absichtlich Käfer zertreten und fremde Katzen nicht mit Steinen vom eigenen Grundstück jagen, the basics, you know. Frau Dr. Oheim ermahnt die LeserInnen auch, dass das Schlachten von Tieren vor kleinen Kindern per Gesetz verboten ist. Ah, gut.

„Man kann also nur gut miteinander auskommen, wenn jeder das Wesen des anderen respektiert. Auch zu dieser Duldung, zur Anerkennung der Persönlichkeit des Partners, kann man schon Kinder erziehen, und zwar wiederum durch gutes Beispiel. Dass das Maß an Toleranz, das die Eltern untereinander sich entgegenbringen, auch auf die Kinder wirkt, steht außer Zweifel. Kinder, die Tag für Tag mit ansehen müssen, wie die Mutter am Vater oder umgekehrt, der Vater an der Mutter herumkritisiert, werden kaum einen wirklichen Begriff von Duldsamkeit oder Freiheit bekommen.“

Soviel zum Thema streiten und meckern vor den Kindern. Man kann sich ja giftige SMS schicken, hihi. Ach nee, Smartphones vor den Kindern soll man ja nicht. Also ich weiß nicht. Ich kenne auch Freunde, die aus allen Wolken gefallen sind, als ihre Eltern sich haben scheiden lassen. Sie kannten Friede, Freude, Eierkuchen und plötzlich Trennung. Ab und zu sollte man vielleicht den Kindern zeigen, dass es auch ok ist, unterschiedlicher Meinung zu sein, oder traurig oder auch wütend zu sein. Gerade Mädchen wird oft gesagt, dass sie lieb und nett sein sollten und weibliche Wut wird seit Jahrhunderten gerne als Hysterie abgetan (bis heute).

„Natürlich müssen Kinder den Geboten ihrer Eltern folgen. Aber man sollte ihnen im Rahmen des erzieherisch Vertretbaren doch möglichst viel Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit lassen.“

„Nicht jedes Kind sitzt, um ein ganz banales Beispiel zu nennen, beim Lesen gern brav auf seinem Stühlchen, es liegt beim Schmökern lieber flach auf dem Boden. Viele Kinder mögen keinen Spinat oder wollen ihr Gemüse lieber auf einem Extrateller und nicht zusammen mit Fleisch und Kartoffeln. Solange solche Eigenwünsche die Allgemeinheit nicht stören, sollte man Nachsicht dafür haben. Vor allem die Väter, die so gern ihre Prinzipien reiten und ihren Frauen vorwerfen, dass sie solche Prinzipien nicht hätten.“

Dr. Oheim fordert „kleine Oasen der Selbstständigkeit und Freiheit“ für alle Familienmitglieder! Beispielsweise ein Fach für das Kind, das es selbst mit Spielzeug einräumt, dass man jeden in der Familie lange schlafen lässt, der gerne lange schläft, und dass man die Sachen des anderen, auch die heißgeliebten Stifte des Kindes, nicht nimmt.

„Nichts ist schädlicher für ein Kind, als wenn man durch unentwegtes Erziehen seine Persönlichkeit einschnürt.“

Also, was haben wir nun über Kindererziehung gelernt? Am Ende des Tages zählt wahrscheinlich, dass man als gutes Vorbild und mit viel Liebe, Geduld, aber auch Konsequenz durchs Leben schreitet. Dazu gehört auch mal Pizza-Bestellen oder ein Notfall-Zeichentrickfilm, weil man dringend etwas erledigen muss, und dass man dem imaginären Freund einen Teller hinstellt. Und die Mama im Zug? Ich finde es schade, dass ich Angst hatte, etwas zu sagen. Aber so ist das halt im öffentlichen Leben, man sieht und erlebt bestimmt vieles, was einem nicht gefällt. Es ist nicht meine Aufgabe, ihre Kinder zu erziehen, aber das nächste Mal, wenn es mir wirklich reicht, dann sag ich was! Versprochen!

„Außerdem – die Zeit rollt, und die ausgleichende Gerechtigkeit sorgt schon dafür, dass sich die Kinder eines Tages als Vierzig- oder Fünfzigjährige die einst geübte Kritik an den älteren selbst gefallen lassen müssen.“

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